Ratgeber

Was ändert sich 2020 ... ... bei Ernährung und Gesundheit?

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Ab nächstem Jahr können Ärzte ihren Patienten Rezepte für Gesundheits-Apps verschreiben.

(Foto: imago images/epd)

Die Zukunft bleibt ungewiss. So viel ist sicher. Abgesehen davon stehen aber auch im neuen Jahr viele Neuerungen und Gesetze an. Diese Änderungen werden rund um die Themen Ernährung und Gesundheit wichtig, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen informiert.

Wiederholungsverordnung für Arzneien

Asthma, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes mellitus: Ab 2020 haben chronisch Kranke die Möglichkeit, Rezepte für benötigte Arzneimittel im Rahmen einer wiederholten Verordnung zu bekommen. Ärzte können auf dem Rezept vermerken, ob und wie oft das verordnete Medikament auf dieselbe Verschreibung wiederholt abgegeben werden darf. Pro Rezept sind nach der Erstausgabe maximal drei weitere "Lieferungen" durch den Apotheker möglich. Auch muss der Arzt angeben, wie lange das Folgerezept nach der Erstausgabe gültig ist. Fehlt diese Angabe, bleibt die Verschreibung drei Monate gültig. Das Arzneimittel ist jeweils in der gleichen Packungsgröße abzugeben. Tierarzneimittel sind von der Neuregelung ausgenommen.

Als chronisch krank gilt, wer mindestens einen Arztbesuch pro Quartal wegen derselben Krankheit wenigstens ein Jahr lang nachweisen kann und zusätzlich eines der folgenden Kriterien erfüllt:

  • entweder Pflegebedürftigkeit des Pflegegrades 3, 4 oder 5 oder aber ein Grad der Behinderung beziehungsweise eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 60 Prozent
  • wenn eine kontinuierliche medizinische Versorgung benötigt wird, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die von der Krankheit verursachte Gesundheitsstörung zu erwarten ist.

Rezepte für Gesundheits-Apps

Mit Gesundheits-Apps hat man die Möglichkeit, beispielsweise ein Symptomtagebuch zu führen oder Verhaltensempfehlungen während der Schwangerschaft zu erhalten. Ab dem zweiten Quartal 2020 werden Ärzte voraussichtlich Rezepte für solche Apps ausstellen können. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen.

Bis zum 31. März muss die Kassenärztliche Bundesvereinigung dafür ein Sicherheitskonzept erarbeiten und dann zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Hersteller solcher Apps zertifizieren. CE-zertifiziert landen die geprüften Apps dann im Verzeichnis für Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA-Verzeichnis), in dem alle kassenpflichtigen Gesundheits-Apps gelistet werden. Zusätzlich muss das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die App nach Kriterien wie Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Qualität, Datensicherheit und Datenschutz und als Medizinprodukt geprüft haben.

Werden diese Anforderungen erfüllt, wird die App ein Jahr lang vorläufig von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet. In dieser Zeit muss der Hersteller beim BfArM nachweisen, dass seine App die Versorgung der Patienten verbessert. Wie viel Geld der Hersteller erhält, verhandelt er dann selbst mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung.

Mehr Sprechstunden für gesetzlich Versicherte

Um die teils monatelangen Wartezeiten auf einen Arztbesuch zu verkürzen, müssen niedergelassene Ärzte ab 1. Januar mehr Sprechstunden für Kassenpatienten anbieten - statt bisher 20 Stunden pro Woche sind es künftig mindestens 25.

Höherer Zuschuss für Zahnersatz

Ab Oktober übernehmen die Krankenkassen 60 Prozent der Regelversorgung als Festzuschuss für Brücken, Kronen und Prothesen. Wer mit dem Bonusheft den regelmäßigen Zahnarztbesuch und Vorsorge nachweist, kann ab dem letzten Quartal 2020 dann auf bis zu 75 Prozent als Festzuschuss rechnen (bei einem über fünf Jahre geführten Bonusheft 70, bei einem über zehn Jahre geführten 75 Prozent).

