Fußball

Hertha und FCA nur fast gerettet Mainz demütigt Meister Bayern, Bochum führt BVB vor

Kimmich und Co. erlitten eine verdiente Pleite bei Mainz 05.

(Foto: IMAGO/Revierfoto)

Herrlich verrückte letzte Bundesliga-Spieltage: Während Mainz 05 Meister Bayern München abschießt, führt Bochum die Borussia aus Dortmund vor. Auch der dreifache Haaland hilft dem BVB nicht. Hertha und Augsburg scheinen lange sicher die Klasse gehalten zu haben, aber dann schlagen Bielefeld und Stuttgart spät zu.

1. FSV Mainz 05 - FC Bayern München 3:1 (2:1)

Auf die Meisterparty folgt der Kater: Bayern München hat beim ersten Schaulaufen nach der Titelgala einen gewaltigen Stimmungsdämpfer hinnehmen müssen. Die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann verlor das sportlich unbedeutende Spiel beim bärenstarken FSV Mainz 05 nach einer völlig enttäuschenden Vorstellung mit 1:3 (1:2).

Jonathan Burkardt (18.) und Moussa Niakhate (27.) bestraften den lethargischen Rekordmeister in der ersten Halbzeit. Nach der Pause sorgte Leandro Barreiro (57.) mit dem dritten Mainzer Treffer für klare Verhältnisse. Weltfußballer Robert Lewandowski (33.) hatte zwar zwischenzeitlich verkürzt, an der verdienten Niederlage änderte das allerdings nichts. Immerhin: Die Bayern stellten den Rekord der meisten Auswärtstreffer in einer Spielzeit (47) ein. Zudem sorgte Lewandowski mit seinem 18. Saisontor in der Fremde für eine Bestmarke.

"Maximal seriös", hatte Nagelsmann im Vorfeld angekündigt, wolle er das Duell mit Mainz angehen. Verzichten musste der Bayern-Coach in der ersten Partie nach der gesicherten zehnten Meisterschaft in Folge auf den erkrankten Thomas Müller, Kapitän Manuel Neuer und Dayot Upamecano erhielten zudem eine Pause. Neben Sven Ulreich starteten auch Marcel Sabitzer und Eric-Maxim Choupo-Moting.

In der erstmals seit Februar 2020 mit 33.305 Fans ausverkauften Mainzer Arena standen die Bayern zu Beginn unter Dauerdruck. Nagelsmanns Elf startete alles andere als meisterlich, lieferte eine erschreckend schwache erste Halbzeit - und hatte Glück bei den Lattentreffern von Burkardt (2.) und Alexander Hack (11.). Kurz darauf belohnte sich das Team von Bo Svensson aber gegen den indisponierten Rekordmeister. Burkardt vollendete nach einem Ulreich-Fehlpass, Niakhate drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Die Führung der Mainzer, die Wiedergutmachung für die Klatsche in Wolfsburg (0:5) betreiben wollten, war völlig verdient.

Den Bayern war anzumerken, dass es für sie in dieser Saison um nichts mehr geht. Das intensive Spiel des FSV bereitete dem Meister große Probleme. Lewandowski, um dessen Zukunft weiter spekuliert wird, traf aus der Drehung zwar nach dem einzigen guten Bayern-Angriff vor der Pause zum Anschluss, Chancen hatten weiter aber nur die starken Mainzer.

Zur zweiten Halbzeit reagierte Nagelsmann und brachte Jamal Musiala sowie Leroy Sane vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick ins Spiel. Lösungen gegen den teilweise rauschhaft agierenden FSV fanden die Bayern aber weiterhin nicht. Barreiros Abschluss zum dritten Tor nach einem herrlichen Konter wurde gleich doppelt abgefälscht. Mit dem Zwei-Tore-Rückstand waren die Gäste gut bedient. Bayern mühte sich zwar etwas um Kontrolle, Mainz blieb aber im Umschaltspiel immer wieder gefährlich. Burkardt (61.) und Onisiwo (71.) mit einem Lattenschuss verpassten weitere Treffer.

