Fußball

Rafinha schimpft auf Coach Kovac Hoeneß erklärt Bayerns kalkuliertes Titelopfer

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Nur neun Minuten nach seiner Einwechslung musste Kingsley Coman das Feld wieder verlassen - mit einem Muskelfaserriss.

(Foto: imago/Nordphoto)

Der FC Bayern blickt auf eine "tolle Woche" zurück: CL-Remis beim FC Liverpool, Arbeitssieg in der Fußball-Bundesliga gegen Hertha BSC. Während Rafinha indes für ein Stimmungstief sorgt und Kingsley Coman erneut verletzt ist, macht Uli Hoeneß überraschende Ankündigungen.

Die größte Leistung der Woche war dem FC Bayern bis Dienstagabend 21 Uhr gelungen. Die Münchener hatten sich so demütig und glaubhaft in die Rolle des totalen Außenseiters vor dem Champions-League-Achtelfinale beim FC Liverpool geredet, dass jedes Ergebnis unterhalb eines totalen Debakels als Erfolg hätte verkauft werden können. Dass es dann ein leidenschaftlich verteidigtes Remis an der Anfield Road gab und auch noch ein mühsam erarbeitetes 1:0 (0:0) am 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga gegen die Hertha aus Berlin, ließ Trainer Niko Kovac am Samstagabend auf eine "tolle Woche" zurückblicken.

Dass die spielerische Leistung gegen die starken Berliner erneut mau war und das Tor durch Javi Martinez nach einem Standard (67.) von Hertha-Torwart Rune Jarstein zumindest sehr begünstigt wurde, blenden sie in München derzeit gerne aus und ergeben sich in entspannte Ironie: "Wir haben einen Trainer, der infrage gestellt wird. Wir haben einen Sportdirektor, der nichts taugt. Wir haben eine Mannschaft, wo es nur Unruhe gibt. Mit der Kritik können wir gut leben, solange die Ergebnisse stimmen", erklärte Präsident Uli Hoeneß im Sport1-Doppelpass. "Nach einem mental anstrengenden Spiel wie am Dienstag ist es einfach nur wichtig, dass du das nächste Spiel gewinnst." Wenn das nun gegen Hertha der Auftrag war, hat die Mannschaft ihn perfekt umgesetzt. Und im Schnarchgang auch noch den Druck auf den BVB erhöht, mit dem sie zumindest nach Punkten für den Moment gleichzogen.

Dass sie damit vorübergehend Tabellenführer (Anmerk. d. Red.: falsch!) sind, wie Hoeneß im Doppelpass erklärte, war vermutlich bloß ein Versehen - oder doch eher ein clever positioniertes Psychospielchen vor dem Spiel der Dortmunder am Abend gegen Bayer Leverkusen und Ex-Coach Peter Bosz (ab 18 Uhr im ntv.de-Liveticker)? Sei's drum. Bei aller Zufriedenheit, die Kovac am Samstag und Hoeneß nun am Sonntag ausstrahlten, gibt's in dieser bizarren Bayern-Saison aber neue Probleme: ein wütender Reservist Rafinha, ein unzufriedener Reservist Thomas Müller und ein erneut verletzter Kingsley Coman.

"Ich trainiere gut, spiele aber keine Rolle"

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Rafinha mit seiner Behandlung durch Trainer Niko Kovac nicht zufrieden.

(Foto: imago/DeFodi)

Überraschend attackierte Rafinha am Samstagabend seinen Trainer: "In letzter Zeit ist er nicht korrekt zu mir", zitierte die "Sport Bild" den 33-jährigen Verteidiger. "Ich trainiere gut, spiele aber keine Rolle." Dabei schien ihm die in den kommenden Wochen mindestens einmal tragend zugedacht - im Rückspiel gegen Liverpool. Dort gilt er der Positionslogik folgend als erster Ersatz für Joshua Kimmich, der wegen einer Gelbsperre nicht mitspielen darf. Was nun aus Rafinha wird? Unklar. Hoeneß erklärte zwar, dass der im Sommer scheidende Brasilianer in der Kabine eine Ansage erhalten habe. Aber er gesteht: "Wir brauchen ihn gegen Liverpool." Auch Hasan Salihamdizic wurde kaum konkreter: Der Sportdirektor erwarte, dass er (Anmerk. d. Red.: Rafinha) es "auch mal schluckt und den Mund abputzt, wenn er nicht spielt, und im Training Gas gibt. Das sieht der Trainer und wird es belohnen".

