Fußball

Hertha-Star gefährdet Liga-Start Die fatale Ignoranz von Salomon Kalou

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Sein Clip torpediert die Pläne der DFL zur Fortsetzung des Spielbetriebs.

(Foto: imago images/Bernd König)

Die Deutsche Fußball-Liga möchte die Saison so bald wie möglich fortsetzen. Mit strengen und selbst auferlegten Regeln. Das vorgelegte Konzept findet viel Zustimmung - aber wie anfällig es ist, zeigt der "Fall Kalou".

Klar, Salomon Kalou ist jetzt der Böse, der Dumme, der Idiot, der Untragbare. Je nach Stimmung in den sozialen Netzwerken fallen die Kommentare über das, was Kalou ist, auch noch deutlich heftiger aus. Sogar tumber Rassismus mischt sich in die Bewertung über das, was der (mittlerweile suspendierte) Stürmer von Hertha BSC getan hat. So ein Schwachsinn! Schwachsinnig war tatsächlich aber auch, was der 34-Jährige da am Montagnachmittag per Facebook live gestreamt hatte. Corona? Kann Kalou (und einige seiner Kollegen) mal! Das ist die Erkenntnis aus dem bizarren Clip, der bis zum Skandal hochgeschrieben wurde.

In den knapp 25 Minuten räumt der Ivorer einfach alles ab, was sich die Bundesliga in den vergangenen Wochen in der Corona-Krise, aufgebaut hat, um ihre Spielzeit noch fortsetzen und zu einem Ende bringen zu können. Er räumt auch das ab, was sich sehr viele Menschen aus den verschiedenen Vereinen als Lehre aus der Krise gewünscht hatten: mehr Demut in diesem so abgehobenen, eskalierten, moralisch zerstörten System. Kalou ist das offenbar alles egal: Hygiene? Is' nicht. Abstand? Auch nicht. Und Demut? Pah! Stattdessen wird auf den Gehaltsverzicht geschimpft. Kalou befeuert das Vorurteil des völlig entglittenen Fußballprofis. Ausgerechnet Kalou, dem der "Spiegel" eigentlich eine große Seriosität bescheinigt, der als reflektierter Typ gilt. Wie fatal das ist!

Ein Einzelfall sei das, betont die Hertha. Man möchte es den Berlinern, die ja ohnehin schon durch eine äußerst turbulente Chaos-Saison trudeln, gerne glauben. Aber dass die meisten Personen in dem Video, ein Co-Trainer und mehrere Spieler, es nicht so tragisch finden, dass Kalou keinen Abstand zu ihnen hält und auch den körperlichen Kontakt - Begrüßung per Hand oder Faust - nicht scheut, deutet zumindest darauf hin, dass auch sie einen eher laxen Umgang mit Corona pflegen. Und dass die Ansagen des Klubs, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, nicht ankommen.

Nur ein Physiotherapeut, der bei Verteidiger Jordan Torunarigha gerade einen Abstrich nimmt und dabei übrigens den Vorgaben entsprechend nicht ausreichend geschützt ist, erkennt das Fehlverhalten und den fatalen Unsinn des Videos.

Covid-19, Koma - ach egal?!

Und natürlich steht der "Fall Kalou" nicht allein. Natürlich gibt es auch viele andere Fußballer, die glauben, dass sie gegen die Coronaviren immun sind. Die schließlich gut ausgegangene Geschichte des Franzosen Junior Sambia, der an Covid-19 erkrankt war und ins Koma versetzt werden musste? Egal, wird ignoriert. So gab es aus der Premier League mehrere Berichte über Fußballer, die offenbar sehr wilde Partys gefeiert haben - trotz strenger Kontaktverbote. Und auch Star-Trainer José Mourinho fand, dass er mit einem Spieler trainieren dürfe, auch wenn das offiziell nicht erlaubt war.

In Deutschland sind solche Fälle bislang nicht bekannt. Aber naiv ist, wer glaubt, dass die Hertha-Kabine ein Sonderfall in den Profi-Ligen ist. Umso wohltuender kommen dann Berichte darüber an, dass ein Spieler wie der Kölner Birger Verstraete offen über Sorgen und Ängste redet. Auch wenn er das später in einem offiziellen Statement des Klubs relativiert (relativieren muss?).

Ein laxer Umgang mit Corona - das ist das pure Gift für die vehementen Bestrebungen der Deutschen Fußball-Liga, die Saison fortzusetzen. So durchdacht ihr Hygienekonzept ist, so abhängig ist es von den Protagonisten. Und ignorieren diese die stets dringend angeratene Selbstdisziplin, wird dieses Konzept wanken - und fallen.

Quelle: ntv.de