Fußball

Die Lehren des siebten Spieltags Hoeneß verteidigt Kovac "bis aufs Blut"

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Die Krise weglächeln? Das gelingt Niko Kovac und Hasan Salihamidzic nicht so ganz.

(Foto: imago/Spöttel)

Stand jetzt ist Niko Kovac Trainer des FC Bayern. Und geht es nach Uli Hoeneß, bleibt er das trotz der Niederlage am siebten Spieltag der Fußball-Bundesliga. Und trotz der Krise. Indes sorgt Lucien Favre mit dem BVB für Furore, sogar Mario Götze trifft.

1. Beim FC Bayern regiert die Krise

Wie reagiert der FC Bayern darauf, dass die Mannschaft in der Fußball-Bundesliga zweimal hintereinander verloren hat und nach sieben Spieltagen nur auf Platz sechs der Tabelle steht? Trainer Niko Kovac sagt, er könne das nicht einschätzen. Er könne nicht beantworten, ob seine Chefs nach dem 0:3 (0:2) gegen Borussia Mönchengladbach nervös werden könnten. Und ob er sich gar Gedanken um seinen Job machen müsse. "Ich kenne die Mechanismen im Fußball und in der Bundesliga. Ich weiß, dass die Zeit bei Bayern München anders läuft." Er verweist auf die sieben Siege zu Saisonbeginn. "Wir haben gezeigt, dass wir es besser können. Das werden wir auch wieder tun. Und ich werde meinen Teil dazu beitragen."

Jetzt ist erst einmal Länderspielpause, die nächste Partie steht am Samstag, den 20. Oktober an. Dann spielen die Münchner (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) beim VfL Wolfsburg. Dann gilt es, den negativen Trend zu stoppen. Alles begann mit einem 1:1 gegen den FC Augsburg am sechsten Spieltag. Er folgte ein 0:2 bei der Hertha in Berlin und ein 1:1 in der Champions League gegen Ajax Amsterdam. Das macht vier Spiele ohne Sieg. Uli Hoeneß aber sagte dem "Kicker": "Bei uns herrscht die totale Ruhe." Der Präsident des FC Bayern hatte in der vergangenen Woche noch betont, am Ende sei es der Trainer, der dafür den Kopf hinhalten müsse, wenn er das Personal auf den Rasen so oft wechsle. Jetzt sagte er: "Ich werde Niko Kovac verteidigen bis aufs Blut." Er habe "nicht eine Sekunde daran gedacht", den Trainer zu beschädigen.

Der muss sich dennoch etwas einfallen lassen, hatten die Gladbacher doch völlig verdient gewonnen. Der Meister aus München spielte zu harmlos, ideenlos, zu langsam und zu selten direkt nach vorn. Das Team zeigte nicht annähernd das, was es kann. So schlecht wie in dieser Oktoberfest-Zeit punktete der Klub zuletzt im Jahr 2010 - da war Louis van Gal noch im Amt. Der Umschwung sollte also schnell kommen. Immerhin tauchte die Mannschaft mitsamt Trainer und Bossen beim obligatorischen Wiesnbesuch auf, obwohl den Bayern-Bossen in den sozialen Medien quasi sekündlich angedichtet wird, die Fühler nach Jupp Heynckes wieder ausgestreckt zu haben. Nun, der 73-Jährige genießt hoffentlich seinen wohlverdienten Ruhestand. Aber was machen eigentlich Ralph Hasenhüttl und Zinédine Zidane?

2. Der VfB sucht einen Trainer

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Das ist vorerst der Neue: Andreas Hinkel.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Für den Tabellenletzten aus Stuttgart dürften diese Namen etwas zu groß sein. Der "Kicker" tippt wie viele andere eher auf Markus Weinzierl. Sportvorstand Michael Reschke jedenfalls muss handeln, schließlich hat er Trainer Tayfun Korkut entlassen, die Bilanz sei "total enttäuschend". Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt der frühere Nationalspieler Andreas Hinkel, der bisher für die zweite Mannschaft zuständig war. Nun ist es nicht wirklich überraschend, dass Korkut der erste Trainer der Saison ist, der gehen muss. Schließlich stand er schon in der Kritik, bevor er im Januar den Job übernahm. Dann führte er das Team von Rang 14 auf Platz sieben, alles schien gut. Reschke hatte übrigens nach dem 1:3 in Hannover am Samstag noch behauptet, dass "sich die Trainerfrage nicht stellt". Beim Doppelpass von Sport1 gab er am Sonntag zu: "Dass wir uns da bereits verabredet haben, uns zusammenzusetzen, ist Fakt, das räume ich ein." Glatt gelogen also.

3. Favre hat seine Joker im Griff

Was für ein feines Näschen hat denn bitte Lucien Favre? Ja, es ist bekannt, dass der Schweizer ein guter Fußballlehrer ist. Das beweist er gerade bei seinem neuen Klub Borussia Dortmund auf exzellente Art und Weise. Fünf Punkte Vorsprung hat der BVB auf den FC Bayern, ist Tabellenführer. Und das, obwohl die Westfalen sowohl gegen Leverkusen am vergangenen Wochenende (4:2) als auch nun gegen den FC Augsburg (4:3) zunächst zurücklagen.