Borussia Dortmund - VfL Bochum 3:4 (2:2)

Borussia Dortmund hat die vorzeitige Vize-Meisterschaft trotz eines Dreierpacks von Erling Haaland verpasst. Die Mannschaft von Trainer Marco Rose kassierte gegen den VfL Bochum nach einer schwachen Defensivleistung ein 3:4 (2:2). Der Aufsteiger hingegen hat damit den Klassenerhalt vorzeitig gesichert.

Haaland drehte die Begegnung mit seinen drei Treffern (18., Handelfmeter nach Videobeweis, 30., Handelfmeter nach Videobeweis, 62.) nach dem frühen Rückstand durch Sebastian Polter (3.) und Gerrit Holtmann (8.). Jürgen Locadia (81.) glich für den VfL spät aus, Milos Pantovic (85., Handelfmeter) stellte die Partie abermals auf den Kopf.

Das kleine Revierderby benötigte vor 81.365 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park keine Anlaufzeit. Von der ersten Minute an war richtig Feuer drin und die Gäste zeigten überhaupt keinen Respekt. Takuma Asano setzte sich auf der rechten Seite gegen Raphael Guerreiro durch, die Flanke des Japaners köpfte Polter zur frühen Führung ein. Dortmund zeigte sich geschockt, Bochum agierte in der Anfangsphase furios. Asano legte auf Holtmann zurück, der aus der Distanz erhöhte. Der personell arg angeschlagene BVB benötigte einige Minuten, um sich zu schütteln. Die Gäste waren dabei aber behilflich. Cristian Gamboa sprang der Ball an den ausgestreckten Arm. Haaland ließ VfL-Schlussmann Manuel Riemann beim Elfmeter keine Chance.

Jetzt waren die Gastgeber richtig drin im Spiel. Riemann verhinderte gegen die Nationalspieler Julian Brandt (21.) und Marco Reus (26.) den Ausgleich. Beim zweiten Elfmeter von Haaland war er aber erneut chancenlos. Diesmal hatte Elvis Rexhbecaj den Ball mit dem Arm gespielt. Dortmund blieb nach dem Ausgleich weiter spielbestimmend. Dabei musste Rose auf zahlreiche Stammkräfte verzichten. So stand der erst 17-jährige Jamie Bynoe-Gittens nach zwei Kurzeinsätzen erstmals in der Startelf. Bochum versteckte sich aber auch nach den beiden unglücklichen Gegentreffern nicht. Bei Chancen von Holtmann (42.) und Polter (44.) wurden die Gäste, die dem BVB im Hinspiel ein 1:1 abgetrotzt hatten, gefährlich.

Der VfL suchte auch nach dem Wechsel immer wieder den Weg nach vorne. So entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, da auch der BVB die Entscheidung suchte. Haaland scheiterte am stark reagierenden Riemann (58.). Vier Minuten später drückte der Norweger den Ball aus kurzer Distanz zu seinem 21. Saisontreffer über die Linie. Dann wurde Dortmund aber wieder defensiv sorglos und erhielt die Strafe.

FC Augsburg - 1. FC Köln 1:4 (0:2)

Der 1. FC Köln darf mehr denn je von Europa träumen. Die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart gewann beim FC Augsburg, nach einer bärenstarken Leistung verdient mit 4:1 (2:0) und rückte auf den sechsten Rang vor. Der FCA konnte aufgrund der Pleite noch nicht vorzeitig den Klassenerhalt feiern, kann allerdings im schlimmsten Fall nur noch auf den Relegationsplatz abrutschen.

Jan Thielmann brachte die Kölner, die keinen Schwachpunkt hatten, in der 12. Minute in Führung. Der überragende Mark Uth erhöhte nur drei Minuten später. Anthony Modeste sorgte per Foulelfmeter, den er selbst herausgeholt hatte, für das 3:0 (63.). Mit seinem 19. Saisontreffer (77.) sorgte er auch für den Endstand. Florian Niederlechner verkürzte zwischenzeitlich auf 1:3 (73.).

