Fußball

Die Lehren des 24. Spieltags Der FC Bayern verbietet sich BVB-Häme

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Letzte Woche sprach Uli Hoeneß noch von der "Hölle", die man dem BVB bereiten werde, nun sind die Töne etwas leiser. Karl-Heinz Rummenigge mahnt, "keine große Klappe zu haben."

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Noch-Tabellenführer Borussia Dortmund tritt im Titelkampf der Fußball-Bundesliga auf wie ein Durchschnittsteam. Das ist gut für den FC Bayern. Der feiert einen "super Spieltag", verzichtet aber auf große Klappe.

1. Der FC Bayern revanchiert sich beim BVB

Nun, Niko Kovac hatte ja keine Wahl. Der Trainer des FC Bayern musste Thomas Müller an diesem 24. Spieltag der Fußball-Bundesliga im Topspiel bei Borussia Mönchengladbach aufstellen. Was hätte das für atmosphärische Eruptionen in einer an atmosphärischen Eruptionen ungewohnt reichen Saison des (Noch)-Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga ausgelöst, hätte sich Kovac in seinem stark reduzierten Kader gegen Müller und stattdessen für das Wunderkind i.V. 1 Alphonso Davis oder die Regionalliga-Sensation Woo-yeong Jeong entschieden? Nun, wäre, wäre Fahrradkette. Müller hat nach vier Partien ohne Startelfeinsatz mal wieder gespielt. Und das richtig gut. Ein Tor hat er sich vehement erstochert, eines beinahe bereits nach 27 Sekunden spektakulär vorbereitet. Mit dem rotierenden Müller war beim beeindruckenden 5:1-Erfolg stets Alarm in Borussias Abwehr. Aber das ist ja keine aufregende Erkenntnis, wie Kovac erklärte: "Nach vorne weiß ich ja sowieso, dass der Thomas das richtig gut macht."

Der Trainer, dessen Coaching-DNA auf einer defensiven Doppelhelix aufgebaut ist, lobte seinen Angreifer deshalb vornehmlich für die Arbeit, die er verrichtet hatte. "Das ist das, was wir als FC Bayern brauchen. Wenn wir es schaffen, keinen oder nur einen Gegentreffer zu kassieren, haben wir große Möglichkeiten, die Spiele zu gewinnen." Elf der letzten zwölf Ligaspiele haben die Münchener gewonnen, sie haben im Titelkampf mit der knicksenden Borussia "auf Null gestellt" und fühlen sich nun überraschend demütig bereit für neue Silberware. "Der Spieltag war super für uns", freute sich Müller. "Wir hätten im Winter nicht gedacht, dass wir so noch rankommen. Wir sind klar in der besseren Verfassung als im Herbst. Wir haben Lunte gerochen." Zur verbalen Explosion soll's aber vorerst nicht kommen: "Wir tun gut daran, jetzt keine große Klappe zu haben", erklärte Klub-Boss Karl-Heinz Rummenigge. "Dortmund hat uns im Herbst, als wir selbst eine Krise hatten, auch nicht mit hämischen Kommentaren bedacht." Man sei nicht so vermessen, die Dinge jetzt für geklärt zu erachten. "Noch sind wir ja auch nur Tabellenzweiter."

1i.V.: in Vorbereitung

2. Der BVB redet sich um den Titel

Tiefenentspannt: Michael Zorc

Tiefenentspannt: Michael Zorc

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Hin und wieder droht es in Vergessenheit zu geraten: Matthias Sammer ist nicht nur TV-Experte, sondern steht auch bei Borussia Dortmund auf der Gehaltsliste. In welcher Rolle er am Freitagabend nach dem überraschenden 1:2 des BVB in Augsburg agierte? Da verwischen wohl die Grenzen. Klar ist: Sammer hat mächtig auf den Tisch gehauen - und "seine" Mannschaft, die ja immerhin mal mit neun Punkten die Tabelle der Bundesliga angeführt hatte, ordentlich herabqualifiziert. "Die sind unreif, einfach unreif", stellte Sammer die jungen Verteidiger Achraf Hakimi und Dan-Axel Zagadou in den Senkel, die vor den Gegentoren entscheidend gepatzt hatten. Und weiter: "Das Spiel wurde nicht sportlich entschieden, sondern im Kopf." Dass Hakimi und Zagadou die Partie mit Köpfchen zu Ende spielen durften, hatten sie alleine der Selbstdisziplin ihres Torwart Roman Bürki zu verdanken, der musste sich nämlich "enorm zusammenreißen, nicht jemandem den Kopf abzureißen." Auch Jadon Sancho bekam von Sammer sein Fett weg: "Mit 19 kannst du noch kein Champion sein, 60 Prozent reichen nicht." Und überhaupt spiele der Tabellenführer gerade gegen schwächere Mannschaften "nicht wie ein Champion, sondern wie eine Durchschnittsmannschaft".

