Ratgeber

Die 25.000-Euro-Frage Anleger lieben Veggi-Aktien

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Lecker und rentabel?

Die Hersteller pflanzlicher Proteine werden an den Börsen stark gehypt. Zwar sind die entsprechenden Aktien für Anleger riskant. Trotzdem lässt sich mit dem Megatrend voraussichtlich gutes Geld verdienen.

Umweltbewusstsein und gleichzeitig gesunde Ernährung sind auf dem Vormarsch. Beides greift ineinander: Fleischbasierte Nahrungsmittel weisen einen wesentlich größeren CO2-Fußabdruck auf (zum Teil Faktor zehn und höher) als die gesünderen rein pflanzlichen. Tierschutz ist ein weiterer Grund dafür, dass die Zahl der Vegetarianer und Veganer stetig steigt. Nach Angaben der Heinrich-Böll-Stiftung wurden 2019 allein in Deutschland 650 Millionen Hühner, 55 Millionen Schweine und 34 Millionen Puten geschlachtet. Gerade jüngeren Konsumenten geht das gegen den Strich.

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Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA.

(Foto: Thomas Niedermueller / niedermueller.de)

Auch an den Finanzmärkten ist aus pflanzlichen Proteinen ein neues Investmentthema entstanden. Der Börsengang von Beyond Meat im Mai 2019 traf beim Nerv der Zeit genau ins Schwarze. Enthusiastische Anleger ließen die Aktien des Herstellers vegetarischer Burger-Patties am ersten Handelstag um 163 Prozent in die Höhe schießen. Das weckte Aufmerksamkeit - nicht nur bei Investoren.

Nur knapp ein halbes Jahr später zieht sich Nestlé mit dem Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an dem Wurstproduzenten Herta zumindest teilweise aus dem Wurst- und Fleischwarengeschäft zurück. Der neue Vorstandsvorsitzende Ulf Mark Schneider richtet den Konzern auf Gesundheit aus und hat erkannt, dass Kunden zunehmend pflanzliche Nahrung bevorzugen und mehr auf die Umwelt achten.

Nestlés Verkauf von Herta war nur ein erster Schritt, dem noch mehrere folgen werden. Denn in einer aktuellen internen Studie hat Nestlé selbst rund 60 Prozent der Produkte (von Pizza über Eiscreme und Schokoladenriegel) als ungesund bezeichnet.

Der Wettbewerber Danone gibt selbst einen Wert von nur noch zehn Prozent an. Die Übernahme von White Wave im Jahr 2016 mit den Marken Alpro und Provamel macht sich offenbar bezahlt. Danone berichtet für das erste Quartal 2021 ein zweistelliges Umsatzwachstum im Segment der pflanzenbasierten Produkte. Allerdings entwickeln sich derzeit die anderen Geschäftsbereiche (Wasser, Joghurt, Kindernahrung) weniger prächtig.

Ambitionierte Bewertungen

Kein Wunder, dass das Interesse der Anleger an reinrassigen Unternehmen, die sich auf pflanzliches Eiweiß konzentrieren, deutlich größer ist. Sehnsüchtig erwartet wurde der von reichlich Prominenz unterstützte Börsengang von Oatly, einem schwedischen Produzenten von Hafermilch. Anleger, die bei der Lebensmittelrevolution dabei sein möchten, sollten allerdings nicht geizig sein: Denn die für 2021 erwarteten Umsätze von 630 Millionen US-Dollar werden bei Oatly aktuell mit 14 Milliarden US-Dollar bewertet, also mit dem 23-fachen des Umsatzes.

Beyond Meat kommt auf eine ähnlich astronomische Bewertung. Im Vergleich dazu handeln Danone und Nestlé beispielsweise nur auf dem zwei- beziehungsweise vierfachen Wert. Zugegeben, Oatly's Umsatz dürfte in den nächsten Jahren mit durchschnittlich 30 Prozent wachsen - und damit fast zehnmal so schnell wie der der beiden Großkonzerne. Wann oder ob das Unternehmen jemals damit nachhaltig Gewinne einfährt, ist allerdings unklar.

Größte Herausforderung für die jungen Unternehmen dürfte es sein, in die Regale der Supermärkte zu kommen und sich gegen die Platzhirsche durchzusetzen. Die Großkonzerne schlafen nicht und sind bereits mit vergleichbaren Produkten an den Markt gegangen - schließlich gibt es in der Regel keinen Patentschutz, der sie davon abhalten könnte. Technologisch beziehungsweise wissenschaftlich verfügen die Newcomer über keinen relevanten Vorsprung. So führen beispielsweise Discounter wie Aldi und Lidl längst eigene Veggi-Burger und pflanzliches Hack im Sortiment.

Vegan als Beimischung - auf dem Teller und im Depot

Daher ist es aufgrund der hohen Bewertung von Aktien wie Oatly und Beyond Meat bei Weitem nicht klar, ob sich ein heutiges Investment am Ende auszahlen wird. Dennoch lässt sich mit dem neuen Ernährungstrend Geld verdienen, man muss nur der Börsenlegende André Kostolany folgen. Dieser sagte einmal: "Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln."

Übertragen auf die Food Revolution heißt das, in die Zulieferer zu investieren. Tierische Fette und Proteine, Eier und Zucker müssen durch Alternativen ausgetauscht werden, ohne dass Geschmack, Konsistenz und Farbe vom gewohnten Produkt stark abweichen.

Das ist ein Fall für Spezialisten aus der Nahrungsmittelergänzungsindustrie wie zum Beispiel AAK, Glanbia, IFF, Kerry Group, Raisio oder Symrise. Schon länger können diese Unternehmen mit stetigem Wachstum und soliden Gewinnmargen auftrumpfen.

Und trotz der hohen Medienaufmerksamkeit rund um gesunde Ernährung möchte nicht jeder seinen Lebensstil ändern. Die Nachfrage nach Cola, Chips und Schokolade ist weiterhin ungebremst, wie ein Blick auf die Geschäftsberichte von PepsiCo und Lindt & Sprüngli offenbart.

Die Corona-Pandemie hat den Fokus auf die eigene Gesundheit jedoch verstärkt. Nachhaltiger Leben und gesünder Essen ist der neue Trend. Meistens sind aber nicht die offensichtlichen Kandidaten die Nutznießer. Im Gegenteil, aufgrund der hohen Bewertungen dürfte die Volatilität der Aktien auf Jahre hin vergleichsweise hoch bleiben. Wer dennoch in diesem Bereich investieren möchte, sollte dies als eine Beimischung gut gestreut am besten über einen Fonds beziehungsweise Themen-ETF machen.

Die 25000 Euro-Frage

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Bei einem Portfolio von beispielsweise 25000 Euro sollten Food-Unternehmen bei der Aktienquote nicht mehr als maximal fünf Prozent ausmachen. Insgesamt sollte sich die Aktienquote bei einem längerfristigen Anlagehorizont im Bereich von 65 Prozent bewegen. Denn vor allem mit Staatsanleihen dürfte es weiterhin schwer bleiben, Geld zu verdienen. Die übrigen Mittel sollten besser in Unternehmensanleihen (20 bis 25 Prozent) und in Gold (circa fünf Prozent) angelegt werden, um die Schwankungen, sprich das Risiko, im Depot zu begrenzen. Den Rest (fünf bis zehn Prozent) halten Anleger am besten in Cash, damit sie bei möglichen Korrekturen an den Aktienmärkten preisgünstig zugreifen können.

Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA.

Quelle: ntv.de

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