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Hilfe bei schwerster Depression Tiefe Hirnstimulation wirkt auch langfristig

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Menschen mit schwerster Depression haben Schwierigkeiten mit den alltäglichen Dingen des Lebens.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn nichts mehr geht: Eine schwere Depression ist ein echter Ausnahmezustand. Bei einigen Patienten helfen auch herkömmliche Therapien nicht. Forscher probieren Neues - mit Erfolg.

Menschen mit schweren Depressionen haben das Gefühl innerer Leere. Nichts hat mehr Sinn. Sie können sich nur schwer selbst versorgen und selbst der Gang zum Therapeuten nutzt manchmal nichts. Um auch diesen Patienten zu helfen, haben Forscher des Universitätsklinikums Freiburg getestet, wie die sogenannte Tiefe Hirnstimulation bei diesen Patienten wirkt und wie lange diese Wirkung anhält. Die Tiefe Hirnstimulation ist ein auf leichten elektrischen Reizen basierendes Verfahren, mit dem präzise ausgewählte Bereiche des Gehirns beeinflusst werden können.

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Das Bild zeigt die Stimulation des Gehirns im Bereich, der mit der Wahrnehmung von Freude assoziiert wird.

(Foto: Universitätsklinikum Freiburg)

"Der größte Teil der Patienten spricht auf die Therapie an. Einzigartig ist, dass sie dies auch dauerhaft tun. Andere Therapieformen verlieren oft im Laufe der Zeit ihre Wirksamkeit. Damit ist die Tiefe Hirnstimulation ein vielversprechender Ansatz für Menschen mit bisher nicht behandelbarer Depression", sagt Thomas Schläpfer, Leiter der Abteilung für Interventionelle Biologische Psychiatrie am Universitätsklinikums Freiburg.

Wenn nichts mehr hilft

Das Verfahren wurde bei insgesamt acht Patienten angewendet. Diese litten zwischen drei und elf Jahren durchgehend unter schwerster Depression, bei der weder medikamentöse noch psychotherapeutische Behandlungen Besserungen brachten. Selbst die sogenannte Elektrokrampftherapie, ein Stimulationsverfahren unter Kurznarkose, konnte diesen Patienten nicht helfen.

Symptome einer Depression

Bei depressiven Menschen können sowohl körperliche Veränderungen als auch Verhaltensauffälligkeiten auftreten. Dazu gehören laut der Deutschen Depressionshilfe:

- Schlafstörungen
- Appetitminderung
- Verminderte Konzentration/Aufmerksamkeit
- Suizidgedanken/-handlungen
- Vermindertes Selbstwertgefühl/-vertrauen
- Pessimistische Zukunftsperspektiven
- Schuld-/Minderwertigkeitsgefühle

Für die Studie der Freiburger Wissenschaftler wurde den Patienten eine hauchdünne Elektrode implantiert. Mit dieser wurde ein Hirnbereich stimuliert, der für die Wahrnehmung von Freude beteiligt und damit für Lebensqualität und Motivation von Bedeutung ist. Die Untersuchung wurde über einen Zeitraum von vier Jahren durchgeführt.

Ob die Therapie wirkt, untersuchten die Forscher monatlich mit dem anerkannten Montgomery-Asberg Rating Scale (MARDS) und stellten fest, dass der Wert bereits im ersten Monat von 30 Punkten auf 12 sank. Bis zum Ende der Untersuchung nahm der Wert noch leicht ab. Vier der acht Probanden unterschritten den MARDS-Wert von 10 Punkten während der Behandlung sogar. Ab 10 Punkten wird mit Hilfe von MARDS eine Depression diagnostiziert. Insgesamt konnte sieben der acht Probanden mit tiefer Hirnstimulation geholfen werden.

Nebenwirkungen ausgeräumt

Am Anfang der Behandlung auftretende Nebenwirkungen, wie Doppelbilder oder verschwommenes Sehen, konnten im Therapieverlauf durch eine verminderte Stimulationsstärke behoben werden, so dass der antidepressive Effekt erhalten blieb.

Um die Wirkung Tiefer Hirnstimulation zu bestätigen, wird in Freiburg mit 50 Patienten bereits weiter geforscht. Die Untersuchung, die fünf Jahre dauert, soll die Möglichkeit einer europäischen Registrierung des Therapieverfahrens eröffnen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Science Direct".

Quelle: n-tv.de, jaz

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