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Weniger Mais, mehr Weizen Klimawandel wirkt sich schon bald auf Ernte aus

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Dem Team des NASA Goddard Institute for Space Studies zufolge fallen Maisernten künftig geringer aus - und zwar bereits ab 2032.

(Foto: imago images/Karina Hessland)

Hitze, Trockenheit, mehr CO2 in der Atmosphäre: Die Auswirkungen der Klimaerwärmung schlagen sich auch in den Ernteerträgen nieder - und zwar schon Jahrzehnte früher als bisher gedacht. Zu dem Schluss kommt ein NASA-Forscherteam. Betroffen seien vor allem tropische und subtropische Regionen.

Der Klimawandel wird sich auf die landwirtschaftlichen Erträge wahrscheinlich schon Jahrzehnte früher auswirken als bisher vorhergesagt. Dies geht aus einer Studie hervor, die neue Pflanzenmodelle mit den aktuellsten Klimaprognosen kombiniert. Während die Weizenerträge in diesen Simulationen stärker steigen als bisher vermutet, fallen die Maisernten demnach künftig geringer aus - und zwar schon ab dem Jahr 2032. Bei Reis und Sojabohnen sei der künftige Zuwachs schwächer als bisher angenommen. Das berichtet ein internationales Team um Jonas Jägermeyr vom NASA Goddard Institute for Space Studies in New York im Fachmagazin "Nature Food".

Da Pflanzen für ihre Energiegewinnung durch Photosynthese Kohlendioxid (CO2) benötigen, gedeihen viele Arten bei einem höheren CO2-Anteil in der Atmosphäre besser. Negativ auf das Pflanzenwachstum auswirken können sich jedoch andere Faktoren wie etwa Hitze und Trockenheit. "Der Klimawandel wirkt sich auf die landwirtschaftliche Produktivität weltweit bereits über viele Mechanismen aus, die hauptsächlich durch wärmere Durchschnitts- und Extremtemperaturen, veränderte Niederschlagsmengen und Dürremuster sowie erhöhte atmosphärische CO2-Konzentrationen getrieben werden", schreiben die Forscher um Jägermeyr, der auch am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) tätig ist.

Verbesserte Klimamodelle für Weltklimarat

Ihr Vorgehen soll Prognosen nun verlässlicher und klarer machen. Für ihre Simulationen nutzten sie verbesserte Klimamodelle, die für den 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) entwickelt wurden, dessen erster Teil im August erschien. Zu jeder Pflanze führten die Wissenschaftler 240 Simulationen mit verschiedenen Pflanzenmodellen und unterschiedlichen Rahmenbedingungen durch, darunter diverse CO2-Gehalte in der Luft. So berechneten sie die Ernteerträge weltweit für vier wichtige Nutzpflanzen - Mais, Sojabohnen, Reis und Weizen - zuverlässiger als bisher.

Im Vergleich zu den Prognosen, die noch auf dem 5. IPCC-Bericht von 2014 basieren, rechnen sie für Weizen mit um 8,8 bis 17,5 Prozent höheren Erträgen. Bei Mais, Reis und Sojabohnen dagegen gehen sie von teils deutlich schlechteren Ernten aus: So werde die Mais-Ausbeute im Zeitraum 2069 bis 2099 bei einem hohen CO2-Gehalt um etwa 24 Prozent geringer ausfallen als im Zeitraum 1983 bis 2013.

Gemäßigte Breiten profitieren eher vom Klimawandel

Bei hohem CO2-Wert werde der Ertrag von Sojabohnen um 2 Prozent sinken, bei niedrigerer Konzentration - wie sie für das 2-Grad-Ziel nötig wäre - dagegen um 2 Prozent steigen. Die Ernten von Reis werden demnach zwischen 1,7 und 3,4 Prozent höher ausfallen. Reis ist die einzige der untersuchten Nutzpflanzen, deren Erträge in den Tropen zunehmen wird, sonst profitieren eher die gemäßigten Breiten vom Klimawandel.

Jägermeyr und Kollegen prognostizieren auch die Zeitpunkte, an denen die Folgen des Klimawandels auf die landwirtschaftliche Produktion statistisch nachweisbar werden: Bei Weizen gehen sie schon vom Jahr 2023 aus, bei Mais nennen sie das Jahr 2032.

"Zeitraum für mögliche Anpassungen wird kürzer"

Aus Sicht von Matin Qaim von der Universität Bonn sind diese Ergebnisse plausibel und müssen sehr ernst genommen werden. "Im Klartext heißt das: Der Zeitraum für mögliche Anpassungen wird kürzer; der Druck, schnell und entschieden zu handeln, wächst massiv an", betont der Agrarökonom, der nicht an der Studie beteiligt war.

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Ohne deutliche Veränderungen könne es regional leicht zu Versorgungsengpässen und Hungersnöten kommen, mahnt Qaim. Das gelte weniger für die gemäßigten Klimazonen, sondern vor allem für tropische und subtropische Regionen, etwa in Afrika und Asien. Dort seien nicht nur die Ertragsausfälle größer, sondern zudem hingen mehrere Hundertmillionen Kleinbauern direkt von der Landwirtschaft ab.

Angesichts der Resultate plädiert Klaus-Peter Götz von der Humboldt-Universität Berlin dafür, konsequent gegen Nahrungsmittelverluste bei Anbau, Transport und Verarbeitung vorzugehen sowie auch Lebensmittelverschwendung. Immerhin gehe dadurch ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel verloren.

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa

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