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Mittelmaß ist manchmal gut Die Kleinsten und Größten sterben eher aus

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Für die besondere Gefährdung großer Tierarten ist den Forschern zufolge vor allem der Mensch verantwortlich, weil er sie beim Jagen töte oder ihre Körperteile für medizinische Zwecke nutze.

(Foto: imago/Thomas Zimmermann)

Zum Mittelmaß zu gehören ist manchmal gar nicht schlecht. Das trifft zumindest für Wirbeltiere zu - hier haben die extremeren Vertreter, bezogen auf das Körpergewicht, ein höheres Aussterberisiko. Woran liegt das?

Besonders große und besonders kleine Tiere haben ein höheres Risiko auszusterben als mittelgroße. Dies zeigte ein internationales Forscherteam für die allermeisten Wirbeltiere. Die übermäßig starken Verluste am oberen und unteren Ende der Größenskala veränderten die Ökosysteme in Wäldern, Grasflächen, Ozeanen und Flüssen vermutlich erheblich - und damit die gesamte Architektur des Planeten, berichten die Forscher in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

William Ripple von der Oregon State University in Corvallis und seine Mitarbeiter untersuchten den Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Aussterberisiko bei insgesamt 27.647 Arten, die in der Roten Liste bedrohter Tierarten aufgeführt sind. Es handelte sich dabei um Säugetiere, Reptilien, Vögel, Amphibien, Knochen- oder Knorpelfische - also Vertreter der klassischen Gruppen der Wirbeltiere. 17 Prozent der betrachteten Arten waren als gefährdet, stark gefährdet oder als vom Aussterben bedroht gelistet.

Auch Größe des Lebensraums bestimmt Gefährdung mit

Auf einer neuen Touristenroute in Costa Rica lassen sich zum Beispiel Kolibris beobachten. Foto: Costa Rica Tourism Board

Kleinere Tierarten sind vor allem durch die Zerstörung ihrer Lebensräume gefährdet.

(Foto: dpa-tmn)

Die Auswertung zeigte, dass - für alle betrachteten Gruppen zusammengenommen - die kleinsten und die größten Tierarten jeweils ein höheres Aussterberisiko besaßen als die mittelgroßen. Weiter fanden die Wissenschaftler, dass auch die Größe des Lebensraums die Gefährdung einer Tierart mitbestimmte. Arten mit einem kleinen Verbreitungsgebiet hatten ein höheres Aussterberisiko.

Für die besondere Gefährdung großer Tierarten sei vor allem der Mensch verantwortlich, weil er Tiere beim Fischen oder Jagen töte oder ihre Körperteile für medizinische Zwecke nutze. Kleinere Tierarten seien vor allem durch die Zerstörung ihrer Lebensräume gefährdet. "Zu wissen, dass die Körpergröße mit der Gefährdungswahrscheinlichkeit einer Art korreliert, erlaubt es uns, das Aussterberisiko von Arten abzuschätzen, über die wir nur sehr wenig wissen", sagt Ripple.

Dass es einen Zusammenhang zwischen Körpergröße und Gefährdung einer Tierart gibt, hatten Wissenschaftler im vergangenen Jahr bereits für marine Spezies gezeigt. Auch sie machten dafür den Mensch verantwortlich, der vornehmlich Jagd auf größere Arten und Exemplare mache. Einen derartigen Zusammenhang zwischen Körpergröße und Aussterberisiko habe es bei den fünf großen Massensterben der letzten 445 Millionen Jahre nicht gegeben, schrieben sie im Fachblatt "Science".

Dass Messungen der Körpergröße auch innerhalb einzelner Arten frühzeitig auf einen drohenden Einbruch der Bestände hinweisen, zeigten Forscher durch die Analyse von Fangdaten von vier Walarten aus dem 20. Jahrhundert. Sie stellten fest, dass die Durchschnittsgröße der gefangenen Tiere zunehmend schrumpfte - und zwar schon Jahrzehnte vor dem Kollaps der jeweiligen Bestände. Die mittlere Größe gefangener Pottwale - eine der am stärksten bejagten Arten - sank von 1905 bis zu den 1980er-Jahren um vier Meter. Das berichtete das Team um Christopher Clements von der Universität Zürich im Fachblatt "Nature Ecology & Evolution".

Quelle: n-tv.de, Anja Garms, dpa

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