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Schauspielerin im Kreuzverhör Amber Heard wird der Lüge überführt

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Johnny Depp wirft seiner Ex-Frau Amber Heard in ihrem Verleumdungsprozess vor, Fäkalien im Ehebett hinterlassen zu haben. Das streitet die 36-Jährige am letzten Tag ihrer Befragung durch ihre Anwälte nun vehement ab. Auch einer Lüge wird sie überführt.

Nach einer zehntägigen Unterbrechung ist der Verleumdungsprozess von Johnny Depp und Amber Heard in die nächste Runde gegangen. Bei dem Verfahren in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia, in dem sich das Ex-Paar gegenseitig der häuslichen Gewalt beschuldigt, saß die 36-jährige Schauspielerin im Zeugenstand. Im Kreuzverhör durch Depps Anwältin Camille Vásquez wurde sie einer Lüge bezüglich ihrer Scheidungsvereinbarung überführt.

Nach einem langen Hin und Her mit Vásquez über den Unterschied zwischen "Versprechen" und "Spenden" gab Heard zu, sich nicht an ihre Scheidungsvereinbarung gehalten zu haben, sieben Millionen US-Dollar an die Menschenrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) und das Kinderkrankenhaus in Los Angeles zu spenden. Heards Eingeständnis erfolgte, nachdem sie zuvor mehrfach behauptet hatte, bereits die gesamte Abfindung gezahlt zu haben. "Insgesamt wurden sieben Millionen gespendet. Ich habe es zwischen der ACLU und dem Kinderkrankenhaus von Los Angeles aufgeteilt", sagte sie etwa 2018 in der niederländischen Talkshow RTL Late Night. "Ich wollte nichts." Während Depps Verleumdungsklage gegen "The Sun" in London, wiederholte sie diese Aussage unter Eid.

ACLU-Chef Terence Dougherty hatte kürzlich ausgesagt, dass bislang nur 1,3 Millionen Dollar von Heard oder anderen Personen in ihrem Namen eingegangen seien. Demnach habe die ACLU nach Heards Zusage 350.000 US-Dollar direkt von Heard erhalten, 100.000 US-Dollar über Johnny Depp, und insgesamt 850.000 US-Dollar über einen Spendenfonds, der Amber Heards Ex-Freund Elon Musk zugeschrieben wird. Heard gab die Zahlungen durch Musk in ihrem Namen zu, behauptete aber, diese hätten nichts mit ihrer Scheidungsvereinbarung zu tun gehabt.

Litt Depp an Halluzinationen?

Zuvor hatte Heard bei der Befragung durch ihre eigene Anwältin erneut über Vorfälle berichtet, in denen sie von Depp misshandelt worden sein soll, darunter während der gemeinsamen Flitterwochen im Orient-Express. Zu dem Zeitpunkt habe der "Fluch der Karibik"-Star nach längerer Abstinenz wieder mit dem Trinken begonnen. Bei einem Streit habe er sie geschlagen, gewürgt und durch den Schlafwagen geschubst. Dann habe er ihr das Oberteil vom Körper gerissen und sie mit dem Stoff gewürgt. In dem Moment habe sie gedacht, dass der 58-Jährige sie versehentlich töten könnte, sagte Heard. Als sie am nächsten Morgen aufgewacht sei, habe sie noch immer ihr Shirt um den Hals gehabt.

In weiteren Aufnahmen gibt Heard zu, im Streit mit Johnny Depp selbst gewalttätig worden zu sein. Sie werde manchmal "so verdammt sauer", dass sie die Kontrolle verliere, sagt sie unter anderem. Von Gewalt seitens Depp ist in dem Gespräch nichts zu hören. Auf dem Zeugenstand sagte die 36-Jährige dazu: "An einem bestimmten Punkt ist es einfacher, die Schuld auf sich zu nehmen." Das fühle sich "fast besser an, als die Sinnlosigkeit der Gewalt zu akzeptieren, die man nicht ändern kann".

