Wirtschaft

Exodus globaler Wirtschaft Diese Unternehmen boykottieren Russland

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Aktuell sind viele Unternehmen darauf bedacht, möglichst viel Abstand zwischen sich und den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu bringen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die USA, die EU und andere bestrafen Russland mit Sanktionen ungekannter Härte für die Invasion der Ukraine. Fast alle wichtigen Unternehmen der Weltwirtschaft kündigen an, sich daran halten zu wollen, einige gehen darüber hinaus und stellen ihre Geschäfte in Russland vollständig ein. Ob symbolisch oder nicht, lässt sich nicht immer beurteilen. Finden Sie hier dennoch einen Überblick, welche Unternehmen sich an dem Boykott beteiligen.

Finanzen

Geld regiert die Welt, der Abgang zahlreicher Finanzunternehmen dürfte Russland daher besonders schwer treffen. Die neuesten Mitglieder der globalen Russland-Blockade sind die amerikanischen Kreditkartenriesen Mastercard und VISA. Sie hatten vor einigen Tagen bereits erklärt, russische Banken aus ihren Bezahlnetzwerken auszuschließen, nun stellen sie ihre Geschäfte vollständig ein. Zuvor hatte mit Paypal bereits ein anderes großes Bezahlunternehmen angekündigt, seinen Dienst in Russland abzuschalten.

Wie sich der Exodus auf inländische Überweisungen auswirkt, ist unklar. Die russische Zentralbank erklärte, dass alle Kreditkarten von VISA und Mastercard, die von russischen Banken ausgestellt wurden, auf russischem Gebiet bis zu ihrem Ablaufdatum "normal funktionieren" werden. Dafür dürften Überweisungen ins Ausland ab sofort unmöglich sein. Der Zahlungsverkehr über traditionelle Banken war zuvor bereits durch die westlichen Sanktionen blockiert.

Energie

Keine andere Branche hat so viel Geld in Russland investiert wie die Energiebranche. Allein im Fall von BP sind Abschreibungen von bis 22,5 Milliarden Euro denkbar. Dennoch will sich der britische Ölriese von seiner Beteiligung am russischen Ölkonzern Rosneft trennen. Der zweite europäische Energiegigant Shell zog wenig später nach: Er will seine Partnerschaften mit dem staatlichen Gaskonzern Gazprom beenden. Auch der italienische Konzern Eni sowie der norwegische Staatskonzern Equinor haben ihren Rückzug angekündigt. Das deutsche Gas- und Öl-Unternehmen Wintershall Dea will keine neuen Projekte zur Öl- oder Gasförderung mehr in Russland beginnen, alle laufenden Planungen werden gestoppt.

Zur Überraschung einiger Beobachter beteiligt sich auch ExxonMobil an dem Boykott. Der US-Konzern kündigte an, sich aus einem großen Gas- und Öl-Projekt in Russland zurückzuziehen. Der französische Energiekonzern Total will ebenfalls nicht länger in Russland investieren, äußerte sich aber nicht zu seiner Beteiligung an dem russischen Gasunternehmen Novatek.

Smartphones

Das meiste Aufsehen erregte bisher vermutlich der Abschied von Apple. Der iPhone-Hersteller kündigte am Mittwoch an, keine Produkte mehr in Russland zu verkaufen. Die Exporte seien bereits vergangene Woche gestoppt worden, heißt es. Auch der Bezahlservice Apple Pay und andere Dienste wurden demnach auf russischem Gebiet eingeschränkt. Die Apps der russischen Staatsmedien wie RT sind im App Store nicht mehr verfügbar.

Sollte der Boykott Bestand haben, müssen russische Bürger in Zukunft auch auf die Smartphones von Samsung verzichten. Der südkoreanische Apple-Konkurrent hat seine Lieferungen ebenfalls eingestellt, auch von neuen Fernsehern. Nach Angaben der Analysefirma IDC haben Apple (16) und Samsung (34) in Russland zusammen einen Smartphone-Marktanteil von 50 Prozent.

Zusätzlich zum Smartphone-Boykott muss Samsung neue Exportkontrollen für strategisch wichtige Industriegüter beachten. Der globale Marktführer im Bereich Speicherchips darf daher keine Halbleiter mehr an russische Auftraggeber liefern. Gleiches gilt für Intel, den größten Zulieferer von Prozessoren für Windows-Computer und Server.

Andere Technologie

Russland erhält keine Halbleiter mehr, muss in Zukunft aber auch auf wichtige Software-Anwendungen verzichten: Mit Microsoft stellt ein weiterer großer Technologiekonzern den Verkauf seiner Dienstleistungen und Produkte ein. Die Entscheidung betrifft Anwendungen wie das Betriebssystem Windows oder Office. Der Softwareriese unterstützt die ukrainische Führung außerdem beim Schutz vor russischen Cyberattacken.

