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Besserung, wenn Natur Chance hat Rote Liste zählt 1840 weitere bedrohte Arten

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Ein Positivbeispiel: der Mauritiussittich.

(Foto: REUTERS)

Über 30.000 gefährdete Tier- und Pflanzenarten zählt die Rote Liste mittlerweile. Stetig kommen neue hinzu. Gerade Umweltverschmutzung und die Auswirkungen des Klimawandels beeinflussen das Artensterben. Einige wenige Positivbeispiele zeigen aber auch, dass Besserung möglich ist - mit viel Aufwand.

Der Klimawandel verschärft den Druck auf Hunderte Tier- und Pflanzenarten: Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat 1840 neue Arten in ihre Rote Liste gefährdeter Arten aufgenommen - und vor den Auswirkungen der Erderwärmung gewarnt. "Der Klimawandel verschärft die vielfältigen Bedrohungen für Arten und wir müssen dringend und entschlossen handeln, um die Krise einzudämmen", erklärte die stellvertretende Generaldirektorin der IUCN, Grethel Aguilar.

Die Rote Liste enthält nun mehr als 30.000 Arten, die vom Aussterben bedroht sind. "Die Aktualisierung zeigt die ständig zunehmenden Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Tierwelt", hieß es in dem IUCN-Bericht. Seit der letzten Bewertung sei bei 73 Arten ein dramatischer Rückgang verzeichnet worden. Mehr als eine Million Arten seien bedroht, weil der Mensch durch Raubbau, Umweltverschmutzung und Klimawandel ihren Lebensraum zerstört.

Die während der UN-Klimakonferenz in Madrid veröffentlichte neue Rote Liste macht nach Angaben der IUCN deutlich, dass der Klimawandel eine besondere Bedrohung darstellt. Steigende Temperaturen hätten etwa zum Rückgang mehrerer Süßwasserfische und Haie beigetragen, heißt es in dem Bericht.

37 Prozent der australischen Süßwasserfischarten seien vom Aussterben bedroht, erklärte die IUCN. Die Bestände des Kurzschwanz-Ammenhais seien in den vergangenen 30 Jahren um rund 80 Prozent zurückgegangen. Sein Lebensraum im flachen Wasser werde durch die Erwärmung des Ozeans eingeschränkt.

"Ein Funke der Hoffnung"

Die IUCN hob aber auch einige Erhaltungserfolge hervor: Acht Vogel- und zwei Fischarten werden als weniger gefährdet eingestuft als bisher. Darunter sind ein Sittich und eine Dornbarsch-Art. "Die Geschichten der zehn Arten mit eindeutiger Verbesserung zeigen, dass die Natur sich erholt, wenn sie auch nur eine kleine Chance bekommt", sagte Aguilar. "Diese neue Ausgabe der Roten Liste ist ein Funke der Hoffnung mitten in der Artenvielfalt-Krise."

Positiv sei die Entwicklung bei der Guamralle (Gallirallus owstoni), berichtet die IUCN. Auf der Pazifikinsel Guam sei das letzte wilde Exemplar der flugunfähigen Vögel 1987 von einer Schlange getötet worden. Nun seien gezüchtete Paare, die auf der kleinen Nachbarinsel Cocos Island ausgewildert wurden, dort heimisch geworden. Die Art gilt deshalb nicht mehr als "in der Natur ausgestorben", sondern als "vom Aussterben bedroht".

Von dem einst vom Aussterben bedrohten Mauritiussittich (Psittacula eques) gebe es inzwischen wieder etwa 750 Paare, er gelte nur noch als gefährdet. Die Insel Mauritius kann diverse Erfolge beim Artenschutz verzeichnen. Eine Gattung der Dorschbarsche in Australien (Maccullochella macquariensis) sei nur noch gefährdet, aber nicht mehr stark gefährdet.

Die Liste wird mindestens zweimal im Jahr aktualisiert. Sie hat acht Kategorien von "nicht gefährdet" bis "ausgestorben", in die Arten je nach geschätzter Zahl und anderen Kriterien einordnet werden. Dazu kommt eine Kategorie für Arten, zu denen noch nicht genügend Daten vorliegen.

Quelle: ntv.de, agr/AFP/dpa