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Verbraucher in Not Wann eine Gassperre droht

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Auslöser für eine Gassperre sind meist ausbleibende Zahlungen an den Versorger.

(Foto: IMAGO/Kosecki)

Gas ist schon jetzt für viele unbezahlbar. Und es wird wohl noch schlimmer werden: Die Anzahl der Haushalte, die ihre Gasrechnung nicht begleichen kann, dürfte denn auch zunehmen. Wann der Versorger den Gashahn zudrehen kann, lesen Sie hier.

"Telefon, Gas, Elektrik - unbezahlt, und das geht auch", sang Herbert Grönemeyer einst. Das klang seinerzeit so schön trotzig und ermunternd aufmüpfig. Heute, etwa 20 Jahre später, bekommen die Worte nochmal eine ganz aktuelle Bedeutung. Denn die Sorge davor, die Gasrechnung für Heizung, Warmwasser und Herd nicht mehr bezahlen zu können, geht um.

Dabei muss man keine zwei Jahrzehnte zurückschauen, um festzustellen, dass die Welt damals eine andere war. Vor allem auch der Gaspreis. Der sorgte zuletzt für Schwierigkeiten. Erdgas ist unangefochtener Spitzenreiter bei den zum Heizen genutzten Energieträgern. Mit ihm werden Zentral- und Etagenheizungen, Gas-Wärmepumpen oder Gasöfen gespeist. In 48,2 Prozent der 40,6 Millionen Wohnungen in Deutschland wird Erdgas als Energieträger genutzt. Das sind fast 20 Millionen Wohnungen. Und darin leben mehr als 35 Millionen Menschen.

Der horrend gestiegene Gaspreis ist somit längst zum Politikum geworden und sorgt bei vielen Kunden für nackte Existenzangst. Sie zittern vor den angekündigten oder schon erfolgten Preiserhöhungen und saftigen Nachzahlungen. Und so mancher von ihnen wird den Zahlungsanforderungen nicht nachkommen können.

Schon jetzt werden 40.000 Gassperren verhängt

Klar ist, nur mit trotziger Lyrik ist Betroffenen nicht geholfen. Im Gegenteil, wer seine Rechnung nicht bezahlen kann, dem droht eine Gassperre vom Versorger. Bereits vor der Energiekrise wurde eine solche jährlich über eine Million Mal angedroht. Und über 40.000 Haushalte bekamen die Gasversorgung tatsächlich abgestellt. Davon betroffen sind Verbraucher, die einen eigenen Versorgungsvertrag mit einem Gasanbieter haben. Also Haushalte mit einer Gasetagenheizung oder Mieter beziehungsweise Eigentümer eines Einfamilienhauses mit Gas-Zentralheizung.

Womit die Beantwortung der Frage ansteht, wann der Versorger dies tun kann. Und natürlich auch, wie Verbraucher ein solches Szenario verhindern beziehungsweise darauf reagieren können.

Auslöser für eine Gassperre sind meist ausbleibende Zahlungen an den Versorger. Der Grund sind vornehmlich ein zu geringes Einkommen, steigende Gaspreise oder ein sehr kalter Winter. Manchmal auch nur Nachlässigkeit. Doch bevor der Energieversorger den Netzbetreiber beauftragt, die Gasversorgung abzustellen, ist es ein weiter Weg. Niemand muss befürchten, von heute auf morgen in einer kalten Wohnung aufzuwachen. Den der Gashahn kann nicht einfach so zugedreht werden. Dies ist in der Gasgrundversorgungsverordnung (GasGVV) geregelt.

Die Voraussetzungen dafür sind:

  • Es muss ein Zahlungsrückstand vorliegen. Wie hoch dieser ist, ist allerdings in der GasGVV nicht genau definiert. Viele Versorger orientieren sich deshalb an den Vorgaben für Stromsperren. Hier sind 100 Euro festgelegt. Grundsätzlich muss die Androhung oder Durchführung einer Stromsperre verhältnismäßig zu den Schulden sein. Liegt eine Versorgung in der Grundversorgung vor, sind Sperrungen erst ab einem Zahlungsverzug von zwei Monatsabschlägen und mindestens 100 Euro möglich. Grundversorger müssen zudem eine Vereinbarung anbieten, um eine Sperrung abzuwenden. Diese enthält ein Ratenzahlungsangebot und eine Weiterversorgung auf Vorauskasse.
  • Der Energielieferant hat eine Mahnung in Form einer erneuten Zahlungsaufforderung zugeschickt, auf die nicht reagiert wurde.
  • Die Sperre muss mindestens 4 Wochen vorher vom Versorger vorher schriftlich angekündigt werden.
  • Die Sperrankündigung muss den Betroffenen mindestens acht Werktage vor dem Sperrtermin erreicht haben.
  • Der Energielieferant muss Ausnahmen und Härtefälle beachten. Eine Gassperre ist unzulässig, wenn im Haushalt Kinder, Schwangere oder kranke Personen leben. Oder auch, wenn die Kappung der Versorgung die Existenzgrundlage bedrohen würde. Dies ist beispielsweise bei Homeoffice-Tätigkeiten der Fall. Entsprechendes sollte dem Versorger unverzüglich mitgeteilt und der Sperre widersprochen werden. Darüber hinaus darf eine Sperrung auch nicht vollzogen werden, wenn die Gefahr bestünde, dass durch Kälte die Leitungen einfrieren.

