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Virologen nutzen Erfahrungen So funktioniert der Coronavirus-Schnelltest

Im Labor werden Proben untersucht. Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild

Christian Drosten entwickelte schon 2003 den Sars-Test.

(Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild)

Ist es der Erreger oder nicht? Das ist in Zeiten, in denen das Coronavirus grassiert, eine medizinische Frage, aber auch eine psychologische. Die Antwort verdanken viele Patienten weltweit Forschern der Berliner Charité.

Das neue Coronavirus verbreitet sich von China aus in der ganzen Welt. Um Verdachtsfälle von echten Erkrankungen zu unterscheiden, wird nicht nur in Deutschland ein Schnelltest verwendet, den Forscher an der Berliner Charité entwickelt haben.

Das Team um den Virologen Christian Drosten konnte dabei auf Daten zurückgreifen, die bei früheren Coronavirus-Infektionen gewonnen wurden. Diese Informationen beispielsweise über den Sars-Erreger von 2003, aber auch über verwandte Viren in Wildtieren bildeten die Grundlage für den Test. Auch für Sars hatten die Berliner bereits ein Nachweisverfahren entwickelt.

Drosten hatte bereits zwischen Weihnachten und Neujahr erste Informationen aus China bekommen, dass ein Sars-ähnliches Virus aufgetreten ist. Aus den wenigen Informationen entstand zunächst ein Computermodell. Als dann chinesische Wissenschaftler die erste Genom-Sequenz des neuen Virus öffentlich machten, arbeiteten die Berliner mit diesen Informationen weiter.

Weil sie wissen, wie sich "diese Virusdiversität aufspaltet", so Drosten, konnten sie schnell einen Test mit einiger Treffsicherheit herstellen. Getestet werden dabei Sekrete, die die Patienten abhusten. Möglich ist auch ein Rachenabstrich. Diese Proben werden unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen für biologische Stoffe der Kategorie B an ein Labor geschickt. Der Tupfer mit dem Abstrich kommt in ein Röhrchen, das Röhrchen wiederum kommt in ein zweites, mit saugfähigem Material ausgelegtes Gefäß, das dann für den Versand verpackt wird. Am besten wird das Material dabei gekühlt.

Härtetest in China

Das für den Test entscheidende Molekül verschickt die Charité mittlerweile in alle Welt. Das Verfahren selbst basiert auf einer sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Dabei wird ein DNA-Strang vervielfältigt, um das Erbgut des Virus nachzuweisen. Schon geringste Erregermengen sind so nachweisbar. Der eigentliche Testablauf dauert lediglich eineinhalb Stunden. Dass die Ergebnisse häufig erst später vorliegen, hängt mit den Transportzeiten zusammen. Alle Unikliniken in Deutschland können den Test inzwischen durchführen, damit liegt der Zeithorizont zwischen der Entnahme der Probe und dem Ergebnis bei etwa vier bis fünf Stunden.

Das Robert-Koch-Institut warnt, dass ein negatives Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion noch nicht vollständig ausschließt. Deshalb sollen bei dem starken Verdacht auf eine Erkrankung noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Falsche negative Ergebnisse können aber auch andere Ursachen haben. Die bayrische Staatsministerin für Gesundheit, Melanie Huml, nannte unter anderem eine schlechte Qualität der Proben oder einen ungünstigen Zeitpunkt für die Probenentnahme, den unsachgemäßen oder ungekühlten Transport und auch die mögliche Mutation des Virus.

Den Test der Charité erprobten auch die Wissenschaftler in China, berichtete Drosten im Deutschlandfunk. Sie berichteten, dass der gesuchte Erreger damit gut nachweisbar war. Der Virologe geht davon aus, dass der Schnelltest in Asien vor allem helfen kann, die Ausbreitung der Infektion zu verfolgen. In Europa dient er wahrscheinlich vor allem dazu, Verdachtsfälle ad acta zu legen und damit zur Beruhigung beizutragen.

Quelle: ntv.de, sba