Wirtschaft

Börsengang geplant Bund steigt bei Impfstoff-Firma CureVac ein

Um die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus voranzutreiben, beteiligt sich die Bundesregierung am Pharmaunternehmen CureVac. Dazu wird ein dreistelliger Millionenbetrag in die Hand genommen.

Im Rennen um einen Corona-Impfstoff steigt der Bund bei der Biotechfirma CureVac ein. In den kommenden Tagen werde die staatliche KfW-Bank für 300 Millionen Euro 23 Prozent der Anteile zeichnen, kündigte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier an. Mit dieser Beteiligung solle dem Unternehmen von Mehrheitseigner Dietmar Hopp finanzielle Sicherheit gegeben werden. Auf die geschäftspolitischen Entscheidungen des Tübinger Unternehmens werde der Bund keinen Einfluss nehmen.

Tatsächlich dient der Einstieg aber auch dazu, die Übernahme durch einen ausländischen Investor zu verhindern. Denn das Tübinger Unternehmen will demnächst in den USA an die Börse gehen. CureVac habe einen großen Kapitalbedarf "und beabsichtigt einen Börsengang an die Nasdaq in New York im Juli 2020", heißt es in einem Schreiben, in dem das Bundesfinanzministerium den Bundestags-Haushaltsausschuss über die geplante Bundesbeteiligung an dem Unternehmen informiert. "Der beabsichtigte Erwerb einer Bundesbeteiligung an CureVac soll sicherstellen, dass das Unternehmen nicht durch einen ausländischen Investor übernommen wird und ins Ausland abwandert."

"Es steht zu befürchten, dass bei Übernahme und Abwanderung ins Ausland ein künftig durch CureVac entwickelter Impfstoff gegen Covid 19 Deutschland und Europa nicht zur Verfügung gestellt wird", heißt es in dem Schreiben von Finanzstaatssekretärin Bettina Hagedorn an den Ausschuss weiter. "Es ist von besonderem Bundesinteresse, eine Grundversorgung der Bevölkerung in Deutschland mit dem Impfstoff sicherzustellen." Die Beteiligung sei industriepolitisch von hoher Bedeutung, hatte zuvor Wirtschaftsminister Altmeier gesagt.

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(Foto: picture alliance/dpa)

Investor Dietmar Hopp erklärte, er freue sich, dass auch von staatlicher Seite die Bedeutung der Biotechnologie erkannt und diese Schlüsselindustrie über die frühe Forschung hinaus unterstützt werde. CureVac gehört zu den Unternehmen, die sich im Wettlauf bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes befinden. Die Biotechfirma hatte Mitte Mai positive präklinische Ergebnisse zu ihrem Projekt veröffentlicht. Noch im Juni sollten erste klinische Studien mit gesunden Freiwilligen starten.

CureVac war im März in die Schlagzeilen geraten, weil die US-Regierung angeblich Interesse an der Gesellschaft hatte. US-Präsident Donald Trump sollte der Firma einem Medienbericht zufolge einen hohen Betrag angeboten haben, um sich deren Arbeit exklusiv zu sichern. Das hatten die Tübinger allerdings zurückgewiesen. CureVac setzt bei seinen Forschungsarbeiten - wie auch der US-Biotechkonzern Moderna und die Mainzer Biotechfirma Biontech - auf Impfstoffe auf Basis der sogenannten Boten-RNA (mRNA). Sie soll den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln.

Biontech hatte im April als erstes Unternehmen in Deutschland grünes Licht für die erste klinische Studie für einen Corona-Impfstoff hierzulande erhalten. Am Wochenende hatten Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande eine Vereinbarung mit dem Pharmakonzern AstraZeneca bekannt gegeben, mit der sich die EU-Staaten bis zu 400 Millionen Dosen eines in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoffs sichern.

Quelle: ntv.de, ibu/rts/AFP/dpa