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"Wenn er so weiterspielt ..." Wie lieb hat der FC Bayern Franck Ribéry?

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Franck Ribéry hat ein Herz für seinen "Glüp" und träumt von noch einer Saison beim FC Bayern.

(Foto: imago/Sven Simon)

Bevor sich die Bundesliga in die Winterferien verabschiedet, zeigt Franck Ribéry nochmal auf. Zu alt für Spitzenfußball? Mon dieu, non! Der routinierteste Routinier des FC Bayern fordert mit seiner Gala in Frankfurt die Münchener Klubbosse heraus.

Bei niemanden schwingt in dem gehauchten Wort "Glüp" so viel Liebe mit wie bei Franck Ribéry. Sein "Glüp" (Anmerk. d. Red.: das Wort "Glüp" ist ribéry'sch für Klub), das ist der FC Bayern. Seit nunmehr elfeinhalb Jahren. In seiner folglich zwölften Saison kommt der 35 Jahre alte Franzose seit Samstagabend auf 409 Pflichtspiele für den Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga. Damit hat er exakt eine Partie weniger als Bayerns berühmtester Niemals-Greenkeeper Lothar Matthäus. Elf Spiele fehlen noch um Karl-Heinz Rummenigge einzuholen. Machbar. Rekord-Ausländer ist er aber auch so bereits, Rekord-Spieler indes aber noch lange nicht. Bis zu Spitzenmann Oliver Kahn sind es nämlich noch 223 Begegnungen. Zu viel für Ribéry. Denn im besten Fall stehen ja nur noch 28 offizielle Partien an, ehe die Ära des Linksaußen beim Rekordmeister mit bislang acht Meisterschaften, fünf Pokalsiegen und einem Champions-League-Triumph endet. So jedenfalls hatte es doch immer geheißen, oder nicht?

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Nun ist es in Wahrheit ja so: Ribéry hat nie von einem Abschied gesprochen. Eher vom Gegenteil. Und auch sonst hat niemand Fakten geschaffen. Präsident Uli Hoeneß hatte Anfang des Monats lediglich gesagt, dass der Franzose sehr wahrscheinlich sein letztes Jahr beim FC Bayern machen werde. Ebenso wie Ribérys ewiges Rechtsaußen-Pendant Arjen Robben. Der das dann ja auch fix als eigenen Entschluss verkündete. Aber sie hatten in München stets auch gesagt: Es gebe keine zu alten Spieler, sondern nur gute und weniger gute Spieler. Franck Ribéry fällt aktuell mal wieder in die Kategorie des guten Spielers. Nach seiner überzeugenden Vorstellung zum Abschluss der Hinrunde am Samstag bei Eintracht Frankfurt schieben ihn manche Beobachter sogar in die Kategorie des sehr guten Spielers (die ist in München dem Wortlaut gesprochen nicht vorgesehen). Zwei Tore hat er beim 3:0 (1:0)-Erfolg erzielt (35./79.), den dritten Treffer steuerte der 33-jährige Rafinha per geschlenztem Lupfer oder gelupftem Schlenzer (89.) bei. So viel zum Thema dringender Umbruch beim FC Bayern.

"Natürlich habe ich noch Lust"

Über den sprach dann auch Ribéry (ohne ihn, also den Umbruch, freilich direkt anzusprechen), als er nach Spielende dick eingepackt wie ein zu kleiner Weihnachtsmann zwischen Sky-Moderator Frank Hellmann und Niemals-Greenkeeper Matthäus stand und nach seiner Zukunft gefragt wurde. "Ich versuche, weiter zu spielen. Einfach genießen und Spaß haben", sagte er: "Und dann mal gucken wegen nächster Saison. Natürlich habe ich noch Lust. Ich liebe Bayern, die Bayern lieben mich. Du weißt im Leben nie, was passiert." Und weil der Franzose nun lange genug in Deutschland ist, um vielleicht schon einmal von der Weisheit "jeder ist seines Glückes Schmied" gehört zu haben, schob er das Thema Vertragsverlängerung selbst an. So jedenfalls berichtete es Klubchef Rummenigge: "Er hat gerade aus Spaß in der Kabine schon gesagt, dass er seinen Vertrag verlängern will." Von Vereinsseite vorbereitet sei aber "noch nichts. Wir werden sehen, was passieren wird - vor allem, wenn er so weiterspielt wie zuletzt."

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In seinen vergangenen drei Spielen gegen Frankfurt, RB Leipzig und den 1. FC Nürnberg erzielte Ribéry jeweils ein Tor (gegen Eintracht richtigerweise natürlich zwei). Das war dem Franzosen zuletzt im Februar 2015 gelungen. Und ungefähr in diese Zeit wurden öffentlich auch die bis dato letzten großen Momente des Franzosen für die Bayern verbannt. Das hatten die Bayern-Bosse in ihrer "Auf-die-Fresse-Konferenz" am 19. Oktober durchaus heftig als mediale Fehlleistung verurteilt. Was angesichts nur einer Torvorbereitung Ribérys (Stand 19. Oktober) am ersten Spieltag beim 3:1-Erfolg gegen 1899 Hoffenheim wiederum eine alternative Wahrheit der Münchener Führungsreihe war. Sei's drum. Bei der Wendepunkt-Niederlage gegen den BVB - es folgte noch das Wendepunkt-Remis gegen Fortuna Düsseldorf  - zeigte Ribéry erstmals seit ganz langer Zeit mal wieder auf, was die Münchener so an ihm schätzen: schnelles, fintenreiches Spiel und galliges Zweikampfverhalten, das in einer Hypegrätsche gegen Hypespieler Jadon Sancho gipfelte.

Gegen Frankfurt lieferte Ribéry zwar keine Heldenbilder für den Jahresrückblick, dafür aber Argumente für sich selbst. Zwar musste er sich beim ersten Treffer freistehend vor dem verwaisten Tor nicht besonders mühen und hatte beim zweiten Treffer das Routinier-Glück, den Ball nach einem feinen Doppelpass mit Joshua Kimmich spektakulär ungenau zu treffen und ihn so über den Innenpfosten zu versenken. Aber seine wilden Sprints, seine Dribblings, seine Zuspiele können einer guten Bundesliga-Mannschaft, also zum Beispiel der Eintracht, immer noch ganz schön wehtun. "So eine Energieleistung in dem Alter, dieses Vorweggehen auf dem Platz und neben dem Platz, zwei Tore schießen - es freut mich, dass wir ihn in unserer Mannschaft haben", lobte Niko Kovac im ZDF-Sportstudio. Zuvor hatte der Trainer noch ein wenig überschwänglicher anerkannt: "Franck ist fantastisch. Wie er das in den vergangenen Wochen gemacht hat: großes Kompliment. Du wirst zwar älter und die Beine tun dir weh, aber die Qualität bleibt." Und der Franzose? Nun, der Ball liegt jetzt beim "Glüp".

Quelle: n-tv.de

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