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Doch Favre hat eine absolute Waffe auf der Bank sitzen: FC-Barcelona-Leihe Paco Alcácer. Der Spanier spielte in der gesamten Saison erst 81 Minuten, traf in drei Spielen aber schon sechs Mal. Das hat in 56 Jahren Bundesliga noch niemand geschafft. Der 25-Jährige erfreut nicht nur damit, sondern auch mit folgender Aussage: "Ich fühle mich hier sehr wohl und kann mir vorstellen, über das Jahr hinaus in Dortmund zu bleiben." Und sogar der eher emotionslose Favre lobt: "Er spürt Fußball, ist sehr geschickt."

Hinzu kommt, dass Alcácer nicht der einzige Joker ist, den der BVB zu bieten hat: Von 29 Toren in zehn Pflichtspielen fielen zwölf durch Einwechselspieler. Wer auf diese Stärke bauen kann, dem ist es freilich fast egal, wenn in der ersten Halbzeit kein Treffer gelingt. Und wenn dann sogar Mario Götze einer von diesen Jokern ist, können wir doch schon von einem kitschigen Märchen sprechen - oder?

4. "Guter Spieltag für den Fußball"

Sehr viele Fußballfans und Verantwortliche von 16 Bundesliga-Klubs dürften Herthas Manager Michael Preetz zugestimmt haben. Der sagte am Samstagabend im ZDF: "Es ist ein guter Spieltag für den deutschen Fußball, weil Spannung an der Tabellenspitze ist und das haben wir lange nicht mehr gehabt." Recht hat er: Spannung herrschte zuletzt vor einem Jahr. Danach holte der FC Bayern Trainer-Altstar Heynckes zurück und zog von dannen. Ab dem zehnten Spieltag war der Meister nicht mehr einzuholen. Dabei hat die Bundesliga mehr zu bieten als nur dominante Bayern. In dieser Saison etwa gibt es pro Spiel deutlich mehr Tore als noch im vergangenen Jahr: Drei Treffer pro Spiel fielen bislang im Schnitt - zuvor waren es 2,79. Das spiegelt sich auch im Europapokal wider, wo die Bundesligisten die Fünfjahreswertung nach zwei Spieltagen anführen. Die sieben deutschen Vertreter holten neun Siege aus 14 Spielen - und der FC Bayern beteiligte sich daran nur mit einem Sieg, dem 2:0 gegen Benfica Lissabon.

5. Pizarros Aura beflügelt Werder

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Jungspund Claudio Pizarro.

(Foto: imago/Nordphoto)

Während Bremens Trainer Florian Kohfeldt am Tag des 2:0 gegen den VfL Wolfsburg seinen 36. Geburtstag feierte, ist sein ältester Spieler am Mittwoch 40 Jahre alt geworden. Man merkt es Claudio Pizarro nicht an. Der Peruaner macht einfach weiter. Kohfeldt lobte: "Claudio trifft nahezu immer die richtige Entscheidung. Er hat keine Fehler in der Ballbehandlung. Die jungen Spieler können davon unheimlich profitieren. Hinter ihm gehen dann Räume auf. Auch in der Kabine ist er super wichtig. Wenn man jemand wie Claudio einwechseln kann, dann ist das ein Privileg." Fast noch wichtiger als sein Spiel ist seine Aura, die seine Mitspieler offenbar zu Höchstleistungen beflügelt, sie denken lässt, mit ihm könne gar nichts schiefgehen. Eurosport-Experte Matthias Sammer schwärmte: "Man denkt, der ist 40 und bekommt ein Gnadenbrot. Das ist das blanke Gegenteil. Das war richtig gut und beweglich. Er hat die Mannschaft von hinten nach vorne getragen. Das war ganz stark." Genau 16 Heimspiele in Folge haben die Bremer nicht verloren. Nach "sechs Jahren Abstiegskampf", wie Kohfeldt sagte, steht nun der beste Saisonstart seit sieben Jahren zu Buche. Kohfeldts Fußball macht Spaß - mit Pizarro noch mehr.

6. Nürnberg ist die Schießbude der Liga

Aufsteiger 1. FC Nürnberg geht als Tabellenzwölfter in die Länderspielpause. Der Club hat acht Punkte auf dem Konto, zwei Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen. Recht solide eigentlich. Wären da nicht die 16 Gegentore. Nürnberg ist die Schießbude der Liga. Nach dem 0:7 in Dortmund hagelte es nun ein 0:6 bei RB Leipzig - und damit waren die Franken sogar noch gut bedient, die Klatsche hätte weit höher ausfallen können. "Das war ähnlich wie in Dortmund. Man darf nicht beim ersten gegnerischen Angriff ein Tor bekommen, zudem muss ein Torwart mal einen sehr guten Tag erwischen. Wir haben nichts von dem umgesetzt, was wir wollten und wurden wieder von eine Lawine überrannt", sagte Nürnbergs Sportvorstand Andreas Bornemann.

Nun gut, Dortmund und Leipzig belegen in der Tabelle die Plätze eins und zwei. Gegen gleichwertigere Gegner gab es auch bessere Ergebnisse, vor allem im heimischen Max-Morlock-Stadion. Dort können die Nürnberger mit den Gegnern mithalten, das beweisen das 2:0 gegen Hannover 96 sowie das 3:0 gegen Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf. Bliebe die Heimserie bestehen, wäre das ein Achtungserfolg - als nächstes kommt nämlich die TSG Hoffenheim nach Franken.

Quelle: n-tv.de

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