Auch darf die Versorgung nicht unterbrochen werden, wenn der Verbraucher glaubhaft versichern kann, dass eine "hinreichende Aussicht besteht, dass er seinen Verpflichtungen nachkommt". Zudem gilt schon jetzt, dass wenn die Gasrechnung schriftlich beanstandet oder der Preiserhöhungen widersprochen wird, darf auch das Gas nicht abgestellt werden. Zumindest wenn zugleich weiterhin die alten Preise bezahlt werden. Auch eine Androhung ist in diesem Fall nicht erlaubt.

Eine Gassperre endet, wenn die Gründe dafür nicht mehr vorliegen. Dann muss der Netzbetreiber sie unverzüglich aufheben. Im Übrigen: Sowohl die Durchführung als auch die Aufhebung der Gassperre kostet. Die Spannbreite liegt hier für beide Maßnahmen jeweils zwischen 10 und rund 150 Euro.

Wer Probleme hat, seine Gasabschläge zu begleichen oder Nachforderungen nicht gewachsen ist, sollte laut Bundesnetzagentur Folgendes beherzigen:

  • Zahlungserinnerungen und Mahnungen nicht ignorieren.
  • Möglichst schnell mit dem Energielieferanten in Kontakt treten. Denn je früher der Lieferant davon erfährt, desto größer ist die Chance auf eine einvernehmliche Lösung.
  • Sich Unterstützung bei den Verbraucherzentralen, bei Rechtsanwälten oder anderen Schuldnerberatungen suchen.

Damit es gar nicht erst gar nicht so weit kommt, gilt es, Folgendes zu beachten:

  • Zahlungen für Gas pünktlich begleichen.
  • Den Zählerstand regelmäßig mindestens einmal im Quartal ablesen und notieren, um etwaige Unregelmäßigkeiten festzustellen.
  • Monatliche Abschlagszahlungen dahingehend prüfen, ob diese zum tatsächlichen Verbrauch passen, damit am Ende des Jahres keine hohe Nachzahlung droht. Gegebenenfalls sollte schon jetzt Geld zurückgelegt werden.
  • Tarife und Anbieter vor Ort vergleichen. Hat der Versorger das Gas bereits abgedreht, nützt aber auch ein Wechsel zu einem anderen Anbieter nichts mehr. Denn für das Ausführen der Sperre ist der Netzbetreiber verantwortlich. Solange diese nicht rückgängig gemacht ist, kann auch ein anderer Anbieter nicht helfen.
  • Auf den Energieverbrauch schauen und Einsparpotenziale prüfen.
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Gut zu wissen: Bei der Hilfe zum Lebensunterhalt oder zur Grundsicherung sind die Kosten für Strom und Gas bereits in den Regelsätzen enthalten. Durch den Erhalt von Wohngeld kann die monatliche Belastung für die Miete gesenkt werden. Wer Leistungen vom Jobcenter oder Sozialamt bezieht, kann die Abschläge häufig auch direkt vom Sozialleistungsträger an den Energielieferanten überweisen lassen. Ein formloser Antrag bei der entsprechenden Behörde genügt.

Und noch eine kleine Hoffnung zum Schluss für Bedrängte. Im Rahmen der Corona-Pandemie hatte die Bundesregierung ein Hilfspaket für Verbraucher geschnürt. Hatten diese kein Geld, um Leistungen der Grundversorgung zu bezahlen, konnten die Zahlungen befristet ausgesetzt werden, ohne Sorge zu haben, von der Versorgung abgeschnitten zu werden. Aber: Der Anspruch der Gläubiger auf Nachzahlung erlosch damit nicht, es handelte sich vielmehr um einen Zahlungsaufschub. Es ist denkbar, dass die Bundesregierung erneut über solcherlei befristete Erleichterung nachdenkt.

Quelle: ntv.de

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