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Steigende Suchanfragen im Netz Augenschmerzen - ein Covid-19-Symptom?

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Auch über die Bindehaut der Augen ist eine Ansteckung mit Sars-CoV-2 möglich.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Obwohl mehr als eine Million Menschen weltweit mit dem neuen Coronavirus infiziert sind, hat man bisher nur wenig Gewissheit über charakteristische Symptome. Ein Datenforscher aus den USA wertet deshalb Suchanfragen aus und trifft auf Augenschmerzen - ein bisher kaum berücksichtigtes Zeichen.

Ein Datenwissenschaftler aus den USA hat anhand von Suchanfragen im Internet nachvollzogen, in welchen Regionen des Landes nach welchen Wörtern oder Wortgruppen in Bezug auf die Ausbreitung von Sars-CoV-2 gesucht wurde. Dabei konzentrierte sich Seth Stephens-Davidowitz vor allem auf die Fragen nach vermeintlichen Covid-19-Symptomen. Dazu gehören trockener Husten, Fieber und bei manchen auch der Verlust des Geruchssinns, schreibt der Experte in der "New York Times".

Zuerst habe er in der vergangenen Woche Google-Suchdaten für Dutzende von Symptomen aus verschiedenen Bundesstaaten heruntergeladen, die User bei medicinenet.com angesehen haben, erklärt Stephens-Davidowitz. Die Daten, die Stephens-Davidowitz verwendet hat, stammen von Google Trends. Danach habe er die Anzahl der Suchanfragen für Symptome mit der Zahl der Krankheitshäufigkeit in den verschiedenen Bundesstaaten abgeglichen. Dabei zeigte sich, dass Geruchsverlust, Fieber und Schüttelfrost die drei Wörter waren, die in den am meisten betroffenen Regionen am häufigsten aufgerufen worden. Auch Platz fünf standen die verstopfte Nase und auf Platz sechs Durchfall.

Internet-Suche: "Meine Augen tun weh"

Auf Platz vier hingegen landete ein Begriff, der bis dahin als mögliches Covid-19-Symptom kaum Beachtung fand: Augenschmerzen. Die Zahl derer, die nach "Meine Augen tun weh" gesucht haben, sei in der vergangenen Woche in New York, New Jersey, Connecticut, Louisiana und Michigan besonders groß gewesen, so der Autor. Das seien alles Regionen gewesen, die sehr hohe Zahlen an Sars-CoV-2-Infizierten gemeldet hatten. Dennoch, schreibt Stephens-Davidowitz, sei das noch kein Beweis dafür, dass Augenschmerzen durch das neue Corona-Virus entstünden. "Es kann andere Gründe geben, warum Menschen in diesen Teilen des Landes nach Augenschmerzen suchen." Die Suche scheint allerdings auch nicht durch Pollenallergien oder Menschen, die zu Hause bleiben und mehr auf Bildschirme starren, motiviert zu sein. Auch reine Neugier kann sich der Autor nicht als Motiv für diese Suchanfrage vorstellen.

Dagegen sprechen zudem die Zahlen aus anderen Teilen der Welt. Die Suche nach Augenschmerzen habe sich in Spanien zwischen Mitte Februar und Mitte März vervierfacht. Im März war sie im Iran um etwa 50 Prozent erhöht und in Italien war die Suche nach dem Stichwort "brennende Augen" im selben Monat fünfmal so hoch wie sonst. Augenschmerzen könnten ein Symptom, zumindest für einen kleinen Teil der Covid-19-Patienten, sein. Die ausgewerteten Daten von Stephens-Davidowitz geben zumindest Hinweise darauf. Ärzte sollten sich deshalb aufgerufen fühlen, den Zusammenhang von Covid-19 und Augenschmerzen genauer zu untersuchen. Laut einer Analyse der Weltgesundheitsorganisation WHO, die im Februar 2020 gemacht wurde, klagte ein Prozent der insgesamt 55.000 Infizierten aus China über geschwollene Augen. Das waren insgesamt rund 550 Betroffene.

Quelle: ntv.de, jaz