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Die Nächte bei den Sondierungen sind lang. Kaffee hilft da leider auch nur noch begrenzt.
Die Nächte bei den Sondierungen sind lang. Kaffee hilft da leider auch nur noch begrenzt.(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)
Freitag, 12. Januar 2018

Keine Nachtruhe für Sondierer : "Schlafentzug macht risikobereiter"

Die Sondierungen von SPD und CDU/CSU laufen über 24 Stunden. Dabei schränkt der Schlafmangel die Leistungen des Gehirns ein. Der Schlafforscher Alfred Wiater erklärt im Interview mit n-tv.de, warum der Schlafentzug zu falschen Entscheidungen führen kann.

n-tv.de: Was macht Schlafentzug mit dem Körper und dem Gehirn?

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Alfred Wiater: Es gibt einen Unterschied zwischen kurzfristigem und langfristigem Schlafentzug. Längerer Schlafentzug über mehrere Tage gilt laut der Weltgesundheitsorganisation bereits als Foltermethode. Bei einem kurzen Schlafentzug werden die kognitiven und psychischen Funktionen des Menschen beeinträchtigt. Das hängt immer von der individuellen Verfassung ab.

Wann spricht man von einem kurzfristigen Schlafentzug?

Schon 17 Stunden ohne Schlaf entsprechen der Wirkung eines Blutalkoholgehalts von 0,5 Promille. Das zeigt, dass selbst Schlafmangelzustände in einem begrenzten zeitlichen Umfang zu erheblichen Beeinträchtigungen führen.

Kann man nach 24 Stunden ohne Schlaf noch richtig denken?

Dr. Alfred Wiater ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung.
Dr. Alfred Wiater ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung.(Foto: picture alliance / dpa)

Es gibt Menschen, die viel Schlaf brauchen und jene, die Kurzschläfer sind. Diese kommen auch eine längere Zeit ohne Schlaf aus. Grundsätzlich sind die Merkfähigkeit und das Urteilsvermögen aber eingeschränkt. Nach Schlafmangelzuständen hat man sich auch psychisch weniger unter Kontrolle.

Führt Schlafentzug zu schnelleren Entscheidungen?

Schlafentzug kann dazu führen, dass vorschnell und unüberlegt entschieden wird. Der Mensch ist risikobereiter als im erholten Wachzustand.

Hilft es, viel Kaffee zu trinken?

Kaffee hat nur einen begrenzten und kurzzeitigen Effekt. Die Rezeptoren, die durch das Koffein blockiert werden, werden mit der Zeit unempfindlicher.

Können die Sondierer den verlorenen Schlaf aufholen?

Wer länger wach ist, hat einen erhöhten Schlafdruck. Daher wird in der darauffolgenden Nacht meist länger geschlafen. Es verändert sich eventuell sogar die Schlafarchitektur. Ein anschließender Kompensationseffekt ist also möglich.

Viele Politiker sind in einem fortgeschrittenen Alter. Können sie schlechter mit dem Schlafentzug umgehen als ihre jüngeren Kollegen?

Da sehe ich keinen wesentlichen Unterschied. Entscheidend ist, ob jemand viel oder wenig Schlaf braucht. Das ist sehr individuell und nicht unbedingt vom Alter abhängig.

Mit Alfred Wiater sprach Lisa Schwesig

Quelle: n-tv.de