Aber ist ja eh alles halb so wild, wenn man Michael Zorc glaubt. Die Meisterschaft ist "kein Muss", im Gegenteil, sie "wäre eine riesige Sensation", wie der Sportdirektor des BVB den "Ruhr Nachrichten" verriet. Entsprechend locker geht er auch mit dem offenbar nicht mit der sportlichen Leitung abgestimmten Sammer-Rundumschlag um: "Wenn Matthias Sammer in einem TV-Studio sitzt, ist er Journalist und nichts anderes", diktierte der ehemalige Profi, "da muss er sagen, was er sieht. Das verlangt sein Job selbstverständlich von ihm. Wir wussten von seiner Rolle als TV-Experte, als wir ihn als Berater engagiert haben, und sehen hier keine Probleme oder Konflikte aufkommen." Coach Lucien Favre fand die Vorstellung seiner Mannschaft beim Tabellen-15. übrigens "okay". Der BVB - ein Wochenende zwischen Eskalation und Lethargie.

3. Die Ultras entehren ratlose Schalker

Ach, FC Schalke 04 - vom Vizemeister in die direkte Versenkung der Liga. 0:4 gegen Fortuna Düsseldorf und das nur eine Woche nach dem 0:3 gegen den FSV Mainz 05. Platz 14, mittendrin im Abstiegskampf, nur vier Punkte bis Relegationsplatz 16. Das ist die schlechteste Bilanz seit der Abstiegssaison 1982/83. Es sieht düster aus in Gelsenkirchen - und es klingt nach Selbstaufgabe. "Wir wissen nicht, wie wir aus der Situation herauskommen. Wenn man sieht, wie wir Fußball spielen", so Mark Uth. "Wir spielen ja gar kein Fußball. Ich weiß es selber nicht genau, was wir da machen." Normalerweise bedeutet solch eine Situation das Aus für den Trainer. Aber Domenico Tedesco ist immer noch da. Dafür ist Sportvorstand Christian Heidel weg, und dessen Nachfolger hat sein Amt noch nicht angetreten. Jochen Schneider wird am Dienstag erstmals der Presse gegenübertreten und ab dann für Ruhe im Klub sorgen müssen. Auch wenn er offiziell erst am 14. März zum Sportvorstand berufen werden wird. Muss dann Tedesco seinen Spind räumen? Ist er nur noch im Amt, weil gerade keiner im Amt ist, der ihn feuern kann?

Heribert Bruchhagen empfiehlt bei der Sky-Talkrunde Ruhe: "Wie soll Jochen Schneider als neuer Verantwortlicher ein Gefühl dafür entwickeln, was die beste Lösung ist? Das geht gar nicht. Um Entscheidungen treffen zu können, muss er die Mannschaft kennen, den Trainer kennen. Das erfüllt er nicht", so der ehemalige Vorstandsvorsitzende vom Hamburger SV. Und weiter: "Ich würde im Augenblick in den nächsten Wochen an dem Trainer festhalten." Die meisten Schalker Fans werden ihm da nicht zustimmen können, sie sehnen sich mindestens mal nach dem Minimum: Engagement. Benjamin Stambouli nahmen die Ultras jedenfalls nach der erneuten Pleite die Kapitänsbinde ab - ein Symbolakt. Schließlich hatten sie erst zu Saisonbeginn dem etatmäßigen Kapitän Ralf Fährmann die "Nordkurve Gelsenkirchen"-Binde als Zeichen ihrer Unterstützung übergeben. Die Stimmung wird rauer auf Schalke.

4. Timo Werner verkommt zur heißen Ware

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Timo Werner streckt sich - damit er das Zerren um ihn besser wegsteckt?

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Sie zerren so lange an ihm, bis es Timo Werner in Stücke reißt. Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man das Transfergezeter zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern beobachtet. Der 22-jährige Stürmer wirkt dabei wie eine Ware, die auf dem zugegebenermaßen sehr teuren Markt umworben wird. Bislang spielt der Nationalstürmer bei RB Leipzig, und der Klub möchte das beste Pferd im Stall nicht so einfach ziehen lassen. Von einer hohen Millionenablöse ist die Rede. Ausgeschlossen ist, dass die Sachsen ihn erst nach Ende des Vertrags im Sommer 2020 ziehen lassen, sie wollen vielmehr jetzt ordentlich abkassieren. Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz, der sich selten ins Fußballgeschäft einmischt, sagte der Schweizer Zeitung "Blick": "Billig wird der Spieler sicher nicht." Es gebe keinen Austausch mit einem anderen Verein, betonte Leipzig-Chef Oliver Mintzlaff.

Dagegen stichelte nun Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: "Ich würde Rasenball - so heißen die doch, glaube ich - den Ratschlag geben, nicht zu offensiv mit der ganzen Personalie umzugehen. Weil manchmal liegt man auch nicht richtig. Ich habe sehr viel Erfahrung im Geschäft. Und wann immer man mit Transfers so offensiv umgeht wie Rasenball, ist es nicht im Interesse." Ob Rummenigge dabei auf die im Winter von den Münchenern selbst sehr offensiv gehandelten Personalien Hudson-Odoi, Pavard und Hernandéz anspielt, blieb indes unklar. Grund der neuen Aufregung: Werners Berater Karlheinz Förster soll sich mit dem FC Bayern geeinigt haben, berichtete die "Sport Bild". Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick dementierte dies, Förster nicht. Die Lage zwischen den beiden Klubs ist angespannt - die Alphatiere können es nicht lassen zu sticheln, aber welche Rolle spielt da eigentlich noch der Mensch und Fußballer Timo Werner?

5. Fortuna Düsseldorf, der Krisen-Klub

22 Jahre musste Friedhelm Funkel auf einen Sieg gegen Schalke warten. Und man kann dem Trainersenior wirklich nicht vorwerfen, dass er nicht alles versucht hätte: Mit Eintracht Frankfurt hat er es probiert, mit Hertha BSC, mit Hansa Rostock und dem 1. FC Köln - nie hat es geklappt, an den Triumph mit dem MSV Duisburg vom 5. August 1997 (1:0) anzuknüpfen. Aber der 21. Versuch saß: 4:0 schoss Funkels Fortuna indisponierte Schalker aus deren eigener Arena. Serie beendet und gleichzeitig vielleicht auch (zumindest vorläufig) die Bundesligalaufbahn von Schalke-Trainer Domenico Tedesco.

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Im 21. Anlauf endlich wieder erfolgreich gegen Schalke: Friedhelm Funkel.

(Foto: imago/Sven Simon)

Überraschend kam der Düsseldorfer Triumph allerdings keineswegs. Nicht nur stellt der Aufsteiger seit dem furiosen 3:3 beim FC Bayern am 12. Spieltag eine der erfolgreichsten Mannschaften der Liga (23 Punkte in 13 Spielen), sondern sorgt auch konsequent dafür, dass bei den Gegnern kleinere oder größere Brände nicht ausgetreten, sondern erst richtig angefacht werden. Seit dem 16. Spieltag gewann die Funkel-Truppe erst zu Hause gegen den bis dahin ungeschlagenen BVB (2:1) in Hannover (1:0), dann in Augsburg (2:1), später fertigte man den VfB Stuttgart ab (3:0) und zuletzt den 1.FC Nürnberg (2:1). Auch wenn es den königsblauen Anhänger schmerzt: Der Kantersieg nun war nur die logische Fortsetzung dieser Serie.

6. Hannover verbannt sich selbst aus der Liga

"Die, die die wenigstens Fehler machen, bleiben in der Liga, die anderen gehen duschen." Letzte Woche stand an dieser Stelle dieses Zitat von Hannover 96-Coach Thomas Doll, gesagt nach dem sang- und klanglosen 0:3 seiner Mannschaft gegen Eintracht Frankfurt. Nun, am Sonntagnachmittag ist Hannover nicht nur duschen, sondern direkt baden gegangen. Das 1:5 gegen den VfB Stuttgart - wir erinnern uns: dem Tabellennachbarn auf dem Relegationsrang steht das Wasser selbst bis zum Hals – war eine Einseifung allererster Güte. Entsprechend dreckig ging es Thomas Doll nach dieser eiskalten Dusche: "Angsthasenfußball, einen Grottenkick" hätte sein Team abgeliefert und kündigte an, man werde das Schlamassel gemeinsam ausbaden: "Wir werden uns sicherlich morgen zusammensetzen und die erste Halbzeit alle zusammen anschauen. Das darf sich auch jeder gerne anschauen, auch die Spieler." Eine schonungslose Analyse soll das wohl werden, es stellt sich alleine die Frage: Kommt das nicht alles schon zu spät? Und die Bonusfrage lautet: Kommt man in den letzten Wochen vor lauter Analyse der Fehlerquellen überhaupt noch zum Trainieren?

In seinen ersten Aussagen nach dem vielleicht für den Abstieg schon vorentscheidenden Debakel war Doll jedenfalls deutlich weniger metaphorisch unterwegs, als noch letzte Woche: "Die Tabelle sieht ja auch nicht so gut aus. Aber das Schlimmste war der Auftritt", schimpfte der Nachfolger von André Breitenreiter. "Was soll man nach einem 1:5 sagen? Nach so einem saft- und kraftlosen Auftritt in der ersten Halbzeit? Es macht zurzeit überhaupt keinen Spaß. Jeder schämt sich für so einen Auftritt. " Und als Zusammenfassung des Ganzen: "Das, was wir da abgeliefert haben, das hatte mit Bundesliga nichts zu tun." Gut möglich, dass auch Hannover 96 bald nichts mehr mit Bundesliga zu tun hat.

Quelle: n-tv.de

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