Fußball

Havertz brilliert für Bayer 04 BVB macht Druck, Bremen feiert Videobeweis

imago0047277449h.jpg

Raphael Guerreiro traf in der Vorwoche doppelt im Revierderby und legte nun Wolfsburg nach.

(Foto: Groothuis/Witters/Pool/Witters)

Erling Haaland trifft nicht, aber Borussia Dortmund verfügt nicht nur in Wolfsburg über noch einen Torjäger. Bayer Leverkusen düpiert Borussia Mönchengladbach im Top-Duell des 27. Spieltags der Fußball-Bundesliga. Werder Bremen entgeht der späten Ernüchterung um Zentimeter.

Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 1:3 (0:1)

Zweites Geisterspiel, zweiter Doppelpack: Dank Shootingstar Kai Havertz hat Bayer Leverkusen erstmals seit September einen direkten Champions-League-Platz erobert. Die Werkself zog durch ein verdientes 3:1 (1:0) im Verfolgerduell bei Borussia Mönchengladbach an dem Westrivalen vorbei und darf als vorläufig Dritter sogar nach ganz oben schielen. Der überragende Havertz sorgte mit seinem Blitz-Tor (7.) und einem verwandelten Foulelfmeter nach Videobeweis (58.) für Leverkusens achten Sieg im zehnten Rückrundenspiel. Sven Bender (81.) erzielte den dritten Bayer-Treffer. Marcus Thuram (52.) traf zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Der 20 Jahre alte Havertz, der kurz vor der Pause zudem die Latte traf, hatte schon am Montag in Bremen mit einem Doppelpack überragt. Acht seiner jetzt zehn Saisontore markierte der Nationalspieler nach der Winterpause.

In der temporeichen Begegnung überzeugte das Team von Trainer Peter Bosz vor allem offensiv mit schnellem, druckvollem Spiel, Gladbach lief vor allem vor der Pause nur hinterher - so auch gleich zu Beginn, als Havertz nach Zuspiel von Karim Bellarabi flach ins lange Eck traf. Gladbach-Coach Rose hatte vor dem Spiel noch vor den "außergewöhnlichen Qualitäten" des Nationalspielers gewarnt - vergeblich.

imago0047277431h.jpg

Havertz traf wieder doppelt.

(Foto: Maik Hlter/team2sportphoto/PoolviaNorbert Schmidt)

Havertz blieb auch in der Folge brandgefährlich, Gegenspieler Rami Bensebaini bekam den 20-Jährigen kaum in den Griff. Das Bild blieb daher gleich: Während Gladbach kein Durchkommen fand, ließ Bayer munter den Ball zirkulieren. Kurz vor der Pause traf Havertz die Latte (45.), beim Nachschuss von Demirbay rettete Elvedi spektakulär mit der Fußspitze. Gladbach kam zwar gut aus der Pause, als Thuram mit einer Direktabnahme sein achtes Saisontor erzielte. Doch der Ausgleich hielt nicht lange: Schiedsrichter Sören Storks wertete einen Einsatz von Elvedi gegen Bellarabi nach Ansicht der TV-Bilder als elfmeterreif, Havertz traf mit etwas Glück vom Punkt zum 2:1. Für einen Hauch von Bundesliga-Atmosphäre sorgten die exakt 12.993 lebensgroßen Fan-Pappfiguren auf den Tribünen, darunter auch sechs Bayer-Fans im Gästeblock. "Stumme Mienen. Für Borussia, gegen Geisterspiele" war auf einem Spruchband zu lesen, zudem "Pappen-Mahnmal. Fußball ohne Fans ist nichts".

VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund 0:2 (0:1)

Mit dem sechsten Ligasieg in Serie hält Borussia Dortmund im Titelkampf den Druck auf Tabellenführer Bayern München aufrecht. Die Westfalen setzten sich beim VfL Wolfsburg dank der Treffer von Raphael Guerreiro (32.) und Achraf Hakimi (78.) mit 2:0 (1:0) durch und dürfen verhalten optimistisch dem Bundesliga-Gipfeltreffen am Dienstag im heimischen Stadion entgegensehen. Guerreiro schloss bei seinem Führungstreffer die einzig sehenswerte Kombination der Gäste in der ersten Halbzeit mit einem Flachschuss aus kurzer Distanz ab. Vorausgegangen war ein Abstimmungsproblem der Wolfsburger Defensive. Hakimi nutzte später einen Konter zum beruhigenden zweiten Treffer. Kurz darauf sah der eingewechselte Wolfsburger Felix Klaus nach einem groben Foulspiel und Videoüberprüfung die Rote Karte (83.) von Schiedsrichter Daniel Siebert. Guerreiros Führungstreffer war der Höhepunkt einer von beiden Seiten enttäuschenden ersten Halbzeit. Ohne Zuschauer wirkte die Partie wie ein Trainingsspiel, Strafraumszenen waren an den Fingern einer Hand abzuzählen. Die beiden Trainer Oliver Glasner (Wolfsburg) und Lucien Favre (Dortmund) wirkten am Spielfeldrand fast temperamentvoller als ihre Akteure auf dem Rasen der Volkswagen-Arena.

Der Schweizer Coach reagierte auf diese Lethargie und ersetzte nach dem Seitenwechsel Mats Hummels durch Emre Can. Auch ohne personelle Maßnahmen wurden die Aktionen der Wolfsburger zu Beginn der zweiten Halbzeit druckvoller. Erstmals geriet sogar das Dortmunder Tor in Gefahr, doch ein verdeckter Schuss von Renato Steffen (48.) strich knapp über die Querlatte. In der 62. Minute scheiterte der Schweizer an seinem Landmann Roman Bürki im BVB-Gehäuse.

Mehr als ein Strohfeuer war diese Aktionen aber nicht. Die Gäste übernahmen nach einer Stunde wieder das Kommando, ohne wirklich zu glänzen. Komplett vorbei lief die Begegnung an Erling Haaland, der Torjäger Norweger wählte immer wieder die falschen Laufwege und kam so gar nicht erst in erfolgversprechende Zweikämpfe vor dem VfL-Tor. Schon vor der Begegnung der Partie hatte BVB-Sportdirektor Michael Zorc bekannt gegeben, dass man den zum Saisonende auslaufenden Vertrag mit Mario Götze nicht verlängern werde.

SC Freiburg - Werder Bremen 0:1 (0:1)

Mit dem ersten Erfolg seit 126 Tagen hat Werder Bremen im Abstiegskampf neuen Mut geschöpft. Die Mannschaft des angezählten Trainers Florian Kohfeldt holte beim SC Freiburg einen 1:0 (1:0)-Zittersieg, Relegationsrang 16 ist vorerst nur noch zwei Punkte entfernt. Leonardo Bittencourt (19.) erzielte mit seinem siebten Karriere-Tor gegen Freiburg die Führung der Bremer, die die Schlussphase nach Gelb-Rot gegen Philipp Bargfrede (88.) in Unterzahl spielen mussten. Den angekündigten Willen, die Wende mit aller Macht zu erzwingen, lebte Kohfeldt selbst von Beginn an vor. "Komm, komm, komm", schrie er seinen Schützlingen von außen immer wieder zu - in Sachen Engagement war den Gästen auch überhaupt kein Vorwurf zu machen. Durch energisches Pressing und harte Zweikämpfe eroberten die Bremer häufig den Ball.

Die Führung durch Bittencourt, der mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze traf, hatte sich dennoch nicht unbedingt abgezeichnet. Mit dem ersten Tor der intensiven Begegnung änderten sich die Kräfteverhältnisse. Freiburg wurde nun aktiver, die Bremer mussten öfters und teilweise in höchster Not klären. Kohfeldt feierte die gelungenen Defensivaktionen fast so, als hätte seine Mannschaft ein weiteres Tor erzielt. So mussten die Bremer den Ausgleich fürchten - nicht zuletzt, weil im Mittelfeld immer noch der ein oder andere Fehlpass unterlief. Die schwächste Defensive der Bundesliga wehrte sich, angefeuert vom nimmermüden Kohfeldt, allerdings mit Tacklings und großer Laufbereitschaft. Die beste Aktion blieb indes Torhüter Jiri Pavlenka (61.) vorbehalten, der den flachen Fernschuss von Nicolas Höfler entschärfte.

Der vermeintliche Ausgleich durch Manuel Gulde (89.) schockte die dezimierten Bremer - umso größer war die Erleichterung, als Schiedsrichter Robert Hartmann nach Videobeweis auf Abseits entschied.

SC Paderborn - TSG Hoffenheim 1:1 (1:1)

Wieder kein Sieg, die Hoffnung schwindet zusehends: Der SC Paderborn hat seine Heim-Misere auch nach dem Bundesliga-Restart nicht überwunden und kommt dem Abstieg immer näher. Das Tabellenschlusslicht erreichte gegen die zuletzt ebenfalls schwächelnde TSG Hoffenheim lediglich ein 1:1 (1:1) und konnte den Druck auf Fortuna Düsseldorf auf dem Relegationsplatz nicht nennenswert erhöhen. Das Tor von Dennis Srbeny (9.) vor leeren Rängen aufgrund der Corona-Pandemie war zu wenig für den Aufsteiger, der lediglich zwei seiner 14 Heimspiele gewann (zehn Niederlagen). Paderborn bleibt mit 18 Zählern Letzter. Auch die TSG, für die Robert Skov früh traf (4.), kann nicht zufrieden sein: Durch das siebte Spiel in Folge ohne Sieg verabschiedet sich die Mannschaft von Alfred Schreuder schleichend aus dem Kandidatenkreis für die Europa League. "Wir müssen ein Tor erzielen, sonst werden wir auf keinen Fall gewinnen. Wer das Tor am Ende macht, ist mir eigentlich egal. Selbst, wenn Leopold Zingerle nach vorne läuft", hatte SCP-Trainer Steffen Baumgart im Scherz erklärt.

Doch Zingerle hatte keinerlei Muße für waghalsige Offensiveinlagen. Vielmehr musste der SCP-Schlussmann den Ball nach 181 Sekunden gleich aus dem eigenen Netz holen, weil seine Vorderleute die Gäste kombinieren ließen und Skov aus sieben Metern vollstrecken durfte. Der Aufsteiger konterte aber kurz darauf durch Mittelstürmer Srbeny, der nach einem Fehler von Ermin Bicakcic den überraschten Oliver Baumann im TSG-Tor überwand - das fünfte Tor von Winterzugang Srbeny war zugleich der erste Paderborner Treffer überhaupt gegen Hoffenheim im sechsten Duell.

Die von Baumgart erneut aggressiv eingestellten Ostwestfalen übten wie üblich viel Druck aus. Hoffenheim konnte sich aber immer wieder spielerisch befreien und kam vor allem über die rechte Seite mit dem Tschechen Pavel Kaderabek mehrmals gut vor das Tor. Auf der Gegenseite setzte Gerrit Holtmann immer wieder Akzente, eine Hereingabe des Linksaußen verlängerte Hoffenheims Sebastian Rudy an die Latte des eigenen Tores (35.). Beiden Teams halfen nur drei Punkte, und das merkte man in der Schlussphase, die von teils wilden Aktionen geprägt war - und einen Bundesliga-Rekord brachte: SCP-Abräumer Klaus Gjasula sah seine 14. Gelbe Karte, mehr hatte zu diesem Saisonzeitpunkt noch niemand auf dem Konto. Kurz vor dem Ende verpasste Hoffenheims Munas Dabbur (87.) per Kopf den möglichen Siegtreffer.

Bereits am Freitagabend hatte Hertha BSC das Berliner Stadtderby gegen den 1. FC Union deutlich mit 4:0 für sich entschieden. Im leeren Olympiastadion revanchierten sich die Blau-Weißen für das 0:1 im Hinspiel in Köpenick. Für den neuen Hertha-Trainer Bruno Labbadia war es im zweiten Spiel der zweite Sieg.

Quelle: ntv.de, tsi