Fakten & Mythen

So schützt man sich am besten Gewitter-Blitze können töten

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Faszinierend und angsteinflößend zugleich: Gewitter mit Blitz und Donner.

(Foto: picture alliance/dpa)

Blitze zucken vom Himmel, gefolgt von einem gefährlichen Grollen. Gewitter ist eine echte Naturgewalt. So mancher hat Angst, vom Blitz getroffenen zu werden. Welches Verhalten ist jetzt am klügsten? Ein Faktencheck zu verbreiteten Annahmen und Mythen:

Vergehen zwischen Blitz und Donner zehn Sekunden, ist das Gewitter weit weg und damit ungefährlich.

Falsch. Wenn zwischen Blitz und Donner zehn Sekunden liegen, ist das Gewitter bereits relativ nah. Die Formel, um die Entfernung zum Gewitter zu berechnen, lautet: Gezählte Sekunden mal 333 = Abstand des Gewitters in Meter. In unserem Beispiel bedeutet das: Zwischen Blitz und Donner liegen zehn Sekunden. 10 x 333 = 3330 Meter. Wer lieber mit kleinen Zahlen rechnet, der kann auch die gezählten Sekunden durch 3 teilen. Das Gewitter ist also ungefähr 3,3 Kilometer entfernt. Außerdem muss der Blitz einen Menschen nicht direkt treffen, damit er zur Gefahr wird. Selbst wenn er 30 Meter weiter weg einschlägt, ist dies gefährlich. Denn von der Einschlagstelle aus breitet sich die Spannung kreisförmig aus und kann so immer noch Personen treffen. Zudem wurde beobachtet, dass ein Blitz fünf Kilometer oder mehr von seiner Ursprungswolke entfernt einschlug. Kann man dagegen gar keinen Donner hören, dann ist das Gewitter tatsächlich weit entfernt und ungefährlich.

Wälder sind gefährlich, wenn es gewittert.

Stimmt. Die Volksweisheit "Buchen sollst du suchen, vor Eichen sollst du weichen" ist dagegen Quatsch. Für den Blitz ist es völlig unerheblich, um was für einen Baum es sich handelt, er hat keine Präferenzen. Stattdessen lautet die Regel: Sind Bäume in der Nähe, sollte man Abstand halten. Denn Blitze schlagen oft in die höchste Erhebung ein. Ist das ein Baum, gilt auch hier: Die elektromagnetische Welle breitet sich auch im Boden um den Baum herum aus. Wer dann in der Nähe eines Baumes steht, bekommt immer noch so viel Strom ab, dass das Herz-Kreislauf-System lebensgefährlichen Schaden nehmen kann. In einem Wald, wo viele gleichhohe Bäume um einen herum sind, ist das Risiko für einen Blitzschlag zwar geringer als bei einer Baumgruppe auf freiem Feld, dennoch ist Vorsicht geboten, denn Gewitter werden oftmals von Sturm begleitet. Dadurch können Äste abbrechen, Bäume umknicken oder entwurzeln und damit zur tödlichen Fallen werden.

Man sollte am besten schnell mit dem Fahrrad nach Hause fahren oder rennen.

Falsch. Zwar ziehen Fahrräder keine Blitze an, aber schlägt einer ein, dann leitet das Metall den Strom besonders gut. So wird der Drahtesel zur Lebensgefahr. Es ist also besser, bei Gewitter sofort anzuhalten, abzusteigen und sich mindestens drei Meter von seinem Fahrrad zu entfernen. Auch vor Gewitter wegzurennen, ist keine gute Idee. Denn durch die sogenannte Schrittspannung droht ebenfalls Lebensgefahr. Das heißt: Wenn man einen Schritt macht, entsteht bei einem Einschlag in nächster Nähe ein Spannungsunterschied zwischen den Füßen. Es fließt Strom. Auch wenn es albern klingt: Ist ein Gewitter direkt über einem und damit die Gefahr für einen Blitzeinschlag groß, ist es besser, sich mit geschlossenen Beinen hüpfend aus dem Gefahrenbereich zu bewegen.

Freie Flächen sind gefährlich.

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Freie Flächen wie Wiesen und Sportplätze sollten während eines Gewitters gemieden werden.

(Foto: imago/Photocase)

Stimmt. Freie Flächen sollten gemieden werden, weil man dort selbst die höchste Erhebung ist, in die ein Blitz einschlägt. Hat man auf einer freien Fläche keine Möglichkeit, Schutz vor Blitzen zu finden, sollte man sich so klein wie möglich machen und hinhocken. Die Füße sollten eng nebeneinanderstehen und der Kopf zu den Knien gezogen werden. Die Arme umgreifen die Knie. In dieser Haltung ist die Angriffsfläche, die man dem Strom durch einen Blitz bietet, am kleinsten. Ist man als Gruppe unterwegs, sollten auch die einzelnen Personen Abstand zueinander halten.

Das Auto ist ein guter Gewitterschutz.

Richtig. In einem Pkw ist man relativ sicher. Die Metallkarosserie wirkt wie der sogenannte Faradaysche Käfig. Das bedeutet: Schlägt der Blitz in ein Auto ein, werden die Ströme außen am Fahrzeug in die Erde abgeleitet. Dadurch sind die Insassen geschützt, aber nur, wenn Fenster und Türen geschlossen sind und man keinen Körperkontakt zur Karosserie hat. Auch vom Radio sollte man die Finger lassen. Wagen mit Kunststoffdächern oder Cabrios sind hingegen nicht ganz so sicher, aber im Falle eines Falles immer noch die bessere Wahl, als auf der Wiese im Freien zu sein.

