Fußball

Bayern-Sieg gerät in Hintergrund Hopp-Schmähplakat erzwingt Fast-Abbruch

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Das Spiel der Bayern gegen Hoffenheim wird zum ersten Mal unterbrochen.

(Foto: imago images/Hartenfelser)

Nach 33 Minuten ist das Spiel bereits eine böse Klatsche: Der FC Bayern zerlegt Hoffenheim nach Belieben. Doch in der Schlussphase sorgt ein Banner der Bayern-Fans gegen Mäzen Dietmar Hopp fast für den Spielabbruch. Die letzten 13 Minuten enden im einem nie dagewesenen Nichtangriffspakt.

Auch ohne Stürmerstar Robert Lewandowski hält Bayern München eindrucksvoll Kurs in Richtung seiner achten Meisterschaft in Folge und hat den höchsten Saisonsieg gefeiert. Der Rekordchampion überrollte die TSG Hoffenheim, der FCB revanchierte sich mit dem 6:0 (4:0) bei den Kraichgauern für die Hinspiel-Niederlage (1:2).

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Überschattet wurde der Sieg durch eine Unterbrechung in der 67. Minute. Ähnlich wie in der vergangenen Woche in Mönchengladbach wurde TSG-Mehrheitseigner Dietmar Hopp von Teilen der Bayern-Fans mit einem Banner beleidigt. Darauf war geschrieben: "Alles beim Alten: Der DFB bricht sein Wort, Hopp bleibt ein Hurensohn!" Bayern-Trainer Hansi Flick und einige Bayern-Spieler rannten wütend und wild gestikulierend in die Kurve und forderten ihre Anhänger auf, das Banner einzurollen. Erst als das Plakat entfernt wurde, ließ Schiedsrichter Christian Dingert (Gries) das Spiel fortsetzen. Der Münchner Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge entschuldigte sich umgehend auf der Tribüne bei Hopp. Die Hoffenheimer Fans forderten mit Sprechchören einen Spielabbruch.

In der 77. Minute wurde erneut das Transparent gezeigt, der Unparteiische unterbrach die Partie und schickte beide Teams in die Kabine. Die Bayern-Spielern und Manager Hasan Salihamidhzic diskutierten wiederum mit den Anhängern. Rummenigge und das neue Vorstandsmitglied Oliver Kahn gingen ebenfalls Richtung Kabine. Flick spendete Hopp im Kabinengang Trost. Weil die Anhänger der Gäste Pyrotechnik zündeten, war zudem schon die zweite Halbzeit verspätet losgegangen. Rummenigge sagte nach Ende der Partie, er "schäme sich zutiefst wegen dieser Chaoten". Der Vorstandsvorsitzende weiter: "Wir haben das alles gefilmt. Wir werden mit aller Schärfe gegen die vorgehen, die heute den FC Bayern diskreditiert haben."

Bayern und Hoffenheim schieben sich Ball zu - DFB ermittelt

Nach zehn Minuten wurde wieder angepfiffen - unter einem gellenden Pfeifkonzert der Heimfans. Allerdings schoben sich die Akteure aus Hoffenheim und München in einem Nicht-Angriffspakt den Ball gegenseitig zu - ihre Art des Protestes gegen die Unbelehrbaren im Fanblock. Das gab es noch nie in der Bundesliga. Den Spielern sei diese Idee gekommen, so Rummenigge und sie hätten sich dann mit dem Schiedsrichter darauf geeinigt.

Hoffenheim - München 0:6 (0:4)

Hoffenheim: Baumann - Rudy, Nordtveit, Benjamin Hübner, Zuber (46. Kramaric) - Grillitsch, Samassekou (73. Akpoguma) - Skov, Baumgartner, Bruun Larsen (30. Ribeiro) - Bebou. - Trainer: Schreuder
München: Neuer - Pavard, Jerome Boateng (46. Tolisso), Alaba, Davies (63. Hernandez) - Kimmich, Thiago - Gnabry, Thomas Müller (56. Goretzka), Coutinho - Zirkzee. - Trainer: Flick
Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
Tore: 0:1 Gnabry (2.), 0:2 Kimmich (7.), 0:3 Zirkzee (15.), 0:4 Coutinho (33.), 0:5 Coutinho (47.), 0:6 Goretzka (62.)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)
Gelbe Karten: keine

So vergingen die letzten 13 Minuten, am Spielfeldrand standen Rummenigge und Hopp nebeneinander. In der 84. Minute gab es Applaus der Zuschauer von den Rängen, von den Spielern auf dem Platz und den Offiziellen als Zeichen der Solidarität gegen Hass und Hetze.