Ab 2016 habe sie geglaubt, dass Depp mental zusammengebrochen sei, sagte Heard weiter aus. Der Schauspieler sei "irrational" gewesen, habe "halluziniert" und "mit Leuten gesprochen, die nicht da waren." Er habe ihr Gespräche unterstellt, die nie stattgefunden hätten oder andere Menschen im selben Raum gesehen, die gar nicht da gewesen sein. "Es war erschreckend", so die 36-Jährige. Den Geschworenen wurde daraufhin ein Clip vorgespielt, zu dem Depp bereits ausgesagt hatte.

In dem Video schlägt der Schauspieler sichtlich betrunken und wütend gegen einen Küchenschrank. Als er bemerkt, dass Heard ihn heimlich filmt, nimmt Depp das Handy in die Hand, ohne aber dabei die Aufnahme zu unterbrechen. Kurz darauf ist zu hören, wie er sich verabschiedet und den Raum verlässt. Während er weggeht, lacht Heard kurz. Sie habe ihren Ex-Mann gefilmt, weil sie befürchtet habe, dass er sich später nicht an seinen Ausraster erinnern könne, sagte Heard nun. Außerdem habe sie "Angst" vor ihm gehabt. Auf dem Zeugenstand hatte Depp kürzlich gefragt: "Warum hat sie das gefilmt? Wenn sie Todesangst hatte, warum ist sie dann nicht weggegangen?"

Heard streitet menschlichen Kot im Bett ab

Auch zu dem Abend an ihrem 30. Geburtstag sagte Amber Heard aus. Depp wirft seiner Ex vor, ihre Fäkalien im Bett hinterlassen zu haben. Fotos, die die Haushälterin gemacht hatte und den Geschworenen gezeigt wurden, sollen dies beweisen. Heard beschrieb den Abend folgenderweise: Demnach habe Depp bei dem Streit zunächst eine Champagnerflasche nach ihr und dann ihr Handy aus dem Fenster geworfen. Später habe er ihr gesagt, dass er in einem anderen Zimmer schlafen werde und dass "ich das verdammt noch mal verdient habe. Ich solle mich besser daran gewöhnen, alleine aufzuwachen". Am nächsten Tag habe sie ihre Sachen gepackt und sei mit ihren Freundinnen und ihren zwei Hunden auf das Coachella-Festival gefahren.

Für die Fäkalien im Bett machte Heard Boo, den Teacup-Yorkie ihres Ex-Mannes, verantwortlich. Dieser habe von klein auf Darmprobleme gehabt, weil er als Welpe Depps Marihuana gegessen habe. Da er regelmäßig bei ihnen unter der Bettdecke geschlafen habe, sei es öfter vorgekommen, dass er ins Bett machte. Auf die Frage, ob sie Depp laut früheren Aussagen einen "Streich" gespielt habe, antwortete Heard: "Absolut nicht." Sie sei "nicht in Streichlaune" gewesen, nachdem sie in der vorangegangenen Nacht von Depp angegriffen worden sei. Der Chauffeur Starling Jenkins hatte zuvor ausgesagt, Heard habe ihm auf dem Festival von den Fäkalien berichtet und diese als einen "Scherz, der schrecklich schief gelaufen ist" bezeichnet.

"Wollte nicht, dass die Welt es erfährt"

Im April 2016 habe das Ex-Paar kaum miteinander kommuniziert, sagte Heard weiter aus. Erst nach dem Tod seiner Mutter habe sich Depp Ende Mai gemeldet und sie hätten sich im gemeinsamen Penthouse getroffen. Dort sei der Schauspieler immer wieder auf die Fäkalien im Bett zu sprechen gekommen und habe sie beleidigt, sodass Heard einen Freund angerufen habe. Dieser habe ihr geraten, das Haus zu verlassen, da sie dort nicht sicher sei. Depp habe sich daraufhin das Handy geschnappt und Heards Freund beschimpft, dann habe er Heard das Handy ins Gesicht geworfen, sie geschlagen und an den Haaren gezogen.

Ihre Freundin Raquel Pennington, die nebenan in dem Penthouse wohnte, sei hereingekommen und habe sich zwischen Depp und Heard geworfen, kurz darauf sei auch Depps Sicherheitsteam erschienen, die Depp weggezogen hätten, sagte Heard weiter aus. Beim Weggehen habe ihr Ex mehrere Gegenstände zerstört. Die nächsten Stunden habe sie in Penningtons Wohnung verbracht, wo diese mehrere Fotos von ihrem verletzten Gesicht gemacht habe.

