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Nachweis inaktiver Zelltrümmer Infektiosität weicht von Testergebnis ab

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Dort wo Nase und Rachen zusammenkommen, im sogenannten Nasopharynx, ist die Viruslast am höchsten.

(Foto: picture alliance / ROBIN UTRECHT)

Noch immer kann keiner mit Sicherheit sagen, wie lange ein Covid-19-Patient andere mit Sars-CoV-2 anstecken kann. Nach zwei negativen PCR-Tests werden Patienten als nicht ansteckend aus dem Krankenhaus entlassen. Doch schon Tage vorher gibt es keine aktiven Viren mehr, wie Forschende aktuell berichten.

Forschende der Chung-Ang Universitätsklinik Seoul haben festgestellt, dass die Infektiosität von Sars-CoV-2 bereits Tage vorher nachlässt, bevor ein Test mit der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion, kurz als PCR-Test bezeichnet, negativ ausfällt. Mit dem PCR-Test, der als Standard zur Diagnose für eine Sars-CoV-2-Infektion angewendet wird, können einzelne Erreger-Gene aufgespürt werden. Mit dem Test kann jedoch nicht bestimmt werden, ob diese intakt und damit gefährlich, oder bereits abgestorben sind.

Ein sicherer Nachweis über die Infektiosität kann nur mit speziellen Labortests erbracht werden. Mithilfe von Zellkulturen wird aufwendig untersucht, ob sich in den Proben Viren befinden, die die Fähigkeit haben, in Zellen einzudringen und diese zu zerstören. Das Forscherteam um Jin-Won Chung hat sich deshalb die Testergebnisse der PCR von insgesamt 21 Covid-19-Patienten angesehen. Die Patienten waren im Durchschnitt 62 Jahre alt, aber nicht kritisch an Covid-19 erkrankt. Bei ihnen wurden ungefähr alle zwei Tage Proben genommen, und zwar so lange, bis die Tests negativ ausfielen.

Virus-Aktivität nach Symptombeginn

Beim Vergleich der Test- mit den Laborergebnissen zeigte sich: Die Infektiosität der Viren in den Zellkulturen ließ bereits nach fünf bis zehn Tagen, im Mittel nach sieben Tagen nach. Am längsten zeigten sich 12 Tage nach Beginn der Symptome die Viren im Labor noch infektiös. Bei einem der Patienten war das Fieber erst drei Tage zuvor zurückgegangen. Wahrscheinlich ist, dass sich im Nasen-Rachenraum bei Sars-CoV-2-Infizierten noch Zelltrümmer befinden, auf den der PCR-Test mit einem positiven Ergebnis reagiert.

Bekannt war bereits, dass die Viruslast bei Infizierten in der ersten Woche nach der Infektion am höchsten ist. Einer Übersichtsarbeit zufolge sei durchschnittlich an Tag fünf der Infektion die Viruslast am größten und dementsprechend auch das Risiko für eine Verbreitung.

Studie liefert nur Hinweise

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Die Forschenden aus Seoul, die ihre Ergebnisse im "The New England Journal of Medicine" veröffentlichten, sind sich angesichts ihrer Daten im Klaren darüber, dass es sich lediglich um einen kleinen Personenkreis handelt, der untersucht worden ist. Weitere Studien dazu seien deshalb nötig. Dennoch könnten ihre Ergebnisse erste Hinweise dafür liefern, um Isolationsperioden für Covid-19-Infizierte in Zukunft besser bestimmen zu können.

Bisher kann man nicht mit Sicherheit sagen, wie viel Zeit zwischen einer Sars-CoV-2-Infektion bis zur Ansteckungsfähigkeit vergeht und wie lange jemand infektiös bleibt. Das Robert-Koch-Institut schickt Kontaktpersonen deshalb für 14 Tage in häusliche Isolation. Bei fehlender Symptomatik kann der Zeitraum auf zehn Tage verkürzt werden, wenn ein negativer Sars-CoV-2-Test vorliegt, der frühestens am zehnten Tag der Isolation durchgeführt wird. Diese Regelung gilt nicht, wenn eine Infektion oder der Verdacht darauf, mit einer mutierten Variante von Sars-CoV-2 vorliegt. Zwei innerhalb von 24 Stunden aufeinanderfolgende negative Sars-CoV-2-Tests gelten als Mittel der Wahl, um Covid-19-Patienten als nicht mehr infektiös aus dem Krankenhaus zu entlassen.

Quelle: ntv.de, jaz

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