Ratgeber

Konto für Selbstständige Wertvolle Hilfe für wertvolle Kunden

imago78479764h (1).jpg

Aus Sicht der FMH-Finanzberatung sollten Geschäftskonten standardmäßig mit einer GiroCard und Kreditkarte ausgestattet sein.

(Foto: imago/photothek)

Geschäftskonten können heute deutlich mehr als nur Zahlungsein- und ausgänge abbilden. Die dazugehörigen Apps helfen auch bei der Buchführung und vermeiden Stress mit dem Finanzamt.

Der Wettbewerb um private Girokunden ist in den vergangenen Jahren deutlich abgeflacht: Seit nahezu jede Bank stattliche Gebühren verlangt, sparen sich Verbraucher oft den aufwendigen Kontowechsel und zahlen zähneknirschend.

Anders sieht es bei Selbstständigen und Kleinunternehmern aus. Sie avancieren immer mehr zur begehrten Zielgruppe von Banken. Entsprechend vielfältig sind die Angebote, mit denen die Geldhäuser sie umwerben.

Die Crux mit der Steuer

Kleinunternehmer haben - um Vergleich zu Großkonzernen - ganz andere Bedürfnisse an ihre Kontoführung. Statt eine professionelle Abteilung nur mit der Buchhaltung zu beschäftigen, kümmert sich hier noch der Chef persönlich ums Geld. Das kann ein großer Vorteil sein, verursacht aber auch Probleme. Vor allem Jungunternehmer haben oft noch nicht die Fachkenntnisse und das Gespür dafür, welchen Anteil ihrer hart erarbeiteten Gewinne sie ans Finanzamt abführen müssen - und bilden keine oder zu geringe Rücklagen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Nicht wenige frischgebackene Unternehmen sind schon in bedrohliche Schieflagen geraten, weil der Fiskus irgendwann die (Umsatz-)Steuer für mehrere Jahre eingefordert hat und es an den Mitteln fehlte, die Steuerschuld zu begleichen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wohl auch um Selbstständigen solche Erfahrungen zu ersparen, hat die Finanzverwaltung inzwischen ihre Anforderungen an eine IT-gestützte Buchführung niedergelegt und 2014 erstmals die "Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD)" veröffentlicht. Für 2020 ist eine weitreichende Reform geplant, die erste Version war zwischenzeitlich bereits auf der Seite des BMF zu lesen.

Zwar wurde die Veröffentlichung bis auf Weiteres wieder zurückgezogen. Fintech-Unternehmen, aber auch Geschäftsbanken haben die Entwicklungen allerdings im Blick und bieten ihren Geschäftskunden immer neue Apps an, die bei der Umsetzung der (jeweils aktuellen) Regeln helfen. Doch nicht alle Angebote sind gleichermaßen empfehlenswert. Die FMH-Finanzberatung hat verschiedene Geschäftsgiro-Apps untersucht und bemerkenswerte Unterschiede festgestellt.

Klare Trennung ist zu empfehlen

Während die meisten Anbieter zwischen reinen Geschäfts- beziehungsweise Privatkonten unterscheiden, gibt es durchaus auch Banken, die eine Vermischung beider Bereiche am Anfang einer Geschäftstätigkeit zulassen. Solche geduldete Kombi-Konten bieten zwar die Möglichkeit, private und geschäftliche Vorgänge kenntlich zu machen. Wesentlich sinnvoller ist jedoch die vollständige Trennung des Geschäfts- vom Privatkonto - nicht nur für den eigenen Überblick, sondern auch für das Finanzamt.

Bei Bedarf können Selbstständige ja trotzdem eine "Privatentnahme" vom Geschäftskonto aufs Privatkonto vornehmen. Alles in allem aber ist eine solche Herangehensweise für alle Beteiligten deutlich klarer als die Vermischung von Geschäft und Privatleben.

Kreditkarten mit Sofortkasse

Aus Sicht der FMH-Finanzberatung sollten Geschäftskonten zudem standardmäßig mit einer GiroCard und Kreditkarte ausgestattet sein. Auch Selbstständige müssen schließlich Rechnungen und Einkäufe bezahlen und wollen dabei nicht auf den gewohnten Komfort verzichten. Diese Anforderung wird auch in den meisten Fällen erfüllt.

Auffallend ist allerdings, dass Kreditkarten bei den App-Geschäftskonten meist als reine Debitkarten ausgestaltet sind. Damit entfällt der sonst übliche komfortable Zahlungsaufschub von bis zu einem Monat; das Geschäftskonto wird sofort belastet. Einerseits ist das durchaus sinnvoll, da die sofortige Abbuchung einen Finanzüberblick in Echtzeit ermöglich. Nachteilig an dieser Ausgestaltung ist, dass reine Debitkarten nicht von jedem Hotel oder Mietwagenanbieter akzeptiert werden, weil sie die Bezahlung am Fälligkeitstag nicht garantieren, wie es klassische Kreditkarten das tun.

Kosten variieren deutlich

Massive Unterschiede zwischen den Anbietern gibt es bei den Kosten für die Kontoführung und bei der Sicherheit. Während etwa N26, FYRST Base oder Penta Basic ganz ohne Kontoführungsgebühren auskommen, fällt beim Penta Premium Konto eine jährliche Geschäftsgebühr von Sage und Schreibe 228 Euro an.

Unerfreulich ist auch eine Besonderheit bei Holvi Builder. Während FYRST sogar eine Einlagensicherung von mehr als 100.000 Euro garantiert, gibt es bei Holvi überhaupt keine Einlagensicherung. Das Konto ist als reines Zahlungskonto ausgestaltet, Einlagen werden als getrennte Kundengelder geführt. Immerhin weist das Institut auf diesen Nachteil ausdrücklich, wenn auch etwas versteckt, auf seiner Website hin.

Eine Übersicht, was welche Apps besonders gut können, finden Sie auf der FMH-Seite.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema