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Anbieter verkünden Preise 2021 Strompreise müss(t)en sinken

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Verbraucher zahlen heute im Schnitt 105 Euro mehr für Strom als noch vor zwei Jahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Um 21,3 Prozent sind die Strombörsenpreise seit 2019 gesunken, bei Verbrauchern ist davon nichts angekommen. Im Gegenteil, 730 Anbieter haben 2020 die Preise signifikant erhöht. Die Weitergabe der gesunkenen Beschaffungskosten an Kunden ist überfällig.

In den kommenden Tagen verkünden die Anbieter ihre Preise für 2021. Am 30.10. dieses Jahres haben Stromanbieter an der Leipziger Strombörse 37,65 Euro je Megawattstunde Strom bezahlt. Ein fast identisches Niveau wie im ersten Halbjahr 2018, mit 37,57 Euro. Seither haben Stromanbieter jedoch vor allem mit Verweis auf die gestiegenen Beschaffungskosten signifikant die Preise erhöht - und das zwei Jahre in Folge.

Konsequenz: Verbraucher zahlen heute im Schnitt 105 Euro mehr als noch vor zwei Jahren. Richtig ist, dass die Beschaffungskosten bis Dezember 2018 gestiegen waren. Seit jeher ist der Strombörsenkurs jedoch konstant gefallen. Dieses Jahr sogar rasant, da die Industrienachfrage aufgrund der Corona-Pandemie einbrach.

Preiserhöhungen trotz stark gesunkener Beschaffungskosten

Davon ist bei Verbrauchern jedoch bislang nichts angekommen. Ganz im Gegenteil: Laut Check24 haben seit Jahresbeginn mehr als 700 Stromanbieter signifikante Preiserhöhungen durchgesetzt. Noch im August hat Vattenfall in Berlin eine Erhöhung von 6 Prozent vollzogen, 106 Euro Mehrkosten im Jahr bei 5000 kWh. Dies kam besonders überraschend, da sich die Strombörsenkurse zum Ankündigungszeitpunkt auf einem Tiefststand wie zuletzt in 2018 befanden.

Der Marktdaten-Analyst Ene't sieht unterjährige Preiserhöhungen als bewusste Vorgehensweise: "Fast drängt sich der Verdacht auf, dass besonders unpopuläre Preiserhöhungen bewusst erst später im Halbjahr vorgenommen wurden, um sie nicht der größeren öffentlichen Aufmerksamkeit zu Jahresbeginn auszusetzen."

Preissenkungen lange überfällig

Aufgrund der stark gefallenen Strombörsenkurse wäre es an der Zeit, falsche Annahmen zu korrigieren und die Kostenvorteile an Verbraucher zurückzugeben - gerade in diesem Jahr, in dem viele Bürger in Kurzarbeit sind und den Gürtel enger schnallen müssen. Ausgehend der seit Ende 2018 um etwa 1 Cent pro Kilowattstunde gesunkenen Beschaffungspreise sowie der durch den Bund mit 10,8 Milliarden finanzierten Absenkung der EEG-Umlage im kommenden Jahr, ergibt sich bei einem Stromverbrauch von 5000 kWh eine Kosteneinsparung für Anbieter von mehr als 63 Euro pro Jahr, die mittels Preissenkungen an die Kunden zurückgegeben werden sollten.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Wer noch immer Kunde beim örtlichen Grundversorger ist, sollte überprüfen, ob der aktuelle Strompreis deutlich überteuert ist. Viele Anbieter setzen noch immer bewusst auf Trägheit und berechnen ihren treuesten Kunden wie selbstverständlich die höchsten Preise. Laut Check24 liegen bei einem Verbrauch von 5000 kWh zwischen dem Grundversorger-Tarif und einem günstigen Vergleichstarif aktuell 302 Euro. Anbieter profitieren noch immer von der Unsicherheit vieler Verbraucher, einen Wechsel vorzunehmen, obwohl dabei nichts passieren kann. Dass man stets mit Strom versorgt wird, ist sogar gesetzlich abgesichert.

Selber wechseln oder automatisch optimieren lassen

Dass man den Stromanbieter leicht wechseln kann, dürfte mittlerweile bekannt sein. Seit gut 20 Jahren verschaffen Vergleichsportale einen guten Überblick über die Tarifangebote. Gleichzeitig ist es aufgrund der Vielzahl der Tarife nicht leicht, den besten Tarif aufzuspüren. Genau dies versprechen sogenannte Tarifaufpasser, die - anders als die klassischen Vergleichsportale - nicht nur einmalig dank ausgeklügelter Empfehlungsalgorithmen den besten Tarif finden, sondern diesen jährlich auf Basis aller Angebote überprüfen. Sobald sich ein besseres Angebot findet, optimieren sie den Tarif erneut. Auf diese Weise stellen diese vollautomatischen Tarifaufpasser sicher, dass man vom Anbieter nie mehr zu viel berechnet bekommt.

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Die Stiftung Warentest hat diese Wechselhelfer einem Langzeittest unterzogen und Esave, SwitchUp.de, Wechselpilot und Wechselstrom als "sehr empfehlenswert" bewertet. Während bei den meisten ein Anteil der Ersparnis fällig wird, findet sich unter den sehr empfehlenswerten Wechselhelfern mit dem Marktführer SwitchUp.de auch ein kostenfreier Service.

Unfairen Anbietern die Rote Karte zeigen

Bis Ende kommender Woche müssen Preisanpassungen für 2021 bekannt gegeben werden. Da die Beschaffungskosten seit Anfang 2019 um 21,3 Prozent gesunken sind, ist es für Stromversorger nun an der Zeit, die falschen Kostenprognosen der letzten beiden Jahre zu korrigieren und ihren Kunden die dadurch entstandenen Mehrkosten zurückzugeben. Sofern Verbraucher bis Ende kommender Woche kein entsprechendes Schreiben dazu im Briefkasten finden, ist es Zeit, dem Anbieter die Rote Karte für unfaires Verhalten zu zeigen und zu wechseln.

Quelle: ntv.de, awi