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Enormer Wachstumsschub Was ließ Wale so riesig werden?

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Blauwal (Balaenoptera musculus) vor einem Expeditionsschiff.

imago/Nature Picture Library

Einige Walarten wie Blau- und andere Bartenwale haben ihre Größe erst vor zwei bis drei Millionen Jahren mehr als verdoppelt, so eine Studie. Ursache soll eine deutliche Abkühlung des Klimas gewesen sein. Wie hängt das zusammen?

Blauwale und andere Bartenwale sind erst vor zwei bis drei Millionen Jahren so riesig geworden, wie sie heute sind. Das berichten US-Forscher nach der Analyse von Walfossilien. Nicholas Pyenson vom National Museum of Natural History in Washington und seine Kollegen vermuten kaltes, nährstoffreiches Wasser als Grund für das enorme Wachstum. Durch dieses Wasser hätten sich kleine Krebse (Krill) an einigen Stellen so stark vermehrt, dass die Meeresgiganten evolutionäre Vorteile gehabt hätten, schreiben die Forscher im Fachjournal "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Blauwale sind die größten Tiere, die jemals auf der Erde gelebt haben. Selbst die größten Dinosaurier reichen zwar mit ihrer Länge von über 30 Metern an sie heran, nicht aber mit ihrem Gewicht. Bartenwale filtern mit ihren Barten Krill aus dem Wasser. Es ist bekannt, dass einige Arten bereits vor 30 Millionen Jahren lebten. Doch wann und weshalb die Tiere so groß wurden, war unter Meeresbiologen umstritten. Vermutet wurden unter anderem Meeresströmungen um die Antarktis oder das Auftreten größerer Räuber, etwa bestimmter Haiarten.

Mehrere Walarten wurden unabhängig voneinander so groß

Pyenson nutzte den Umstand, dass sein Museum die weltweit größte Sammlung an Walknochen lebender und ausgestorbener Arten beherbergt. Er fand 2011 heraus, dass die Größe der Jochbeinknochen von Walschädeln ein guter Hinweis auf die Größe des gesamten Tiers ist. Auf dieser Basis erstellten die Forscher eine Übersicht, wie groß die verschiedenen ausgestorbenen Arten waren. Dabei stellten sie zum einen fest, dass das enorme Größenwachstum erst vor zwei bis drei Millionen Jahren eingesetzt hat. Bis dahin waren die größten Meeressäuger gerade einmal zwölf Meter lang. Zum anderen wurden mehrere Walarten unabhängig voneinander so groß.

Das Team vermutet, dass sich die Nahrungssituation in den Meeren zu Beginn des Pleistozäns vor rund 2,6 Millionen entscheidend veränderte. Die Vereisung der Arktis habe im Sommer zu nährstoffreichem Schmelzwasser geführt, zudem kann kaltes Wasser mehr Sauerstoff aufnehmen als warmes. In der Folge hätten sich an manchen Küsten Krill und Plankton stark vermehrt und die Nahrungsgrundlage für die Bartenwale gebildet.

Günstigeres Verhältnis von Stoffwechsel und Masse

Größere Wale hätten ein günstigeres Verhältnis von Stoffwechsel und Masse als kleinere Wale, auch bei der Nahrungsaufnahme und beim Zurücklegen weiter Strecken hätten sie Vorteile, argumentieren die Forscher. "Unsere Forschung gibt Aufschluss darüber, weshalb die Ozeane und das heutige Klima die massivsten Wirbeltiere der Erde ernähren können", wird Pyenson in einer Mitteilung seines Museums zitiert. Daraus ergibt sich für ihn allerdings die Frage, ob angesichts der schnellen Veränderungen der Ozean die Fähigkeit hat, die weltweit größten Wale weiter zu erhalten.

Krill-Forscherin Lavinia Suberg vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven geht davon aus, dass die Erwärmung der Erde einen "extremen Effekt auf das Ökosystem" und die Menge des Krills haben wird. Die Krill-Larven seien in besonderem Maße auf das Meereis angewiesen: Es sei für sie eine Schutzzone vor Fressfeinden. Auch ernährten sie sich von Algen, die unter dem Eis eingeschlossen sind.

Für die Antarktis sei es sehr wahrscheinlich, dass mit dem Meereis auch die Krill-Biomasse zurückgehen wird, sagt Suberg. Allerdings nähmen Meeresbiologen an, dass Wale auf andere Nahrungsquellen ausweichen könnten.

Quelle: n-tv.de, Stefan Parsch, dpa

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