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Kampfstoffe von Bakterien Neue Antibiotika-Quelle im Meer entdeckt

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Taucher sammeln Blätter des Neptungrases (Posidonia oceanica) in der Bucht von Calvi auf Korsika.

(Foto: Christian Jogler, FSU)

Antibiotikaresistente Bakterien sind seit vielen Jahren ein Problem in der Medizin. Die Entwicklung neuer, wirksamer Medikamente ist ein aufwendiges und kostspieliges Unterfangen. Ein internationales Forscherteam sucht im Meer und ist erfolgreich.

Auf der Suche nach neuen, wirkungsvollen Antibiotika sind Forscher nun einen bedeutenden Schritt weitergekommen. Ein internationales Forscherteam um Christian Jogler und Sandra Wiegand von der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat sich an insgesamt zehn Orten im Meer auf die Suche nach Bakterien gemacht, die in der Lage sind, Antibiotika zu produzieren. Diese Organismen werden als Planctomyceten bezeichnet. "Wir wissen, dass Planctomyceten in Gemeinschaften mit anderen Mikroorganismen leben und mit diesen um Lebensraum und Nährstoffe konkurrieren. Solche Organismen produzieren antibiotische Verbindungen und setzen sie im Kampf um Nährstoffe und Lebensräume gegen andere Bakterien ein", erklärt Jogler.

Die Forscher nahmen Proben aus dem Mittelmeer, der Nord- und Ostsee, dem Schwarzen Meer sowie dem Atlantik, dem Pazifik und dem Nordpolarmeer und untersuchten diese. Danach gelang es, die Planctomyceten zu isolieren und in Reinkultur zu bringen. Auf diese Weise entstanden insgesamt 79 neue Bakterienstämme in Reinkultur, die wiederum 31 neue Gattungen und 65 neue Arten bildeten. Danach wurden die gewonnenen Reinkulturen ganzheitlich analysiert.

"Unkultivierbar" war gestern

Alle Antibiotika werden bisher zu drei Vierteln mithilfe von Bakterien hergestellt. Bisher galten jedoch 99 Prozent der bekannten Bakterienarten als "unkultivierbar". Sie waren damit als Forschungsquelle uninteressant und kamen auch als neue Wirkstofflieferanten nicht infrage. Mit der weltweit wachsenden Anzahl an Resistenzen durch den unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika sinkt auch die Anzahl der Antibiotika-Quellen. Das ist nicht nur ein Problem für Mediziner und Patienten, sondern auch für die Pharmaindustrie. Mit den aktuellen Ergebnissen der Forscher könnte sich das nun ändern. Die Analyse zeigt nämlich, "dass die neu gewonnenen Planctomyceten außergewöhnlich komplexe Lebensweisen besitzen und über das Potenzial verfügen, neue Antibiotika produzieren zu können", erklärt Wiegand.

Die Ergebnisse belegen zudem bisher unbekannte und unerwartete Mechanismen der bakteriellen Zellteilung und zeigen, dass bisher als "unkultivierbar" eingestufte Bakterien durchaus im Labor kultiviert werden können. Nur mit diesem Wissen können auch neue Quellen zur Antibiotika-Herstellung gefunden werden. Bis es so weit ist, sind jedoch eine Reihe weiterer Untersuchungen nötig.

Die Ergebnisse der Forscher wurden im Fachmagazin "Nature Microbiology" veröffentlicht.  

Quelle: n-tv.de, jaz

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