Ob das auch für Thomas Müller gilt? Der ist offenbar gerade ebenfalls akut genervt von seiner Situation. Im zentralen Mittelfeld hat er seinen Stammplatz aus der Hinrunde derzeit an den Kolumbianer James Rodriguez verloren. Nach seinem vierten Pflichtspiel in Serie ohne Startelf-Einsatz - das gab's laut Spox zuletzt im Mai 2009 (!) - wollte der 29-Jährige nicht groß reden. In den Katakomben der Münchener Arena erklärte er Spox zufolge bloß abwinkend: "Da kommt eh nix G'scheites bei raus." Auch Renato Sanches, der laut "Bild" in der vergangenen Woche von Coach Kovac für seine spielzeitbefreite Rolle getröstet werden musste, soll die Arena wortlos verlassen haben.

Eine andere Baustelle tut sich in den kommenden Wochen auf dem linken, offensiven Flügel auf: Dort muss Kovac einmal mehr auf Kingsley Coman verzichten. Nur neun Minuten nach seiner Einwechslung für den schwachen Franck Ribéry im Spiel gegen die Berliner zog sich der junge Franzose bei einem Dribbling einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu. Auch wenn die Bayern nicht mitteilten, wie lange Coman voraussichtlich ausfallen wird, bedeutet das sehr wahrscheinlich: kein Auswärtsspiel in Gladbach, kein Heimspiel gegen den formstarken VfL Wolfsburg und wohl auch kein Rückspiel gegen Liverpool (13. März). Dass es nun ausgerechnet wieder Coman erwischt hat, ist fast schon tragisch. Der 22-Jährige war zuletzt von seinen ständigen Verletzungen so genervt, dass er bei anhaltenden Problemen und Operationen sogar ein vorzeitiges Karriereende für möglich hält. Damit will sich Franck Ribéry indes nicht beschäftigen. Nach wie vor träumt der 35-Jährige von einer erneuten Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags. Für sich Werben kann er nun vermutlich in den nächsten Spielen. Denn eine andere Option für den verletzten Coman gibt's im aktuellen Kader des deutschen Rekordmeisters eher nicht.

Hoeneß macht große Ankündigungen

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Freut er sich schon auf die Neuzugänge im kommenden Sommer? Laut Uli Hoeneß hat der FC Bayern bereits richtig was eingetütet.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Das wird sich zur kommenden Saison womöglich ändern. Dann werden die Bayern wohl eine gewaltige Transferoffensive unternehmen. Beziehungsweise ist die bereits bestens vorbereitet, wie Hoeneß im Doppelpass süffisant erklärte: "Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die kommende Saison..." Namen nannte er, neben den feststehenden Verpflichtungen des französischen Weltmeisters Benjamin Pavard (22) vom VfB Stuttgart und Stürmertalent Jann Fiete Arp (19) vom Hamburger SV, freilich nicht. Man wolle die Stimmung im Kader nicht vermiesen. Noch würden die aktuellen Akteure auf den entsprechenden Positionen gebraucht. Diese könnten sonst "böse" sein.

"Wir hatten beschlossen, nicht diese, sondern nächste Saison zu klotzen", so Hoeneß. Mehreren Berichte zufolge soll auch die Verpflichtung des französischen Weltmeisters Lucas Hernandez (23) von Atlético Madrid für über 80 Millionen Euro bereits sicher sein. Außerdem gelten der Leipziger Timo Werner (22) und Englands Juwel Callum Hudson-Odoi (18) vom FC Chelsea als Wunschspieler. Die Bayern hatten sich zu dieser Saison auf dem Transfermarkt zurückgehalten. Lediglich Leon Goretzka kam ablösefrei vom FC Schalke 04, außerdem wurden die Leihspieler Serge Gnabry (TSG Hoffenheim, erstes Jahr für die Bayern) und Renato Sanches (Swansea City) an die Säbener Straße beordert. "Wir sind bereit gewesen, die Meisterschaft auch mal ein Jahr zu opfern", erklärte Hoeneß die Risiko-Strategie: "Ich habe in meinem Leben mehr als 50 Titel gewonnen, da kommt es auf den einen oder anderen nicht an." Ein Satz, der sich am Ende der Spielzeit noch als größte Leistung der Bayern-Saison erweisen könnte.

Quelle: n-tv.de

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