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Nicht alle Präparate helfen Johanniskraut gegen das Stimmungstief?

Johanniskraut kann die Wirksamkeit einer Krebstherapie beeinträchtigen. Foto: Andreas Hummel

Wie Johanniskraut wirkt, ist bislang ungeklärt.

(Foto: dpa)

Der Herbst ist da. Und mit ihm sinkt bei manchem die Stimmung in den Keller. Gegen vorübergehende depressive Verstimmungen oder leichte bis mittelschwere depressive Phasen hilft Johanniskraut. Doch nicht jedes Präparat ist zur Selbstmedikation geeignet.

Besonders in Herbst und Winter stecken viele Menschen im Stimmungstief. So mancher hat auch ganzjährig immer wieder mit einer Depression zu kämpfen. Hierbei handelt es sich um eine weit verbreitete psychische Störung, die durch Traurigkeit, Interesselosigkeit und Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühle und geringes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen gekennzeichnet sein kann. Milde Formen können ohne Medikamente, mittlere bis schwere Fälle müssen jedoch medikamentös beziehungsweise durch professionelle Gesprächstherapie behandelt werden.

Aber auch die leichte bis mittelschwere Form sollte unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden. Ansonsten kann neben viel Bewegung an der frischen Luft auch ein seit Jahrhunderten bewährtes Heilmittel aus der Natur helfen: das Johanniskraut. Wobei trotz intensiver Anwendung und Forschung bisher noch unklar ist, wie das Kraut genau wirkt. Vermutet wird, dass entsprechende Präparate einen positiven Einfluss auf die Neurotransmitter des Gehirns wie Serotonin, Dopamin und Gaba haben.

Klar anhand von Studien belegt ist hingegen, dass Johanniskraut tatsächlich die Stimmung aufhellen kann - bei vergleichbar leichten Nebenwirkungen wie Sonnenempfindlichkeit oder Magen-Darm-Beschwerden. Bei entsprechenden Präparaten sollten unbedingt die im Beipackzettel benannten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden - so zum Beispiel, dass unter der Verwendung von Johanniskraut die Antibabypille nicht mehr zuverlässig wirken kann.

Nur apothekenpflichtige Präparate geeignet

Die Stiftung Warentest hat 18 Präparate untersucht. Fazit: Auf die Herstellung kommt es an. "Die apothekenpflichtigen Mittel sind ausreichend hoch dosiert", erklärt Redakteurin Swantje Waterstraat von der Stiftung Warentest. Sie erklärt auch, warum: "Diese Mittel enthalten Trockenextrakte. Ein Lösemittel zieht die Wirkstoffe aus der Pflanze und wird danach entfernt. Dadurch sind die Wirkstoffe deutlich höher konzentriert als in frei verkäuflichen Mitteln wie Dragees mit Johanniskrautpulver, Tee oder Saft."

Darüber hinaus können entsprechend positive Ergebnisse nur dann erzielt werden, wenn Johanniskraut-Extrakt in der richtigen Form, Dosierung und auch ausreichend lange eingenommen wird. In Untersuchungen hat sich die Einnahme ab einer Menge von 500 bis 1000 Milligramm täglich, mindestens über 6 Wochen, besser aber über einige Monate, bewährt. Die Wirkung setzt oft erst nach einigen Wochen ein. Bessert sich die Stimmung in dieser Zeit nicht oder verschlechtert sie sich sogar, sollten Betroffene unbedingt ärztlichen Rat einholen.

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Die Mittel im Test wurden auch auf Pflanzengifte untersucht, die durch mitgeerntete, ähnlich aussehende Beikräuter in die Arzneien geraten können. Die zehn apothekenpflichtigen und empfehlenswerten Produkte waren allesamt nur gering oder sehr gering belastet. Als da unter anderem wären:

"Jarsin Rx 300 mg" (circa 31 Euro pro 100 Stück), "Neuroplant" (57 Euro), "Laif 900" (59 Euro) - alle drei Präparate sind rezeptpflichtig und können auf Kosten der Krankenkasse verschrieben werden. Aus eigener Tasche müssen hingegen die nur apothekenpflichtigen Produkte "Laif 900 Balance" (rund 60 Euro pro 100 Stück), "Neuroplant Aktiv (57 Euro), "Felis 425" (circa 28 Euro) und "Hyperforat 250 mg (circa 26 Euro) bezahlt werden.

Quelle: ntv.de, awi