"Das war das hässliche Gesicht des FC Bayern", meinte Rummenigge. "Wenn so etwas wie heute passiert, habe ich keinen Spaß mehr." Auf die rassistischen Beleidigungen im Stadion angesprochen, die zuletzt immer wieder für Skandale gesorgt hatten, sagte der Vorstandsvorsitzende: "Wir haben viel zu lange die Augen davor zu gemacht, was in den Kurven passiert. Mit dem heutigen Tag muss ein Umdenken stattfinden." Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird nach dem Skandalspiel Anfang der kommenden Woche ein Ermittlungsverfahren einleiten. Das bestätigte der DFB auf SID-Anfrage.

Vier Tage nach dem beeindruckenden Sieg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Chelsea (3:0) trafen der frühere Hoffenheimer Serge Gnabry (2.), Joshua Kimmich (7.), Joshua Zirkzee (15.), Philippe Coutinho (33./46.) und Leon Goretzka (62.) für die Bayern, die nunmehr neun Partien in Folge nicht verloren haben. Für die TSG war es die höchste Heimniederlage ihrer Bundesliga-Geschichte.

Lewandowski hatte am Dienstag in London einen Anbruch der Schienbeinkante am linken Kniegelenk erlitten. Der 31-Jährige muss vier Wochen pausieren. Für den Polen stürmte überraschend der erst 18 Jahre alte Niederländer Zirkzee zum ersten Mal von Beginn an. Auch der Franzose Kingsley Coman (Oberschenkelzerrung) fehlte der Mannschaft von Trainer Hansi Flick, der in der Vergangenheit auf verschiedenen Positionen bei der TSG gearbeitet hat. Vor 30.150 Zuschauern in der Sinsheimer Arena mussten die Gäste, bei denen neben Lewandowski und Coman auch Javi Martinez, Ivan Perisic sowie der Ex-Hoffenheimer Niklas Süle fehlten, nicht lange auf die Führung warten. Nach Vorarbeit von Müller traf Gnabry. TSG-Torwart machte dabei eine unglückliche Figur und lenkte den Ball ins eigene Gehäuse.

Hoffenheim völlig überfordert

Das Team Flicks, dem nach der Chelsea-Partie eine Verlängerung seines Vertrages über das Saisonende hinaus in Aussicht gestellt wurde, ließ es dabei aber nicht bewenden. Kurz nach der Führung erhöhte Kimmich den Vorsprung.

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Den völlig überforderten Kraichgauern, die ohne Sargis Adamjan (Doppeltorschütze im Hinspiel), Isak Belfodil und Munas Dabbur auskommen mussten, gelang kaum etwas. Zirkzee schraubte das Ergebnis in die Höhe, über weite Teile der Begegnung war ein Klassenunterschied zu erkennen. Mit dem 0:3 nach einer halben Stunde waren die Gastgeber gut bedient.

Die Bayern spielten Katz und Maus mit den Hoffenheimern. Sogar der zuletzt oft kritisierte Brasilianer Coutinho durfte sich in die Torschützenliste eintragen. Erst in den letzten Minuten vor der Pause schalteten die Münchner einen Gang zurück, dennoch hätte der Meister nach dem ersten Durchgang wesentlich höher führen können. Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte Coutinho nach Vorarbeit Müllers aus kurzer Distanz erneut keine Mühe. Wiederum leitete die TSG-Abwehr bei dem Gegentor Schützenhilfe. Auch im Anschluss erspielten sich die Bayern eine Chance nach der anderen gegen desolate Hoffenheimer. In der 56. Minute durfte Müller gehen, für ihn kam Goretzka. Der traf auch prompt auf Vorarbeit des ebenfalls eingwechselten Corentin Tolisso.

Quelle: ntv.de, dbe/sid/dpa