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Zwischen Infektion und Tod Bei Covid-19 ist Phase 3 entscheidend

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Bei einem schweren Verlauf wird der Zustand der Patienten schnell kritisch.

(Foto: dpa)

Mehrere Wochen lang verbreitet sich das neue Coronavirus bereits weltweit. Es löst eine schwere Atemwegserkrankung aus. Wann es für Covid-19-Patienten kritisch ist, können Wissenschaftler inzwischen ziemlich genau sagen.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 löst beim Menschen Covid-19 aus, eine Atemwegserkrankung. Allerdings gibt es keinen typischen Krankheitsverlauf, der allgemeingültige Aussagen zulässt. "Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch, vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod", schreibt das Robert-Koch-Institut in seinem "Steckbrief". Inzwischen wird aber deutlich, wann es für Erkrankte kritisch werden kann. Um diesen Punkt leichter identifizieren zu können, teilen Mediziner die Zeit der Erkrankung in verschiedene Phasen ein.

In Phase eins kommt es zunächst zur Infektion mit dem Coronavirus. Der Hauptübertragungsweg für Sars-CoV-2 ist die Tröpfcheninfektion. Meist wird der Erreger eingeatmet und setzt sich dann in den Schleimhäuten der Atemwege fest. Die Viruszellen docken an menschliche Zellen an und beginnen sich dort zu vervielfältigen. In dieser Zeit sind die Infizierten zumeist noch völlig ohne Symptome. Das RKI geht davon aus, dass ein Coronavirus-Infizierter nach drei Tagen ansteckend ist. Internationale Studien nennen einen Wert von zweieinhalb bis vier Tagen.

Phase zwei beginnt meist fünf bis sechs Tage nach der Infektion. Die Zeitspanne kann aber auch nur einen und bis zu vierzehn Tage betragen. Nach Ablauf der Inkubationszeit entwickeln die Infizierten nun Krankheitssymptome. Am häufigsten treten dem RKI zufolge Husten (53 Prozent), Fieber (42 Prozent) und Schnupfen (23 Prozent) auf. Allerdings ist die Bandbreite möglicher Erkrankungszeichen sehr viel größer. Infizierte berichteten vom Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, von Durchfall und Übelkeit, grippeähnlichen Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen und von Luftnot. Manchmal sogar von Augenbeschwerden.

Eine große Gruppe der Corona-Infizierten bleibt jedoch ohne Symptome. Das ist vor allem für die Eindämmung der Pandemie schwierig, weil viele Menschen deshalb die Viren unbewusst weitertragen. Viele zunächst symptomfreie Patienten entwickelten später trotzdem noch Beschwerden. Inzwischen fallen in den Krankenhäusern zudem immer öfter Patienten auf, die Herzprobleme oder eher mit Diabetes verbundene Symptombilder haben, die sich dann aber als Covid-19-Erkrankung herausstellen.

Der Übergang zu Phase drei verläuft fließend. Das Immunsystem der Infizierten reagiert auf das Virus und bildet Antikörper. Ab etwa zwei Wochen nach Erkrankungsbeginn ist das sogenannte Immunglobulin A (IgA), nach etwa drei Wochen das Immunglobulin G (IgG) nachweisbar. Für das Erkennen von Covid-19-Infizierten sind diese Tests deshalb ungeeignet. Bei Infizierten, bei denen die Krankheit einen milden Verlauf nimmt, bessert sich in dieser Phase der Zustand bereits wieder.

Diejenigen, die sehr schwer erkranken, gelangen in Phase drei dagegen an einen Scheideweg. Ihr Immunsystem hat nicht verhindern können, dass das Virus sich in der Lunge ungehindert vermehrt. Zahlen chinesischer Forscher legen nahe, dass die Patienten, die eine Lungenentzündung entwickeln, dies innerhalb von zwei bis sieben Tagen tun. Auch dabei gibt es noch leichtere Verläufe. Wer ins Krankenhaus muss, entscheidet sich zumeist innerhalb der ersten vier Tage nach Auftreten der Symptome. In Deutschland werden dem RKI zufolge 4,5 Prozent aller Covid-19-Patienten im Krankenhaus behandelt. In Frankreich und Spanien liegen die Zahlen aber bei 40 Prozent, in Spanien sogar bei über 50 Prozent.

Bei Patienten mit schwer verlaufendem Covid-19 verschlechtert sich der Zustand meist schnell. Wegen der starken Abwehrreaktion in der Lunge sinkt die Sauerstoffsättigung im Blut. Die Erkrankten haben Atemnot, das Herz versucht den Mangel mit einer höheren Schlagfrequenz auszugleichen. Das kann vor allem bei Vorschädigungen zu Herzproblemen führen. Auf dem entzündeten Lungengewebe können sich zudem weitere Keime ansiedeln. Es entsteht die Gefahr einer Superinfektion. Deshalb werden inzwischen auch Antibiotika verabreicht, obwohl diese gegen das Virus selbst nicht wirken. Sie sollen aber die Nebeninfektionen abmildern. In den chinesischen Studien zum Krankheitsverlauf mussten in der am stärksten betroffenen Provinz Hubei 20 bis 25 Prozent der Patienten künstlich beatmet werden, im Rest des Landes lediglich 2 bis 6 Prozent.

Bei den moderat oder mild verlaufenden Erkrankungen dauert es etwa 14 Tage bis zur Phase vier, also bis die Patienten wieder gesund sind. Allerdings können auch in dieser Zeit die Symptome noch vorhanden sein. Eine Reihe von Patienten berichten auch von anhaltender Erschöpfung. Das RKI geht davon aus, dass etwa 50 Prozent der intensivmedizinisch behandelten Patienten sterben. Der Todeszeitpunkt liegt im Durchschnitt etwa 23 Tage nach der Infektion und 18 Tage nach Auftreten der ersten Symptome. Die Erkrankten waren dann im Schnitt 13 Tage im Krankenhaus. Zur Sterberate, also zum Anteil der Patienten mit tödlichem Verlauf zu den Erkrankten, sind wegen der unterschiedlichen Datenlage noch immer keine belastbaren Aussagen möglich. Wahrscheinlich ist eine Zahl zwischen 0,25 und 3 Prozent.

Quelle: ntv.de

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