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Informationen aus Datenspende Fieberkurve zeigt Virusausbreitung genauer

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Die App greift auf Daten aus Fitness-Armbändern und Smartwatches zurück.

(Foto: imago images/onw-images)

Neben der Corona-Warn-App gibt es vom RKI auch noch die App zur Corona-Datenspende. Dort kann man freiwillig Daten genutzter Fitness-Armbänder oder Smartwatches hochladen. Inzwischen ergibt die Auswertung der enthaltenen Fieberzahlen ein schnelleres Infektionsbild als die aktuellen Fallzahlen.

Die im April gestartete "Corona-Datenspende"-App des Robert-Koch-Instituts (RKI) erweist sich inzwischen als erstaunlich aussagekräftig. Mithilfe der freiwillig bereitgestellten Daten von Fitness-Armbändern und Smartwatches kann die Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland offenbar etwas früher eingeschätzt werden als durch die täglich gemeldeten Fallzahlen, heißt es vom RKI.

Der Leiter des Datenspende-Projekts am RKI, Dirk Brockmann, sagte dem Deutschlandfunk, kürzlich sei der Algorithmus zur Berechnung von möglichen Fieberfällen konkretisiert worden. Nun sehe es so aus, als zeige der aktuelle Fiebermonitor die Virusausbreitung bis zu vier Tage früher als die gemeldeten Infektionen. Dieser Monitor bildet Fiebermeldungen in der Gruppe der Datenspendenden in den einzelnen Bundesländern ab, aber auch in ganz Deutschland.

Die Daten werden jeden Tag neu berechnet, ausgewertet, analysiert und grafisch dargestellt. Im Monitor werden auch die Trend-Kurven dargestellt. Die Fieberdaten ergeben sich dabei aus Abweichungen bei Ruhepuls, Schlaf- und Bewegungswerten. Fieber gilt als ein Hauptsymptom bei Covid-19, der Anteil der Corona-Infizierten mit Fieber ist relativ konstant. 41 Prozent der Covid-19-Kranken in Deutschland hatten Fieber als Symptom.

Neuer Parameter

Die Berechnungen auf Grundlage der App sind aus Sicht von Brockmann ein Indikator von vielen, um die Corona-Ausbreitung zu beschreiben. Neben Zahlen wie den täglichen Neuinfektionen oder der Positivquote von Tests könne die Fieberkurve als weiterer Parameter helfen, die Situation richtig einzuschätzen.

Man hoffe, dass man gerade in der aktuellen Situation bereits etwas früher sagen könne, wann die Kurve der Infektionszahlen wieder abfalle, so der Physiker, der sich mit wissenschaftlichen Prognosen für Infektionsverläufe wie bei der Corona-Pandemie beschäftigt. Er vermutet, dass Menschen mit Fieber erst nach einigen Tagen zum Arzt gehen und sich auch erst dann auf das Virus testen lassen. Die Datenspende-App habe die Erkrankung dann anscheinend bereits registriert.

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Seit dem App-Start im April haben sich fast 530.000 Menschen für die Datenspende registriert. Zwischen 70.000 und 100.000 App-Nutzer leiten ihre Daten regelmäßig weiter. Das Team um die App will die Analyse der Daten nun weiter verbessern. Durch die Justierung des Algorithmus seien bereits Störfaktoren wie das Wetter oder Feiertage herausgerechnet worden, sagte Brockmann. Man arbeite nun etwa daran, den Schlafrhythmus mit einzubeziehen - dieser könne sich bei Kranken verschieben.

Ein "Traum" wäre es für Brockmann, die Daten, die viele Fitness-Armbänder alle 15 Minuten senden, quasi live statt auf den Tag gerechnet abbilden zu können. Dann, so Brockmann, hätte man eine Art "Covid-Fingerabdruck".

Quelle: ntv.de, sba

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