Als weiterer Technologieriese hat Google wegen der russischen Invasion sein Werbegeschäft in Russland eingestellt. Es würden keine Online-Anzeigen mehr verkauft, teilte der weltgrößte Werbekonzern mit. Das Verbot betreffe die Suchmaschine, Youtube sowie Partnerfirmen. Auch Facebook, der zweitgrößte Werbekonzern, hat russische Unternehmen von seinem Werbesystem ausgeschlossen.

Einschränkungen gibt es auch im Audiobereich: Spotify hat sein Büro in Russland geschlossen und alle Inhalte aus seiner App entfernt, die von der russischen Regierung finanziell unterstützt werden. Der Zugriff auf Podcasts russischer Staatsmedien sei zudem eingeschränkt worden, heißt es. Der Computerspielehersteller Electronic Arts zieht seine Titel wie die bekannte FIFA-Reihe vom russischen Markt zurück und entfernt zudem alle russischen Teams aus seinen Spielen.

Autoindustrie

Die deutschen Autobauer BMW und Mercedes-Benz stellen "bis auf Weiteres" alle Exporte nach Russland ein. Die Stuttgarter stoppen auch ihre Produktion in dem Land und beenden die Zusammenarbeit von Daimler Truck, dem weltgrößten Lkw-Hersteller, mit dem russischen Fahrzeughersteller Kamaz - dieser stellt auch Panzer her.

Dasselbe gilt für Volkswagen: Die Wolfsburger stoppen sowohl ihre Exporte als auch ihre Produktion in Russland. Auch der Automobilzulieferer ZF liefert keine Ware mehr nach Russland.

Toyota, der größte Autohersteller der Welt, schließt seine Produktionsstätten in Russland ebenfalls. Auch Honda exportiert keine Autos mehr nach Russland. Mazda kündigte an, keine neuen Teile mehr zu liefern. Das Gleiche gilt für die Pkw- und die Lkw-Sparte von Volvo. Harley-Davidson, General Motors, Jaguar Land Rover und Aston Martin setzen ihre Lieferungen ebenfalls aus.

Andere Industrie

Siemens stellt sein Neugeschäft in Russland ein. Zudem werden alle internationalen Lieferungen nach Russland gestoppt. Die Telekommunikationskonzerne Ericsson und Nokia, die in Russland unter anderem mit dem 5G-Ausbau beauftragt wurden, setzen ihre Exporte ebenfalls aus.

Der US-Flugzeughersteller Boeing erbringt keine Serviceleistungen für russische Fluglinien mehr - ein schwerer Schlag für die größte russische Fluggesellschaft Aeroflot, die die Boeing 737 und 777 nutzt. Im Einklang mit den internationalen Sanktionen liefert Boeing russischen Airlines auch keine Ersatzteile mehr. Gleiches gilt für Airbus: Die Niederlassung in Russland stelle ihren Betrieb ein, teilt der deutsch-französische Flugzeugbauer mit.

Handel

Die Möbelhauskette IKEA stellt ihre Tätigkeiten in Russland und Belarus ein. Betroffen sind rund 15.000 Mitarbeiter. Auch das Bekleidungsunternehmen H&M will alle Geschäfte in Russland schließen.

Aldi, Netto, Rewe und Penny gehören zu den Supermarktketten, die keine russischen Produkte mehr vertreiben wollen - auch wenn beispielsweise Aldi bislang nur russischen Wodka im Angebot hatte. Auch Edeka kündigte an, alle russischen Produkte aus den Regalen zu nehmen. Für Artikel aus Belarus werde dieser Schritt ebenfalls geprüft. Netto-Polen entschied sich dazu, in den 15 Filialen, die der polnisch-ukrainischen Grenze am nächsten liegen, die Preise für 40 Basisartikel zu senken.

Logistik

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Das deutsche Logistikunternehmen DHL will seine Lieferungen nach Russland und Belarus aussetzen. Auch DB Schenker hat einige Dienstleistungen eingestellt. Das Schweizer Speditionsunternehmen Kuehne+Nagel stoppte alle Lieferungen nach Russland. Die US-Logistiker UPS und FedEx liefern ebenfalls nichts mehr nach Russland.

Auch auf dem Seeweg gelangt fast nichts mehr nach Russland. Die dänische Reederei Maersk, die Schweizer Firma MSC sowie der französische Konzern CMA CGM kündigten alle an, keine Aufträge für Lieferungen nach Russland mehr entgegenzunehmen. Auch Deutschlands führende Reederei Hapag Lloyd teilte mit, bis auf Weiteres nur noch Lebensmittel nach Russland zu transportieren.

Andere

Russische Bürgerinnen und Bürger können nicht länger Airbnb nutzen, um eine Unterkunft zu finden oder zu vermieten. Auch französische Luxusmarken wie Hermès und Chanel haben ihre Geschäfte in Russland gestoppt.

Quelle: ntv.de, mit rts/AFP/dpa

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