Wissen

Nach Höhepunkt im April Corona-Fallsterblichkeit deutlich gesunken

imago0103087108h.jpg

Mittlerweile sind fast 10.000 Menschen in Deutschland in Zusammenhang mit einer Sars-CoV-2-Infektion gestorben.

(Foto: imago images/Ralph Lueger)

Es ist kein verlässlicher Wert, aber ein Hinweis: Der Anteil der Toten an den bestätigten Sars-CoV-2-Infektionen sinkt nach einem Höhepunkt im Frühling bis Ende des Sommers massiv. Seitdem hält sich die sogenannte Fallsterblichkeit in Deutschland unter einem Prozent - zieht zuletzt aber wieder etwas an.

Eine der großen und noch offenen Fragen zum Coronavirus: Wie tödlich ist der Erreger tatsächlich? Bisher gibt es dazu keine verlässlichen Aussagen. Laut einer Studie, die in einem Magazin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht wurde, sterben in den meisten Weltregionen vermutlich weniger als 0,2 Prozent aller Corona-Infizierten. Dieser Wert wird als Infektionssterblichkeit bezeichnet.

Allerdings sind Angaben zur Infektionssterblichkeit immer noch mit Unsicherheiten verbunden - verlässlichere Aussagen gibt es im Fall von Deutschland lediglich für die sogenannte Fallsterblichkeit. Diese bildet allerdings nur ab, wie viele der laborbestätigten Sars-CoV-2-Infizierten sterben. Die Dunkelziffer an Infektionen wird jedoch nicht berücksichtigt, womit die Fallsterblichkeit vermutlich höher ist als die Infektionssterblichkeit. Allerdings ist die Fallsterblichkeit in den vergangenen Wochen stark gesunken, wie aus dem aktuellen Lagebericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) von Dienstagabend hervorgeht.

In Deutschland lag die Fallsterblichkeit in der Kalenderwoche 16 Mitte April bei einem Höchststand von knapp sieben Prozent. Von hundert erfassten Infizierten starben also sieben im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Da es zur Infektionssterblichkeit kaum verlässliche Studien gab, war unklar, wie stark diese Fallsterblichkeit von der Infektionssterblichkeit abwich. Mittlerweile wird deutlich, dass sie wohl erheblich höher lag.

*Datenschutz

Denn seit Mitte April ist die Fallsterblichkeit von rund sieben Prozent bis zur Kalenderwoche 34 Mitte August deutlich abgesunken. Seitdem bewegt sich der Wert konstant deutlich unter einem Prozent. Ihr bisheriges Tief erreichte sie in Kalenderwoche 35 Ende August. Seit Anfang September stieg sie wieder leicht an und lag zuletzt mit etwa 200 Fällen binnen sieben Tagen bei 0,6 Prozent.

Im Frühling mehr Ältere betroffen

Der überwiegende Teil, rund 85 Prozent der mehr als 9800 Corona-Toten seit Beginn der Pandemie, war laut RKI 70 Jahre oder älter. Unter 50 Jahre alt waren 130 Betroffene, was 1,3 Prozent aller Corona-Toten entspricht. Mit Blick auf die gesamte Pandemie in Deutschland gab das RKI die Fallsterblichkeit mit 2,6 Prozent an. Dass diese Zahl wesentlich höher ist als die Fallsterblichkeit in den vergangenen Wochen, liegt vor allem an den höheren Werten im Frühjahr. Damals hatten sich vermehrt Ältere angesteckt, zudem wurden weniger Menschen ohne oder mit nur leichten Symptomen getestet.

Wie tödlich das Coronavirus in Deutschland wirklich ist, also die Höhe der Infektionssterblichkeit, kann erst einigermaßen verlässlich bestimmt werden, wenn die Zahl aller tatsächlich Infizierten in Deutschland bekannt ist. Dies will das RKI mit der Antikörper-Studie "Leben in Deutschland – Corona-Monitoring" herausfinden, die Anfang Oktober gestartet ist. Bei dieser sollen bis zu 34.000 Erwachsene teilnehmen.

Quelle: ntv.de, kst/dpa