Masern-Impfpflicht

Lange wurde die Impfpflicht heiß diskutiert, nun ist sie ab 1. März Pflicht: Eltern müssen nachweisen, dass ihr Kind gegen Masern geimpft ist, bevor es in eine Kita, Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtung aufgenommen wird. Die beiden von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen Masern-Impfungen (die erste im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten) sind hierbei Pflicht.

Auch alle Mitarbeiter dieser Einrichtungen - also etwa Erzieher und Lehrer - sowie Tagesmütter, die nach 1970 geboren sind, müssen ab März gegen Masern geimpft sein. Im Masernschutzgesetz hat der Gesetzgeber die Impfpflicht zudem für Bewohner wie Beschäftigte in Asylbewerber- und Flüchtlingsunterkünften sowie für Pflegekräfte festgeschrieben. Nicht geimpfte Kinder dürfen nicht in Kitas aufgenommen werden, ungeimpftes Personal darf nicht in Gemeinschafts- oder Gesundheitseinrichtungen tätig sein.

Eltern, deren Kinder vor dem 1. März bereits in der Schule sind oder eine Kita besuchen, müssen die Impfung bis spätestens 31. Juli 2021 nachweisen. Diese Frist gilt auch für das Personal in diesen Einrichtungen. Laut Bundesgesundheitsministerium können die Impfungen mithilfe des Impfausweises nachgewiesen werden. Wer den nicht mehr findet oder unsicher ist, ob ausreichender Schutz besteht, kann sich an den ehemaligen Haus- oder Kinderarzt wenden. Patientenunterlagen müssen mindestens zehn Jahre lang aufbewahrt werden. Wer gar keine Unterlagen findet, kann den sogenannten Titer, also die Zahl der Antikörper, bestimmen lassen. Wurde die Krankheit schon einmal durchlitten, kann der Nachweis durch ein ärztliches Attest erfolgen.

Gegen Eltern, die ihre in Gemeinschaftseinrichtungen betreuten Kinder nicht impfen lassen sowie gegen nicht geimpfte Mitarbeiter in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen kann künftig ein Bußgeld in Höhe von bis zu 2500 Euro verhängt werden.

Verbot von Menthol-Zigaretten

Ab 20. Mai ist der Verkauf von Restbeständen mentholhaltiger Zigaretten verboten. Für sämtliche Produkte mit einem höheren Marktanteil als drei Prozent hatte die EU eine Auslaufphase bis 2020 festgelegt, damit Hersteller und Händler ihre Bestände verkaufen konnten.

Lebensmittel-Ampeln

Mit einem Nährwert-Logo in Ampelfarben können Lebensmittelhersteller ab 2020 freiwillig Auskunft geben, wie gesund das Fertiggericht ist. Der Nutri-Score signalisiert auf einer fünfstufigen Skala - vom grünen A bis zum roten E - wie der ernährungsphysiologische Wert eines Lebensmittels einzuordnen ist. Dabei steht das "A" in Grün für die günstigste und "E" in Rot für die ungünstigste Nährwertbilanz. Auf einen Blick wird dann auf der Verpackung zu erkennen sein, wie es um das Produkt bestellt ist.

Mit in die Nährwertbilanz einberechnet werden sowohl problematische Bestandteile wie Fett, gesättigte Fettsäuren, Salz, Zucker und der Energiegehalt als auch günstige Bestandteile wie Ballaststoffe, Proteine, Obst, Gemüse und Nüsse. Für die verschiedenen Inhaltsstoffe gibt es gewichtete Plus- und Minus-Punkte, die eine Gesamtpunktzahl ergeben. Die errechnete Punktzahl wird dann beim Nutri-Score in einen farblich unterlegten Buchstaben übersetzt.

Höherer Notdienstzuschlag bei Apotheken

Statt bisher 16 Cent sind ab 1. Januar dann 21 Cent pro rezeptpflichtigem Arzneimittel bei der Ausgabe im Rahmen der Notdienstzeiten (nachts, sonntags oder an Feiertagen) zu zahlen. Bei dokumentationspflichtigen Arzneimitteln wie beispielsweise Betäubungsmitteln erhöht sich der Zuschlag beim Notdienst von 2,91 Euro auf 4,26 Euro pro Abgabe.

Quelle: ntv.de, imi