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Mittwoch, 06. Dezember 2017

Trauma-Monster PSG verjagt: Der FC Bayern ist wieder wer

Von Judith Günther

Platz eins verpasst, Revanche geglückt: Mit einem überzeugenden Sieg gegen Paris Saint-Germain meldet sich der FC Bayern in der Champions League zurück und sendet der europäischen Fußball-Konkurrenz Liebesgrüße aus München.

Jupp Heynckes hat an diesem Abend in der Fußball-Champions-League vieles richtig gemacht. Mit 3:1 hatte der FC Bayern München am Dienstag das Starensemble von Paris Saint-Germain aus der heimischen Arena gefegt und sich damit für die blamable 0:3-Pleite im Hinspiel revanchiert. Die hatte Heynckes-Vorgänger Carlo Ancelotti damals den Job gekostet. Der FC Bayern ist wieder wer, das war nun das Signal, das der deutsche Rekordmeister an die europäische Konkurrenz sandte. Dass der "Wunschtraum" vom Gruppensieg nicht mehr realisiert wurde - geschenkt. Ein zufriedener Trainer Heynckes resümierte dann auch folgerichtig: "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben."

Heynckes überraschte mir der Aufstellung viele - außer sich selbst.
Heynckes überraschte mir der Aufstellung viele - außer sich selbst.(Foto: imago/ActionPictures)

In München können sie über den erfolgreichen Exorzismus der Pariser Trauma-Monster hinaus zur Kenntnis nehmen: Die von Ancelotti verordnete Identitätskrise kann offiziell für beendet erklärt werden. "Das was wir gesehen haben, war nicht Bayern München", hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem Paris-Debakel auf der schon fast geschichtsträchtigen Wutrede im L´Hotel du Collectionneur erklärt - um dann wenig später den Schuldigen zu identifizieren und in den Münchner Feierabendverkehr zu entlassen. Kurios also, dass Nachfolger Heynckes die Therapiestunde gegen das Pariser Trauma ähnlich anging, wie Ancelotti es getan hatte: Mit einer durchaus überraschenden Aufstellung, die Rummenigge vor dem Spiel vorsichtig als "interessant" bezeichnete.

Tolisso spielt überragend auf

Franck Ribéry wurde nach seinem Kurz-Comeback am Wochenende in der Bundesliga gegen Hannover 96 zum Kapitän befördert, die Weltmeister Thomas Müller und Jérôme Boateng blieben dagegen zu Beginn ebenso draußen wie der zuletzt starke Javi Martínez. Goldrichtig lag Heynckes aber vor allem mit der Hereinnahme von Doppeltorschütze Corentin Tolisso, der gegen seine Landsleute endlich einmal zeigte, warum er dem FC Bayern im Sommer die - für Bundesliga-Verhältnisse - Rekordablöse von 41,5 Millionen Euro wert war.

Nun muss Jupp Heynckes anders als Ancelotti seine Aufstellung vermutlich höchstens vor Jupp Heynckes rechtfertigen, tat es aber später im Sky-Interview: "Tolisso hat schon in den letzten Wochen immer wieder angedeutet, dass er ein großartiger Fußballer ist. Er hat in dieser Woche überragend trainiert, deshalb war es für mich selbstverständlich, dass er spielen würde." Wenn Trainer sein doch immer so einfach wäre.

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Hochzufrieden dürfte Heynckes auch mit der disziplinierten Leistung seiner neu zusammengewürfelten Bayern-Elf gewesen sein. Dass die Pariser Star-Offensive um das Trio Neymar, Edinson Cavani und Kylian Mbappé weitestgehend neutralisiert wurde, lag zwar auch an deren insbesondere in der ersten Halbzeit mäßig motiviertem Auftritt. Vor allem aber lag es an der Bereitschaft aller Bayern-Akteure, bedingungslosen Einsatz zu zeigen. Wo die Münchner im Hinspiel als völlig verunsicherter und phasenweise wilder Haufen agierten, war nun ein Kollektiv auszumachen. Das ließ insbesondere die Bayern-Defensive stabiler aussehen, als es eigentlich der Fall war.

Ulreich glänzt mehrfach

Ließ sich Paris Saint-Germain doch einmal zur Demonstration seiner Offensivstärke herab, stand im Tor des Rekordmeisters mit Sven Ulreich zudem ein Keeper, der den langzeitverletzten Manuel Neuer fast vergessen macht. Schon vor den Glanzparaden an diesem Abend hatte die etatmäßige Nummer zwei deutlich gemacht: "Wenn Manu wieder gesund ist im neuen Jahr, wird es sicher schwierig, sich wieder auf die Bank zu setzen." Vermutlich auch für Ulreich schade, dass Kaderflüsterer Heynckes die Entscheidung über die Aufgabenteilung im Münchner Tor dann an seinen Nachfolger delegieren wird. Dass Ulreich so stark aufspielt, verdanke er auch der neuen Regentschaft von Comeback-König Heynckes, sagte er gegenüber Sky: "Der Rhythmus macht mich stark. Es freut mich, dass ich immer besser reinkomme. Jupp Heynckes hat mir vom ersten Tag das Gefühl gegeben, dass er auf mich setzt und dass er mir das Vertrauen gibt."

Dass sich die Münchner nun schon derart weitsichtig mit der Zukunft beschäftigen, darf ebenfalls als Zeichen gewertet werden, dass die Ancelotti-Altlasten wirklich langsam abgetragen sind. Und dass die vom italienischen Trainer ausgelöste Bayern-Krise endgültig weitergewandert ist - womöglich nach Paris? Immerhin ging der jüngsten Auswärtsniederlage des millionenschweren Pariser Klubs eine peinliche erste Saisonniederlage in der französischen Ligue 1 gegen Aufsteiger Racing Straßburg voraus. Die vorzugsweise in den französischen Medien geführte Diskussion um PSG-Trainer Unai Emery dürfte das neu entfachen - seit dem historischen 1:6-Kollaps in der letztjährigen Champions-League-Spielzeit wirkt der Baske kontinuierlich angezählt.

Ob der Coach das seinen PSG-Granaten in der Halbzeitpause mit auf den Weg gegeben hat, ist nicht überliefert. Einiges spricht jedoch dafür, dass es in den Katakomben der Münchner Arena nicht allzu freundlich zugegangen ist. Dafür war die Leistung, die sein Starensemble - allen voran Neymar - bis dato abgeliefert hatte, in schon fast provokanter Weise unmotiviert und lustlos. Damit ist auch zu erklären, warum sich sogar der millionenschwere Klubpräsident und Bauherr des Konstrukts PSG, Nasser Al-Khelaifi, auf den Weg in die Kabine machte. Verständlich: Wäre ja auch ärgerlich, wenn die mit vielen Millionen erkaufte Alphatierstellung in Europa so mia-san-mia-nichts wieder nach München wandern würde.

Quelle: n-tv.de

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