Der Streit war bereits Ende April in dem Prozess thematisiert worden. Mehrere Polizeibeamte, die an dem Tag in Depps Penthouse gerufen worden waren, konnten Heards Aussagen nicht stützen. Sie sagten aus, es habe keine Anzeichen für einen physischen Streit gegeben - weder durch die Aussagen der Anwesenden noch durch sichtbare Verletzungen in Heards Gesicht oder kaputte Gegenstände in der Wohnung. Auf die Frage, warum sie in dieser Nacht nicht mit der Polizei kooperiert habe, sagte Heard, dass sie Depp schützen wollte. "Ich wollte nicht, dass er in Schwierigkeiten gerät. Ich wollte nicht, dass die Welt es erfährt."

Depp muss bei Anblick von Make-up grinsen

Obwohl sich Depp später ausführlich für den Streit entschuldigt habe - die Geschworenen bekamen einen entsprechenden SMS-Verlauf zu sehen -, habe sie zwei Tage nach dem Streit die Scheidung eingereicht, sagte Heard weiter. Außerdem habe sie eine einstweilige Verfügung wegen häuslicher Gewalt gegen Depp eingereicht. Anders als sonst sei sie an diesem Tag ohne Make-up vor Gericht erschienen. Auf weiteren Bildern, die den Geschworenen gezeigt wurden, hat Heard einen dunklen Fleck auf ihrer Wange.

Weiter beschrieb Heard, wie und mit welcher Schminke sie sich im Laufe der Beziehung ihre Verletzungen genau übergemalt hatte. Zur Erklärung hob sie ebenjenes Make-up-Kit in die Höhe, das ihre Anwältin Elaine Bredehoft bereits während ihres Eröffnungsplädoyers verwendet und damit für Aufruhr gesorgt hatte. Denn wie der Hersteller bekanntgegeben hat, existierte dieses Kit nicht zu dem Zeitpunkt, zu dem Heard es verwendet haben soll. "Offensichtlich ist es nicht genau das, das ich früher benutzt habe ...", sagte Heard nun, bevor sie erklärte, welche Farben sie für welche Tage nach den Verletzungen verwendet habe. Johnny Depp und eine seiner Anwältinnen mussten sich daraufhin ein Lachen verkneifen.

Sie fügte hinzu, dass es in ihrem Kommentar in der "Washington Post", der im Mittelpunkt des Verleumdungsprozesses steht, nicht um Depp ging, sondern um sie und darum, was ihr in den zwei Jahren seit der Aufhebung der einstweiligen Verfügung widerfahren sei. "Der Einzige, der dachte, es ginge um Johnny, war Johnny", sagte Heard. Sie habe die vergangenen fünf Jahre versucht, "Johnny zu beschützen". "Ich habe versucht, es privat zu halten, selbst als ich die Scheidung einreichte. (...) Er tat das Gegenteil", sagte Heard gegen Ende ihrer Befragung durch ihre Anwälte.

Johnny Depp und Amber Heard hatten sich 2011 am Set von "The Rum Diary" kennengelernt. Anfang Februar 2015 feierten sie Hochzeit, Ende Mai 2016 reichte sie die Scheidung ein, die Anfang 2017 vollzogen wurde. Nach der verlorenen Verleumdungsklage gegen die Zeitung "The Sun" in Großbritannien 2021 startete im April der US-Prozess. Depp verklagt darin seine Ex-Frau auf 50 Millionen Dollar wegen eines Beitrags, den sie in der "Washington Post" veröffentlichte und in dem sie sich als Opfer häuslicher Gewalt bezeichnet. Sie nannte zwar nicht explizit Depps Namen, er behauptet jedoch, der Artikel habe seinen Ruf geschadet. Heard wiederum erhebt Gegenklage in Höhe von 100 Millionen Dollar. Das Kreuzverhör durch Depps Anwälte wird am Dienstag fortgesetzt.

Quelle: ntv.de, lpe

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