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Test an Menschen CureVac plant Corona-Impfstoff bis Mitte 2021

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CureVac nutzt die sogenannte mRNA- oder Boten-RNA-Technologie zur Entwicklung von Impfstoffen.

(Foto: CureVac AG)

Bereits das zweite Unternehmen aus Deutschland testet einen potenziellen Corona-Impfstoff an Menschen. Nach Biontech aus Mainz startet die Tübinger Firma CureVac eine klinische Studie. Sie soll unter anderem zeigen, ob der Impfstoff sicher ist. Erste Ergebnisse soll es schon in wenigen Monaten geben.

Die Forschung an einem Impfstoff gegen das Coronavirus nimmt weiter Fahrt auf: Das Tübinger Biotechunternehmen CureVac hat in Deutschland die Genehmigung für eine klinische Studie mit einem potenziellen Corona-Impfstoff erhalten, teilte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) des Bundes mit. CureVac könnte - abhängig von den Studienergebnissen - Anfang nächsten Jahres die Zulassung beantragen, sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek. Erste auswertbare Daten aus der klinischen Studie mit seinem Impfstoff würden im September oder Oktober erwartet, ergänzte der amtierende CureVac-Chef Franz-Werner Haas. "Wir planen, dass wir Mitte nächsten Jahres einen Impfstoff auf den Markt bringen könnten", sagte Haas.

Es ist das zweite Mal, dass in Deutschland eine klinische Studie mit einem möglichen Impfstoff gegen das neue Coronavirus genehmigt wird. Im April gab das PEI grünes Licht für erste Tests mit einem Kandidaten des Mainzer Biotechnologieunternehmens Biontech. Daneben genehmigte das PEI im April und Mai klinische Studien mit dem Blutplasma von genesenen Corona-Infizierten als ein potenzielles Medikament zur Behandlung von schwer erkrankten Risikopatienten.

Noch im Juni sollen in der Phase-1-Studie erste Probanden geimpft werden. Die nötigen Voruntersuchungen seien erfolgreich verlaufen, teilte das Unternehmen mit. Insgesamt würden an der Studie 168 gesunde erwachsene Probanden teilnehmen, von denen 144 geimpft werden. In dieser Phase wird vor allem die Sicherheit des Wirkstoffs geprüft und ob er tatsächlich eine Abwehrreaktion im Körper auslöst. Im Herbst sollen erste Daten vorliegen. Testzentren befinden sich in Tübingen, Hannover, München und im belgischen Gent.

CureVac nutzt ebenso wie Biontech die sogenannte mRNA- oder Boten-RNA-Technologie zur Entwicklung von Impfstoffen - ein möglicherweise revolutionäres Verfahren. mRNA ist ein Botenmolekül, in dem die Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen steckt. Für ihren Impfstoff haben die CureVac-Forscher mRNA mit der Bauanleitung für ein Protein des Coronavirus versehen. Die menschlichen Zellen bilden nach der Impfung dieses Protein, was der Körper als fremd erkennt. Er bildet Antikörper und andere Abwehrzellen dagegen. "Die Immunantwort, die wir auslösen wollen, ist sehr ähnlich der natürlichen Immunantwort", erläuterte Mariola Fotin-Mleczek, für Technologie zuständiges Vorstandsmitglied des Unternehmens.

"Sind Pionier bei mRNA-Therapien"

Das Unternehmen erforscht seit dem Jahr 2000 mRNA-Impfstoffe. "Wir betrachten uns als Pionier bei der Entwicklung von mRNA-Therapien", sagte Haas. Seit Ende Januar arbeite man an der Entwicklung des Corona-Impfstoffkandidaten. Weltweit laufen inzwischen schon zahlreiche Testreihen von Forschungsinstituten und Pharmafirmen zur Entwicklung von Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus, bei denen unterschiedliche Ansätze verfolgt werden. Bei den nun genehmigten Tests handelt es sich um erste Studien mit gesunden Freiwilligen, bei denen die generelle Verträglichkeit geprüft wird.

Erst am Montag hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bekannt gegeben, dass sich der Bund mit 300 Millionen Euro an CureVac beteiligen wird. Der Einstieg über die staatliche KfW-Bank soll in diesen Tagen erfolgen. Der CDU-Politiker begründete dies mit dem strategischen Ziel, unabhängiger bei der Impfstoffentwicklung zu werden. Im März hatten Berichte für Aufsehen gesorgt, wonach sich die USA den etwaigen CureVac-Impfstoff exklusiv sichern wollten.

Quelle: ntv.de, kst/AFP