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Kognitive Defizite Was Schlafmangel im Gehirn von Kindern anrichtet

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Neun Stunden Schlaf ist das Maß, das Experten für eine gesunde Entwicklung von Kindern im Grundschulalter angeben.

(Foto: imago/blickwinkel)

Schlafmangel führt zu zahlreichen Beschwerden. Besonders bei Kindern hat er zahlreiche negative Auswirkungen. Welche das sind, findet ein Forscherteam in den USA heraus - und schlägt Alarm.

Kinder, die im Grundschulalter oftmals zu wenig schlafen, können eine Reihe psychologischer und medizinischer Probleme entwickeln. Das haben Forschende der University of Maryland School of Medicine bei der Untersuchung der Daten von über 8000 Jungen und Mädchen herausgefunden.

Für die Studie, die im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, wertete das Team um Fan Nils Yang die Daten von insgesamt 8.323 Mädchen und Jungen aus, die bei Studienbeginn neun bis zehn Jahre alt waren. Die Forschenden ermittelten durch Befragungen der Eltern, wie lange die Kinder im Schnitt pro Nacht schliefen. Weil Schlafmediziner für Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren mindestens 9 Stunden Schlaf pro Nacht empfehlen, stufte das Forschungsteam auf dieser Grundlage den Schlaf der Kinder in ausreichend oder unzureichend ein.

Alle Kinder mussten sich einmal zu Beginn der Untersuchung und ein zweites Mal zwei Jahre später Tests unterziehen, die ihre kognitiven Leistungen bewerteten. Im selben Zeitrhythmus wurden sie psychologisch und medizinisch untersucht sowie die Hirnanatomie und -funktion mithilfe von Magnetresonanz-Tomografie und Daten aus Krankenakten erhoben.

Direkte Vergleiche

Danach bildeten die Forschenden zwei Gruppen, wobei in einer alle Kinder mit ausreichend Schlaf, die andere Gruppe alle Kinder mit unzureichendem Schlaf umfasste. Die Forscherinnen und Forscher achteten darauf, dass Faktoren wie beispielsweise Geschlecht, sozialer Hintergrund und Lebensumstände in beiden Gruppen vergleichbar waren. "Wir haben versucht, die beiden Gruppen so genau wie möglich zusammenzubringen, um die langfristigen Auswirkungen von zu wenig Schlaf auf das Gehirn vor der Pubertät besser zu verstehen", wird Ze Wang in einer Mitteilung der Universität dazu zitiert.

Bei der Auswertung der Daten sahen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur Unterschiede im Volumen der grauen Hirnsubstanz, sondern auch Verhaltensauffälligkeiten und Defizite im kognitiven Bereich. Bei den Tests zum Gedächtnis, zur Entscheidungsfindung und zur Problemlösungsfähigkeit schnitten die Kinder, die zu wenig schliefen, schlechter ab als die ausgeschlafenen Gleichaltrigen. Zudem traten bei den jungen Probandinnen und Probanden, mit unzureichendem Schlaf impulsives Verhalten, Depressionen und Ängste häufiger auf als bei den Kindern in der Vergleichsgruppe.

"Wir fanden heraus, dass Kinder, die zu Beginn der Studie weniger als neun Stunden pro Nacht Schlaf hatten, in bestimmten Bereichen des Gehirns, die für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Impulskontrolle verantwortlich sind, weniger graue Substanz oder ein geringeres Volumen aufwiesen als Kinder mit gesunden Schlafgewohnheiten", so Wang weiter. Diese Unterschiede waren sogar noch zwei Jahre später nachweisbar. "Das ist ein besorgniserregender Befund, weil er langfristige Schäden bei den Kindern nahelegt, die nicht genügend Schlaf bekommen", betont Wang.

Änderungen von Schlafmustern

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Durch die Folgeuntersuchungen stellte das Forschungsteam fest, dass die Teilnehmenden in der Gruppe mit ausreichendem Schlaf dazu neigten, über zwei Jahre hinweg allmählich weniger zu schlafen, was normal ist, wenn Kinder in die Teenagerjahre kommen. Am Schlafmuster der Teilnehmenden in der Gruppe mit unzureichendem Schlaf änderte sich hingegen nicht viel.

Die derzeit größte Langzeitstudie zur Gehirnentwicklung und Kindergesundheit in den USA lieferte erste Hinweise darauf, welche langfristigen Auswirkungen von Schlafmangel auf die neurokognitive Entwicklung bei Kindern entstehen können. Die American Academy of Pediatrics ermutigt Eltern deshalb, gute Schlafgewohnheiten bei ihren Kindern zu fördern. Zu ihren Tipps gehört es, ausreichend Schlaf zu einer Familienpriorität zu machen, sich an eine regelmäßige Schlafroutine zu halten, tagsüber körperliche Aktivität zu fördern, Bildschirmzeiten zu begrenzen und alle Monitore eine Stunde vor dem Schlafengehen auszumachen.

(Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 11. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, jaz

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