Einen Regenschirm kann man ohne Probleme aufspannen.

Falsch. Selbst wenn es regnet, sollte man den Regenschirm besser schließen. Denn die meisten Modelle enthalten Metall. Wenn man auf freier Strecke mit dem Schirm auch noch den höchsten Punkt einer Umgebung darstellt, steigt die Gefahr, dass der Blitz direkt in den Schirm einschlägt. Dann gelangt der Blitz von der Hand über den Arm direkt ins Herz.

Blitze schlagen nie an gleicher Stelle ein.

Falsch. Hohe und vor allem einzeln stehende Objekte sind für Blitzeinschläge besonders empfänglich. Das Empire State Building in New York wird sehr häufig von Blitzen heimgesucht. Bis zu 25 Mal schlägt der Blitz dort jährlich ein. Wer also ein hohes Gebäude oder einen Baum kennt, die schon mal vom Blitz getroffen wurden, sollte sich bei Gewitter lieber von diesen fernhalten.

Man sollte sich nicht in einem Zelt aufhalten.

Richtig. Gewittert es, sollte man das Zelt verlassen. Im Zelt zu bleiben ist gefährlich, weil sich ein ins Gestänge einschlagender Blitz meist ungleichmäßig verteilt und über die Zeltstangen in die Erde abfließt. Dabei bilden sich um die Zeltstangen herum sogenannte Spannungstrichter, die gefährlich sind. Außerdem kann es zu einem Funkenüberschlag von der Zeltstange kommen und damit zu einem Stromfluss im Körper. Wer es nicht rechtzeitig aus dem Zelt schafft, sollte auf keinen Fall Zeltwand und Gestänge berühren und sich stattdessen möglichst in die Mitte des Zeltes setzen. Der blanke Boden ist allerdings ebenfalls gefährlich - besser ist eine trockene Luftmatratze als Untergrund.

Bei Gewitter sollten elektrische Geräte vom Stromnetz getrennt werden.

Richtig. Durch einen Blitzeinschlag entsteht ein starkes Magnetfeld und eine große statische Elektrizität. Das kann zu Überspannungsschäden an elektrischen Geräten führen. Insofern ist das Abziehen von Steckern - egal, ob Antenne oder Strom – eine gute Idee, um elektronische Geräte im Haus zu schützen. Denn nicht jedes Haus hat einen Überspannungsschutz, der Schäden an Elektrogeräten verhindern kann, sollte ein Blitz einschlagen. Erst seit Oktober 2016 ist ein Einbau eines solchen Schutzes Pflicht. Deswegen richten Blitzschäden jedes Jahr immer noch Schäden in Millionenhöhe an. Auch wenn für diese Fälle oftmals die Hausratversicherung aufkommt, ist gerade bei Datenträgern der Schaden häufig nicht zu beheben.

Bei Gewitter soll man sich flach auf den Boden legen.

Falsch. Auch wenn sich ein Blitz zumeist die höchste Erhebung aussucht, um einzuschlagen, ist diese Strategie nicht die richtige. Bei flacher Bauchlage kann der Strom, der durch einen Blitzeinschlag in der Nähe entsteht, in voller Länge, also vom Kopf bis zu den Füßen, durch den Körper fließen.

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Wer sich auf oder im Wasser aufhält, sollte am besten schnell an Land gehen oder schwimmen und dort Schutz suchen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer sich im Wasser aufhält, sollte schnell an Land kommen.

Richtig. Wasser leitet Blitzströme besonders gut. Wer gerade badet, sollte umgehend an Land schwimmen. Für Boote gilt: In offenen Booten hat man keinerlei Blitzschutz und sollte bei einem heranziehenden Gewitter so schnell wie möglich an Land gehen und Schutz suchen. Bei Kajütbooten hängt der Schutz vor Blitzen vor allem vom Material des Bootes ab. So wie Autos wirken Boote und Schiffe aus Metall wie Faradaysche Käfige, in denen die Passagiere im Inneren geschützt sind, solange sie keine Metallteile berühren. Bei Kunststoff- oder Holzbooten dagegen besteht die Gefahr, dass ein Blitzeinschlag - oftmals über den Segelmast - Schäden am Rumpf oder sogar einen Brand auslöst und dann die elektrischen Anlagen an Bord ruiniert. Wenn man sich auf Deck aufhalten muss, dann sollten Schuhe mit Gummisohlen getragen werden.

Die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz getroffen zu werden, ist höher, als im Lotto zu gewinnen.

Falsch, denn bei diesem Vergleich gibt es viel zu viele Ungenauigkeiten. Es geht wohl eher um den Vergleich der Wahrscheinlichkeiten von einem Blitztod und einem millionenschweren Lottogewinn. In Deutschland werden pro Jahr drei bis sieben Menschen durch einen Blitzeinschlag getötet. Tausende dagegen gewinnen in Lotterien. 2017 wurden 105 Menschen in Deutschland zu Lotto-Millionären. Die Wahrscheinlichkeit, den Blitztod zu sterben, liegt in Deutschland bei 1:18.000.000, die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, dagegen bei 1:6.000.000, denn nicht jedes Blitzopfer stirbt. Bei einem einmaligen Versuch, im Lotto alle sechs Zahlen (ohne Superzahl) richtig zu tippen, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:14.000.000. Also scheint es tatsächlich so zu sein, dass laut Berechnung die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, größer ist, als durch Lotto zum Millionär zu werden.

Quelle: n-tv.de

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