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Jetzt aktiv werden 90 Prozent der Stromkunden sind Verlierer

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Einen Grund, sich als treuer Kunde weiterhin vom Anbieter bestrafen zu lassen, gibt es nicht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der neue Monitoringbericht der Bundesnetzagentur zeigt, was eigentlich schon alle wissen: Stromkunden in Deutschland wechseln nicht gern, selbst bei stark steigenden Preisen. Dabei gibt es auch für bequeme Verbraucher einfache Möglichkeiten, um auf die Schnelle Hunderte Euro zu sparen.

Neues Jahr, altes Spiel: Stromanbieter erhöhen die Preise. Die meisten sogar im dritten Jahr in Folge. Doch für die Mehrheit der Verbraucher offenbar nicht Grund genug, um per Anbieterwechsel die Kosten zu senken. Laut dem neuesten Monitoringbericht der Bundesnetzagentur haben 90 Prozent aller Stromkunden signifikante Preiserhöhungen über sich ergehen lassen, statt diese durch einen Wechsel abzuwehren.

Bereits 111 Stromanbieter haben laut Verivox seit Jahresbeginn die Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt. Und das, obwohl Verbraucherschützer zuletzt vorrechneten, dass die gesunkenen Beschaffungskosten zu Preissenkungen führen müssten. Dass es günstiger geht, beweist auch ein Blick auf aktuelle Alternativtarife: Einem Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 kWh werden im Schnitt 423 Euro mehr gegenüber einem günstigen Alternativtarif berechnet, in Berlin sogar 526 Euro.

Die Bundesnetzagentur legt jedoch ernüchternde Zahlen für 2019 vor. Die Verlierer sind eindeutig: Nach nunmehr 20 Jahren seit Marktliberalisierung verharren noch immer mehr als zwei Drittel aller Haushalte beim vergleichsweise teuren lokalen Anbieter. Nur 4,5 Millionen aller Haushaltskunden haben 2019 den Stromanbieter gewechselt, sogar rund 270.000 Haushalte weniger als im Vorjahr. Laut dem Bericht sind gerade einmal 9,9 Prozent aller Verbraucher aktiv geworden, um den Preiserhöhungen der Anbieter zu entkommen. Das heißt im Umkehrschluss: Rund 90 Prozent der Haushalte nehmen Preiserhöhungen stillschweigend hin und sind die großen Verlierer im Strommarkt. Ein funktionierender Markt sieht anders aus.

Profit auf Kosten der Verbraucher

Die Passivität kommt nicht nur den einzelnen Verbraucher teuer zu stehen. Sie befeuert auch eine verbraucherunfreundliche Dynamik im Strommarkt: Anbieter sind geradezu eingeladen, Preise nach Belieben zu erhöhen und berechnen vor allem ihren treuen Kunden mehrere Hundert Euro pro Jahr zusätzlich. Das Ergebnis: Ein einmaliger Anbieterwechsel reicht nicht aus, um der Trägheitswette vieler Stromanbieter zu entgehen.

Laut Stiftung Warentest ist es inzwischen gang und gäbe, die Preise für Neukunden nach einem günstigeren ersten Vertragsjahr erneut stark zu erhöhen - und dies auch bei Tarifen ohne Bonus. Fazit: Wer nicht jährlich aktiv wird, dem wird wie selbstverständlich deutlich mehr berechnet. Daher ruft mittlerweile sogar die Bundesnetzagentur Verbraucher auf, endlich zu handeln: "Der Wechsel des Lieferanten ist fast immer mit einer Ersparnis verbunden, dementsprechend ist der Anteil der teuren Grundversorgungsverträge immer noch zu hoch. In Zeiten von Homeoffice möchten wir verstärkt an die Verbraucher appellieren, sich über den Vertragsstatus und die aktuellen Preise ihrer derzeitigen Strom- und Gaslieferanten zu informieren und diese mit denen anderer Lieferanten zu vergleichen."

Stiftung Warentest: Tarifaufpasser für bequeme Kunden

Stiftung Warentest verweist in einem kürzlich veröffentlichten Test über Vergleichsportale auf eine Lösung für dieses Dilemma: Die passiven Verbraucher müssen keine Verlierer bleiben. Sie rät: "Wollen Sie sich nicht regelmäßig selbst kümmern, beauftragen Sie einen Wechsel­dienst."

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Mithilfe sogenannter Tarifaufpasser lasse sich viel Geld sparen. Diese organisieren für Verbraucher den Stromanbieterwechsel nicht nur einmalig, sondern vollautomatisch Jahr für Jahr - einige, wie der Marktführer SwitchUp, sind komplett kostenfrei. Diese kontinuierlichen Tarifoptimierer stellen sicher, dass einem der Anbieter nie mehr zu viel berechnet, ohne dass man sich selbst darum kümmern muss. Für die Benutzung von klassischen Vergleichsportalen wie Check24 oder Verivox meint Stiftung Warentest, empfehlens­wert seien "solche Portale nur für Kunden, die jährlich den Anbieter wechseln". Diese sollten dann nicht nur ein Vergleichsportal, sondern mehrere heranziehen, um eine verlässliche Entscheidung treffen zu können.

Egal, ob selbst wechseln mit Vergleichsportal oder automatisch wechseln lassen per Tarifaufpasser: Einen Grund, sich als treuer Kunde weiterhin vom Anbieter bestrafen zu lassen, gibt es nicht. Anbieter werden weiterhin auf die Trägheit ihrer Kunden wetten, solange Verbraucher nichts dagegen unternehmen. Dafür ist das Spiel schlichtweg zu lukrativ. Daher gilt: Nur wer jetzt wechselt, gewinnt.

Quelle: ntv.de, awi