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Urteil zu Covid-Storno Volle Erstattung auch ohne Reisewarnung

Anstatt eine Pauschalreise zu stornieren, können Urlauber sie auch auf eine andere Person übertragen - jedoch nur wenn die Option «Namensänderung» besteht. Foto: Julian Stratenschulte

Für deutsche Reiseveranstalter ist eine Reisewarnung bindend.

(Foto: dpa)

Das Coronavirus hat vielen einen Strich durch die Urlaubsplanung gemacht. Kostenlos stornieren kann man eine Reise, wenn diese wegen außergewöhnlicher Umstände beeinträchtigt sein könnte. Und dazu bedarf es nicht zwingend einer Reisewarnung, wie ein aktuelles Urteil zeigt.

Bei einer vom Kunden wegen der Corona-Gefahr stornierten Reise muss der Veranstalter unter Umständen auch ohne vorliegende Reisewarnung den Preis voll erstatten. Das hat das Amtsgericht Frankfurt in einem nun veröffentlichten Urteil (Az.: 32 C 2136/20) entschieden. Der Kläger hatte am 7. März von sich aus eine für Mitte April geplante Reise an den Golf von Neapel storniert. Der Veranstalter hatte auf einem Teil des Reisepreises als Stornierungsgebühr bestanden, weil zu diesem Zeitpunkt noch keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes (AA) vorgelegen habe.

Das Gericht stellte aber geringere Ansprüche an einen Rücktritt vom Reisevertrag aus unvermeidbaren und außergewöhnlichen Umständen, bei denen der Veranstalter voll erstatten muss. Grundsätzlich seien hier keine allzu strengen Anforderungen zu stellen, führte das Gericht aus. Reisewarnungen für das Reisegebiet seien nicht zwingend erforderlich und es genüge bereits eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine gesundheitsgefährdende Ausbreitung des Virus. Dies sei zum Zeitpunkt der Reisestornierung bereits für ganz Italien der Fall gewesen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Reisewarnung ist kein Verbot

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Grundsätzlich handelt es sich bei einer Reisewarnung um eine Empfehlung des AA - sie ist aber "kein Reiseverbot", wie Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg klarstellt. "Wenn ich trotzdem in das Land reisen will, kann ich das machen." Möglich ist das für Individualreisende, die alle Bausteine einer solchen Reise wie Flüge und Unterkünfte selbst buchen. Pauschalurlaub bieten Reiseveranstalter für Länder mit Reisewarnung dagegen meist nicht an. Für deutsche Reiseveranstalter ist eine Reisewarnung bindend. Sie sagen Pauschalreisen ab, sobald das AA diese für ein Land ausspricht.

Wenn am Reiseort oder in unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände eintreten, sodass eine Reise dorthin erheblich beeinträchtigt ist, dann können Urlauber die Reise dorthin in der Regel kostenfrei stornieren. Unvermeidbar und außergewöhnlich sind die Umstände, wenn sie nicht der Kontrolle des Reisenden unterliegen und sich die Folgen auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Vorkehrungen getroffen worden wären. Das gilt für Buchungen nach deutschem Recht - für Buchungen bei einem ausländischen Anbieter kann dagegen das Recht des dortigen Landes gelten.

Quelle: ntv.de, awi/dpa