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Auffälligkeiten bei Mädchen Wie sich Triple-X auswirken kann

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Manche Mädchen werden wegen ihrer überdurchschnittlichen Körpergröße gemobbt.

(Foto: imago/photothek)

Triple X heißt ein bekannter Actionfilm. Genauso wird aber auch das Syndrom bezeichnet, bei dem Mädchen und junge Frauen ein drittes X-Chromosom in ihren Erbinformationen tragen. Wozu das führen kann, untersuchen Forscher mit Fragebögen.

Mädchen haben zwei X-Chromosomen und Jungen eine Kombination aus X und Y, so die Theorie. In der Realität allerdings sieht das manchmal anders aus. In Deutschland tragen rund 60.000 aller Mädchen und Frauen die sogenannte Triple-X-Variante in sich. Das bedeutet, sie kommen mit drei X-Chromosomen auf die Welt. Diese Besonderheit ist mit einer Häufigkeit von ungefähr 1:1000 die verbreitetste Chromosomenverteilungsstörung des weiblichen Geschlechts.

Das auch als Trisomie X bezeichnete Syndrom hat im Vergleich zu anderen Chromosomen-Verteilungsstörungen wie beispielsweise Trisomie 21 keine gravierenden Auswirkungen. Viele der Mädchen und Frauen werden allerdings überdurchschnittlich groß. Das Erscheinungsbild von Triple X ist variabel und hat sehr unterschiedliche Ausprägungen. Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie ein drittes X-Chromosom in sich tragen.

Dennoch berichten Eltern beispielsweise von Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme ihrer Töchter in der Schule. Das führe wiederum zu psychosozialem Stress bis hin zum Mobbing durch Mitschülerinnen. Manche Mädchen verweigerten daraufhin den Schulbesuch. Um zu testen, ob und wie sich Triple X auf das soziale Leben und die Psyche von Betroffenen auswirkt, konnte ein Forscherteam um Professor Jobst Meyer vom Institut für Psychobiologie 72 Mädchen und Frauen mit Triple X aus drei verschiedenen Altersgruppen und eine vergleichbare Kontrollgruppe mit 69 Personen gewinnen.

Mehr Probleme in der Schule

Die Probandinnen im Alter zwischen 4 und 7 Jahren, 8 bis 17 Jahren und älter bekamen die Aufgabe, psychologische und verhaltensbezogene Fragen zu beantworten. Die Forscher konnten bei der Auswertung sehen, dass sich bei ungefähr der Hälfte der befragten Triple-X-Trägerinnen keine messbaren Verhaltensauffälligkeiten oder Störungen zeigen. Beim Rest der Befragten allerdings waren Unterschiede zur Kontrollgruppe zu sehen.

Bei den jüngeren Probandinnen der Triple-X-Gruppe maßen die Forscher vor allem Aufmerksamkeitsprobleme und Lernschwierigkeiten. Zudem wurde ein niedrigeres allgemeines Selbstwertgefühl besonders in Bezug auf Schule und Familie, eine höhere Empfindlichkeit und Probleme im Sozial- und Beziehungsverhalten festgestellt.

Die Ergebnisse zeigen, dass ein großer Teil der Triple-X-Trägerinnen im täglichen Leben durchaus durch allgemeine körperliche und psychische Symptome beeinträchtigt ist. Für Eltern und behandelnde Ärzte könnten die aktuellen Befunde der Studie hilfreich sein, um die betroffenen Mädchen und Frauen besser einschätzen oder sogar behandeln zu können. Auch für Betroffene selbst könnte es wichtig sein, die Ursache für bestimmte Dinge mit der Chromosomenbesonderheit in Zusammenhang zu bringen.

Für die Zukunft wird erwartet, dass es mehr Eltern geben wird, die noch vor der Geburt ihres Kindes wissen, dass ihr Mädchen mit Triple X zur Welt kommt. Der immer öfter durchgeführte nichtinvasive Pränataltest aus mütterlichem Blut, kurz NIPT, kann den Befund dafür liefern. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift "American Journal of Medical Genetics".

Triple X wird übrigens nicht weitervererbt. Weitere Informationen finden Interessierte hier.

Quelle: n-tv.de

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