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Folge eines tödlichen Pilzes Amphibiensterben verursacht mehr Malaria-Fälle

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Der panamaische Goldfrosch gehört zu den Arten, deren Populationen durch den tödlichen Pilzerreger "Bd" zusammengebrochen sind.

(Foto: Brian Gratwicke, Wikimedia Commons)

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Seit Jahrzehnten rafft ein Pilz massenhaft Amphibien dahin. Das hat auch deutliche Folgen für Menschen: Einer Studie zufolge führt der Amphibienschwund in Mittelamerika zu einem drastischen Anstieg von Malaria-Erkrankungen bei Menschen.

Dutzende von Frosch-, Salamander- und anderen Amphibienarten verschwanden in den 1980er bis 2000er Jahren in Teilen Lateinamerikas. Der Rückgang dieser Spezies stört nicht nur das ökologische Gleichgewicht, sondern hat einer Studie zufolge auch direkte gesundheitliche Folgen für die Menschen in den Regionen: Wie ein Forschungsteam um Michael Springborn von der University of California in Davis in der Fachzeitschrift "Environmental Research Letters" berichtet, führte das Amphibiensterben in Costa Rica und Panama zu einem sprunghaften Anstieg der Malariafälle.

Von Anfang der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre verbreitete sich der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) in Costa Rica. Der Erreger greift die Haut von Amphibien an und beeinträchtigt damit deren biologische Funktion. Die durch den Pilz hervorgerufene Krankheit, Chytridiomykose, führt meist zum Tod der Amphibien. Von Costa Rica aus verbreitete sich der Pilz weiter und verursachte in den 2000er Jahren ein Massensterben von Amphibien auch im Nachbarland Panama. Weltweit führte der Krankheitserreger den Forschern zufolge zum Aussterben von mindestens 90 Amphibienarten und zum Rückgang von über 400 weiteren Arten.

Die Entwicklung in Mittelamerika zeigt dem Forschungsteam zufolge, dass die biologische Vielfalt eines Ökosystems auch für das Wohlergehen des Menschen wichtig sein kann. Denn nach dem Aussterben vieler Amphibien in Costa Rica und Panama erkrankten in beiden Ländern deutlich mehr Menschen an Malaria als sonst.

Lücke im Nahrungsnetz

Das Team um Springborn untersuchte einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Artenschwund und der Zunahme dieser Malariafälle. Dazu verglichen die Wissenschaftler Daten über das pilzbedingte Amphibiensterben mit Aufzeichnungen des öffentlichen Gesundheitswesens zu Malariafällen.

Ihre Ergebnisse zeigen dem Team zufolge einen klaren Zusammenhang zwischen Zeitpunkt und Ort der Ausbreitung des Pilzes sowie Zeitpunkt und Ort des Anstiegs der Malariafälle. Nachdem die Amphibienbestände in den untersuchten Regionen Costa Ricas und Panamas zurückgegangen waren, stieg die Zahl der Malaria-Erkrankungen in den folgenden Jahren drastisch: um 0,76 bis 1,1 Fälle pro 1000 Einwohnern. Zum Vergleich: In dieser Phase lag der Gesamtwert der Erkrankungen pro 1000 Einwohner in Costa Rica bei 1,5 und in Panama bei 1,1.

Diesen "substanziellen Anteil" erklären die Forscher damit, dass Amphibien eine tragende Rolle im Nahrungsnetz spielen, weil sie Moskitos fressen - darunter auch jene Arten, die Krankheiten wie Malaria auf den Menschen übertragen. So könne etwa eine Salamanderlarve pro Tag bis zu 400 Mückenlarven fressen, schreiben Springborn und Kollegen.

Ökologische Kettenreaktion

Das Amphibiensterben führt jedoch nicht nur zu mehr Malariafällen. Studien hatten bereits gezeigt, dass der Rückgang insbesondere von Froscharten auch Schlangenpopulationen in der Region drastisch dezimiert. Dadurch sind einer Studie zufolge bereits mindestens 30 Schlangenarten ausgestorben.

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Das zeigt den Forschern zufolge, wie wichtig der Schutz von Ökosystemen und der Erhalt der biologischen Vielfalt sind. Schon das Aussterben einer einzigen Tierart könne eine Kettenreaktion auslösen. "Stabile Ökosysteme stützen alle möglichen Aspekte des menschlichen Wohlbefindens, zum Beispiel die Regulierung von Prozessen, die wichtig zur Vorbeugung von Krankheiten sind", wird Springborn in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. "Wenn wir massive Störungen von Ökosystemen zulassen, kann das die menschliche Gesundheit substanziell auf eine Weise beeinflussen, die im Voraus schwer zu prognostizieren und nach dem Eintreten schwer zu kontrollieren ist."

Gleichzeitig warnen Springborn und Kollegen vor den Folgen, die der unregulierte internationale Handel mit Wildtieren bereithält. Krankheitserreger wie etwa der Pilz Bd könnten sich auf diese Weise weltweit verbreiten, das Aussterben von Tierarten begünstigen - und somit ungeahnte Konsequenzen für den Menschen haben.

Quelle: ntv.de, Luisa Heyer, dpa

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