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Hoffnung auf globale Versorgung Was den CureVac-Impfstoff besonders macht

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CureVac arbeitet an einem mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus - einer noch jungen Technologie.

(Foto: CureVac AG)

Das Tübinger Unternehmen CureVac meldet erste Erfolge mit seinem Covid-19-Impfstoff - eine möglicherweise revolutionäre Technologie. Ein anderes deutsches Unternehmen setzt auf dasselbe Verfahren. Kann es die Wende bringen?

Bereits am Anfang der Coronavirus-Pandemie sorgte das deutsche Unternehmen CureVac mit seiner Impfstoff-Forschung für Schlagzeilen: Die USA unter Präsident Donald Trump, so hieß es damals, hätten sich die exklusiven Rechte an einem möglichen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 sichern wollen. Die Tübinger dementierten eine angebliche Offerte und forschten weiter.

Mittlerweile verzeichnet CureVac erste Erfolge bei der Entwicklungsarbeit. In präklinischen Untersuchungen hätten sich positive Ergebnisse gezeigt, teilte das Unternehmen mit. Die Daten zeigten eine "ausgewogene Immunantwort". CureVac will nun mit dem am besten geeigneten Impfstoffkandidaten im Juni 2020 in einer ersten klinischen Studie mit gesunden Freiwilligen starten.

CureVac setzt dabei auf eine Technologie, welche das Impfen möglicherweise revolutionieren könnte - weshalb sie wohl auch das Interesse der USA geweckt hat: Das Pentagon hat vor Jahren bereits zig Millionen in CureVac investiert. Es geht dabei um mRNA-Impfstoffe. CureVac ist allerdings nicht konkurrenzlos, auch das deutsche Unternehmen Biontech arbeitet daran, ebenso die US-Firma Moderna. Beide sind sogar schon einen Schritt weiter als CureVac und haben bereits mit Versuchen am Menschen begonnen. Es sind die ersten klinischen Studien von weltweit derzeit 18 Projekten mit RNA-Impfstoffen, die vor Covid-19 schützen sollen.

Es handelt sich allerdings um ein vergleichsweise wenig erprobtes Verfahren. Bisher gibt es weltweit noch keinen einzigen zugelassenen mRNA-Impfstoff. Laut Branchenkennern liegt das unter anderem an Schwierigkeiten bei der Finanzierung teurer Zulassungsstudien.

Ein kleiner Schnipsel genügt

Vom Ansatz her unterscheidet sich das Impfen mit mRNA wesentlich von anderen Verfahren, bei denen abgeschwächte oder veränderte Viren, oder einzelne Teile der Erreger injiziert werden. Denn bei der mRNA-Impfung wird lediglich ein kleiner Schnipsel Erbinformation verabreicht: die mRNA oder Messenger-RNA. Dabei handelt es sich um ein Biomolekül, welches in menschlichen Zellen auch natürlich vorkommt. Seine Aufgabe ist es, Informationen zu transportieren. Im deutschsprachigen Raum wird es daher auch Boten-RNA genannt. Die Informationen beinhalten Bauanleitungen, mit denen kleine Proteinfabriken innerhalb der Zellen jedes beliebige Protein herstellen können.

Dies ist Segen und Fluch zugleich: Denn Viren wie Sars-CoV-2 machen sich diesen Mechanismus der menschlichen Zellen zunutze, um jene Proteine bauen zu lassen, aus denen neue Viren zusammengesetzt werden, was die Infektion vorantreibt. Der mRNA-Impfstoff macht es im Prinzip genau so: Seine mRNA weist die Zelle an, bestimmte Teile des Virus herzustellen, im Fall des Coronavirus etwa jene Proteine, die an dessen Oberfläche vorkommen - die restlichen Komponenten des Erregers fehlen allerdings.

Die mit den Informationen einer künstlich erzeugten mRNA gefütterten Zellen produzieren den Impfstoff also selbst. Dadurch sollen, wie bei einer echten Infektion, wichtige Teile des menschlichen Immunsystems aktiviert und auf die Virus-Bauteile angesetzt werden. Die ersten Versuche von CureVac deuten nach Angaben des Unternehmens darauf hin, dass dies funktionieren könnte. Ob und in welchem Umfang eine durch den mRNA-Impfstoff erworbene Immunität vor dem Virus schützt, muss sich aber erst noch zeigen.

In großen Mengen produzierbar

Sollten mRNA-Impfstoffe jedoch tatsächlich einen Schutz vor einer Coronavirus-Infektion bieten, könnten sie zur wichtigen Waffe im Kampf gegen den Erreger werden. Denn sie haben einen großen Vorteil gegenüber anderen Impfstoffen: mRNA lässt sich vergleichsweise einfach in großen Mengen herstellen. Bereits wenige Kilogramm mRNA-Wirkstoff könnten genügen, um Millionen von Menschen zu impfen. Dies ist bei der aktuellen Pandemie von großer Bedeutung - denn womöglich müssen Milliarden Menschen gegen Sars-CoV-2 geimpft werden.

CureVac hat in Tübingen nach eigenen Angaben bereits große Wirkstoffmengen für seinen Impfstoffkandidaten hergestellt. Die Produktionskapazität der Anlage ermögliche die Herstellung von mehreren hundert Millionen Dosen pro Jahr, teilte das Unternehmen mit. Auch das Mainzer Unternehmen Biontech will nach eigenen Angaben zusammen mit dem US-Pharmaunternehmen Pfizer neue Produktionskapazitäten aufbauen. Damit soll eine mögliche weltweite Impfstoffversorgung gewährleistet werden.

Quelle: ntv.de