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Infektionsfälle in Altenheimen Können sich auch Geimpfte infizieren?

Abstand halten, Maske tragen, Lockdown: Etwa ein Jahr nach dem Beginn der Coronavirus-Pandemie sind viele mürbe. Große Hoffnungen werden deshalb in die Impfungen gesetzt, doch sind damit Infektionen sofort unmöglich?

Die Meldungen häufen sich, wonach es auch nach den ersten Impfungen in Alten- und Pflegeheimen zu neuen Infektionsfällen kommt. Das verunsichert so manchen. Dabei sind Infektionen mit dem Coronavirus durch die Impfungen nicht ausgeschlossen. Relativ unwahrscheinlich ist auch, dass die Impfstoffe bei älteren Personen nicht ausreichend wirken. Wer sich genauer mit den bisher zugelassenen Impfstoffen und deren Wirkweise beschäftigt, weiß: Bis es zu einem echten Schutz kommt, braucht es Zeit.

Geht man von den Ergebnissen der Phase-3-Studien der Impfstoffentwickler aus, muss man von der ersten Impfung bis zu einem umfassenden Schutz mindestens vier bis fünf Wochen veranschlagen. Und dieser Schutz, der bei beiden Impfstoffen mit über 90 Prozent angegeben wird, bezieht sich nur auf eine Covid-19-Erkrankung mit schwerem Verlauf und nicht auf eine Infektion mit Sars-CoV-2. Der angegebene Impfschutz schließt nicht einmal eine Erkrankung mit leichten Verläufen aus.

Nach Angaben des Impfstoffentwicklers Biontech gab es bei den 36.523 Probanden der Studie 170 bestätigte Covid-19-Fälle, 162 davon hatten statt des Impfstoffes ein Placebo bekommen. Von den restlichen 8 Personen hatte lediglich eine Person einen schweren Covid-19-Verlauf. Diese Ergebnisse zeigen: Auch geimpfte Personen können sich mit Sars-CoV-2 infizieren und sogar Covid-19 bekommen. Ob und wie infektiös jemand ist, der bereits geimpft wurde, konnte mit den bisher durchgeführten Untersuchungen nicht geklärt werden. Die Hoffnung der Experten besteht darin, dass zumindest die Virenlast bei Geimpften, die sich dennoch mit Sars-CoV-2 infizieren, geringer ist.

Idealer Impfstoff wirkt dreifach

Ein idealer Impfstoff soll auf dreifacher Ebene wirken: Er soll nicht nur verhindern, dass man die durch den Erreger hervorgerufene Krankheit bekommt, sondern auch davor, dass man sich überhaupt mit einem Krankheitserreger infiziert und andere damit ansteckt - und das so schnell wie möglich. Ob die verschiedenen Corona-Impfstoffe, die gerade weltweit verabreicht werden, diese sogenannte sterile Immunität herstellen können, weiß man bisher nicht.

Fakt ist, dass die Corona-Impfstoffe, die in Rekordzeiten entwickelt worden sind, nicht direkt nach der ersten Impfung wirken können. Zunächst besteht nur ein geringer Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung. Der Körper braucht Zeit, um die nötigen Abwehrschritte zur Bekämpfung des Krankheitserregers einzuleiten. Auch deshalb ist eine Infektion mit dem Virus weiterhin möglich. Experten gehen davon aus, dass frühestens sieben Tage nach der Impfung lediglich ein Teilschutz besteht, allerdings nur gegen den Ausbruch von Covid-19. Der Impfstoffhersteller Biontech erwartet bis spätestens Februar genauere Erkenntnisse darüber, inwieweit sein Präparat die Menschen auch vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen kann.

Da sowohl der Biontech- als auch der Moderna-Impfstoff in zwei Gaben - drei und vier Wochen nach der ersten Dosis - verabreicht werden muss, sind währenddessen also auch Geimpfte weder vor einer Infektion noch vor einer Erkrankung sicher. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, riet im RTL-Nachtjournal deshalb auch Geimpften dringend dazu, sich weiterhin an die Corona-Regeln zu halten. "Immer achtsam sein, aufpassen, dass man nicht doch noch einen anderen infiziert, auch wenn man selber geschützt ist", betonte er. Wer also glaubt, er könne sich nach einer oder auch nach beiden Impfdosen ohne Maske und ohne Abstand ins soziale Leben stürzen, der irrt und würde damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere gefährden. Geduld ist gefragt.

Quelle: ntv.de