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Schwerer Covid-Verlauf Studie findet Risikofaktoren für Kinder

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Jungen sind von schweren Verläufen häufiger betroffen.

(Foto: REUTERS)

Obwohl Kinder oft mildere Covid-19-Erkrankungen haben, gibt es auch bei ihnen immer wieder schwere Verläufe. Das kann die akute Krankheit nach der Corona-Infektion sein oder das multisystemische entzündliche Syndrom als Infektionsfolge. US-Forschende finden in einer Datenanalyse eindeutige Risikofaktoren für die schwereren Verläufe.

Zwar erkranken Kinder deutlich seltener an Covid-19, doch das heißt nicht, dass es in dieser Altersklasse gar keine schweren Erkrankungen gibt. Eine US-Studie hat nun Risikofaktoren gefunden, an denen sich bereits am Tag der Aufnahme im Krankenhaus vorhersagen lässt, ob ein Kind einen schweren Covid-19-Verlauf haben wird. Die Studie wurde in JAMA Network Open publiziert.

Die Daten stammen von 167.262 Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen der National Covid Cohort Collaborative (N3C) bis September 2021 positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Unter den 6- bis 16-Jährigen waren etwa gleich viel Mädchen und Jungen. Davon wurden insgesamt 10.245 Kinder (6,1 Prozent) zur Behandlung in ein Krankenhaus aufgenommen. 1423 von ihnen erfüllten die Kriterien für eine schwere Erkrankung. Sie benötigten eine mechanische Beatmung (7,8 Prozent), Unterstützung durch Blutdruck- oder Herzmedikamente (8,5 Prozent) oder eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO, 0,4 Prozent). 1,3 Prozent der Kinder starben.

Der Kinderintensivmediziner Blake Martin von der Medizinischen Fakultät der Universität von Colorado und sein Team berichten, dass sich aus den Daten verschiedene Risikofaktoren für eine schwerere Erkrankung ablesen ließen. Darunter befanden sich männliches Geschlecht, afroamerikanische Ethnizität, Adipositas und verschiedene Unterkategorien komplexer chronischer Erkrankungen wie Asthma oder Diabetes Typ 1 und 2. Auch die Vitalzeichen und mehrere Laborwerte vom Tag der Krankenhausaufnahme erwiesen sich als signifikant für die maximale Erkrankungsschwere, schreiben sie weiter. Dies betrifft unter anderem niedrigeren Blutdruck, schlechtere Sauerstoffsättigung, höhere Herz- und Atemfrequenz oder Entzündungsparameter.

Risikokinder schneller identifizieren

In der untersuchten Gruppe waren 707 Kinder mit Multisystementzündungssyndrom (MIS-C oder Pims), von denen 261 (36,9 Prozent) die Kriterien für eine schwere Erkrankung erfüllten. Ein Multisystementzündungssyndrom entwickelten vorwiegend Jungen, Kinder mit afroamerikanischer Ethnizität, Kinder unter 12 Jahren und Kinder mit Adipositas. Bei Kindern ohne komplexe chronische Erkrankung war das Risiko hingegen reduziert. Kinder mit MIS-C wiesen ein stärker inflammatorisches Laborprofil und einen schwereren klinischen Phänotyp auf als Kinder mit akuter Covid-19-Erkrankung. Kinder mit MIS-C wurden außerdem deutlich häufiger invasiv beatmet (16,5 vs. 6,2 Prozent) und brauchten häufiger intensivmedizinische medikamentöse Unterstützung (27,0 vs. 5,2 Prozent).

Ein Vergleich von Kindern, die vor oder nach Aufkommen der Delta-Variante erkrankten, ergab keine erheblichen Veränderungen bei der Hospitalisierungsrate (6,2 vs. 6,0 Prozent). Das Risiko einer schweren Erkrankung war jedoch in der Delta-Welle deutlich niedriger (10,3 statt 14,6 Prozent). Die Autorinnen und Autoren gehen aufgrund ihrer Studienergebnisse davon aus, dass "es mittels leicht verfügbarer Daten vom Tag der Aufnahme möglich ist, Kinder mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf zu identifizieren".

Quelle: ntv.de, sba

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