Für den FC war es der vierte Sieg in Serie. Augsburg profitierte zwei Spieltage vor Schluss von der Niederlage des VfB Stuttgart. Köln verbesserte seit Einführung der Drei-Punkte-Regel mit nunmehr 52 Zählern seine bisherige Bestmarke aus der Saison 2016/17 (49). Da hatte sich der FC auch für den Europacup qualifiziert.

Arminia Bielefeld - Hertha BSC 1:1 (0:0)

Hertha BSC steht mit Trainer Felix Magath dicht vor dem Klassenerhalt, Arminia Bielefeld muss hingegen trotz eines späten Treffers mehr denn je zittern. Durch das 1:1 (0:1) im Kellerduell des 32. Spieltags bei den Ostwestfalen verpasste "Feuerwehrmann" Magath mit seinen Berlinern zwar die endgültige Rettung, hielt aber die direkten Verfolger Bielefeld und VfB Stuttgart auf Distanz.

Die Gäste haben mit nun 33 Punkten bei zwei ausstehenden Spielen die direkte Rettung weiter fest in eigener Hand, zumal auch Stuttgart (29) gegen den VfL Wolfsburg ein Remis erzielte. Für die seit bereits neun Partien sieglosen Bielefelder (27) um den neuen Cheftrainer Marco Kostmann wird die Luft dünner, realistisch ist nur noch der Relegationsplatz. Lucas Tousart (54.) traf für die Hertha, Joakim Nilsson (90.+1) glich spät zumindest noch aus.

Vor der Partie hatte Magath auf die Euphoriebremse getreten. Man habe im engen Abstiegskampf lediglich "Bronze" gewonnen und könne in Bielefeld "jetzt Silber holen". Anstelle des gesperrten Vladimir Darida begann Marco Richter. Bei der Arminia, die im anthrazitfarbenen Sondertrikot auflief, nahm Kostmann gegenüber dem 1:3 beim 1. FC Köln vier Veränderungen vor. Unter anderem gab der 18-jährige Burak Ince als einzige Sturmspitze sein Startelf-Debüt. Lange sah Berlin wie der sichere Sieger aus, Bielefeld reagierte mit wütenden Angriffen, die Hertha blieb bei Gegenstößen gefährlich. Dann schlug Nilsson zu.

VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg 1:1 (0:1)

Der VfB Stuttgart taumelt weiter dem vierten Abstieg entgegen. Die Schwaben sicherten sich dank des späten Treffers von Chris Führich (89.) beim 1:1 (0:1) gegen den nun auch rechnerisch geretteten VfL Wolfsburg zwar einen Punkt, das rettende Ufer allerdings ist zwei Spieltage vor Schluss vier Punkte weg. Der Treffer zum Ausgleich entsprang einer Joker-Kooperation, denn Flanke kam von Youngster Enzo Millot.

John Anthony Brooks (13.) entledigte vor 52.230 Fans die Wölfe auch noch der letzten Abstiegssorgen. Der seit fünf Spielen sieglose VfB blickt dagegen in den jetzt zwei Punkte entfernten Abgrund. Das Restprogramm hat es mit Spielen bei Meister Bayern München und gegen Europacup-Anwärter 1. FC Köln in sich.

Die VfB-Fans in der Cannstatter Kurve forderten auf einem Banner: "Taten statt leere Worte - Zeigt Kampf und Einsatz!" Entsprechend sollten die Profis ihren Anhang durch "Intensität und Körperlichkeit mitnehmen", wie Trainer Pellegrino Matarazzo meinte. Das gelang mit viel Einsatz, spielerisch aber gelang der auf drei Positionen veränderten Elf wenig bis nichts. Der späte Ausgleich sorgte zumindest für noch ein wenig Hoffnung.

Quelle: ntv.de, dbe/sid

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