Fakten & Mythen

Todesfälle von Geimpften Kann man an einer Corona-Impfung sterben?

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Bisher starben in Deutschland mehr als 20 Menschen nach der Impfung - das Durchschnittsalter lag bei über 80 Jahren.

(Foto: imago images/Political-Moments)

Eine historische Impfkampagne nimmt in Deutschland Fahrt auf. Doch neben der Hoffnung auf ein Ende der Pandemie kommen auch Fragen auf. Mit ntv.de spricht Arzt Dr. Christoph Specht über Fakten und Mythen rund ums Impfen. Diesmal: Wie gefährlich kann eine Impfung im Extremfall sein?

Die Impfung gegen Covid-19 soll Leben retten - da vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen zur Risikogruppe zählen, gehören sie in Deutschland auch zu den ersten, die geimpft werden. Gleichzeitig gebe es in Deutschland bisher 21 Fälle, in denen Menschen in einem Zeitraum von einer Stunde bis 14 Tagen nach einer Covid-19-Impfung starben, berichtet das für die Bewertung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Für Aufsehen sorgten auch Todesfälle in Norwegen, die in Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung stehen könnten. Die dortige Arzneimittelbehörde sprach zuletzt von 23 Gestorbenen. Kann eine Corona-Impfung also tödlich sein?

"Eine Impfung ist, wie jede andere medizinische Maßnahme, immer mit einem Risiko verbunden", erklärt Arzt und Tropenmediziner Dr. Christoph Specht im Gespräch mit ntv.de. Bei jeder Maßnahme müssten daher Nutzen und Risiko gegeneinander abgewogen werden - und der Nutzen stets überwiegen. "In den allermeisten Fällen, und gerade bei Impfungen, ist der Nutzen viel, viel größer als das Risiko", so Specht. Nur selten sei diese Abwägung schwierig zu treffen.

Auch laut den Daten, die bisher zu den bereits in Deutschland eingesetzten Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna vorlägen, sei der Nutzen in der Regel sehr viel größer als das Risiko, so Specht. "Dennoch gibt es akute Nebenwirkungen, wie sie auch von anderen Impfungen bekannt sind. Etwa eine Schwellung des Arms an der Einstichstelle, Fieber, Druckschmerz oder Abgeschlagenheit." Diese seien jedoch Ausdruck der Immunantwort des Körpers und von daher ein positives Signal, so der Mediziner. Denn es zeige, dass der Impfstoff wirkt. Doch eben diese leichten Nebenwirkungen könnten unter Umständen bei einem alten und geschwächten Menschen mit zahlreichen Vorerkrankungen "das Fass zum Überlaufen bringen" - und somit in seltenen Fällen auch tödlich enden, sagt Specht.

Norwegen überarbeitet Impf-Empfehlung

Bei den 21 Todesfällen unter den bisher in Deutschland Geimpften hätten alle Patienten schwerwiegende Vorerkrankungen gehabt, die "vermutlich todesursächlich waren", schreibt das PEI. Mit Ausnahme von neun ungeklärten Todesfällen seine alle anderen auf Ursachen "unabhängig von der Impfung" zurückzuführen. Die norwegische Gesundheitsbehörde jedoch hat nach den Todesfällen ihre Empfehlung für die Corona-Impfung leicht überarbeitet. So heißt es derzeit auf der Webseite, dass für sehr gebrechliche Menschen sowie für unheilbar kranke Patientinnen und Patienten ein sorgfältiges Abwägen von Nutzen und Nachteil der Impfung empfohlen werde.

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Gleichzeitig ist es auch rein statistisch wahrscheinlich, dass es unter älteren Geimpften auch Todesfälle gibt, betont Specht. "In Norwegen etwa sterben jede Woche in Alten- und Pflegeheimen 400 Menschen - völlig unabhängig von Corona. Es ist also erwartbar, dass Menschen, die heute geimpft werden, in den nächsten Tagen und Wochen sterben." Auch in Deutschland lag laut PEI das Alter der nach einer Impfung Verstorbenen im Schnitt bei 83,5 Jahren. Der jüngste Betroffene war 56 Jahre alt.

Es gibt aber auch einen weiteren Fall, in dem - theoretisch - eine Impfung tödlich enden könnte: beim Auftreten einer starken allergischen Reaktion, auch anaphylaktischer Schock genannt. In Großbritannien, den USA und mittlerweile auch in Deutschland hatten bereits Patienten nach der Covid-19-Impfung anaphylaktische Schocks erlitten. Komme es zu so einer Reaktion, dann bereits unmittelbar nach der Impfung, so Specht. "Deswegen werden die Geimpften noch 15 Minuten beobachtet. Manchmal auch 30 Minuten, wenn es bereits eine Vorgeschichte mit allergischen Reaktionen gibt." Anaphylaktische Schocks könnten allerdings mit Mitteln wie Epinephrin oder Kortison sehr gut behandelt werden - und zwar ohne, dass die Patienten bleibende Schäden davontrügen, sagt Specht.

Quelle: ntv.de