Fußball

Flick bleibt - und bleibt? Eine gefährliche Situation für den FC Bayern

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Die Zukunft von Hansi Flick ist geklärt - und bleibt dennoch unklar.

(Foto: dpa)

Zumindest kurzfristig ist die Trainerfrage beim FC Bayern geklärt: Hansi Flick betreut den dezent entkriselten Rekordmeister bis Sommer. Auch eine längere Zusammenarbeit ist für die Münchner ausdrücklich "vorstellbar". Wie grenzenloses Urvertrauen klingt das nicht.

Die Empfehlung des "Klubheiligen Josef" hat der FC Bayern vorerst ignoriert. Als Mann, der eine Epoche prägen kann, schwärmte Jupp Heynckes im "Kicker" gerade erst von Hansi Flick. Doch als diesen Mann sehen die Verantwortlichen des Rekordmeisters Flick eher nicht, zumindest nicht an diesem 22. Dezember. Denn an diesem Tag haben die Münchner, wie lange verabredet, über die Zukunft des Trainers entschieden und anschließend mitgeteilt: Die zunächst bis Weihnachten befristete Jobgarantie für den 54-Jährigen ist wie erwartet bis zum Saisonende verlängert worden, so lange soll Flick die Mannschaft des Tabellendritten mindestens betreuen. Dass die Zusammenarbeit dann im Sommer 2020 zu Ende geht, das ist längst keine ausgemachte Sache. Dass sie fortgesetzt wird, aber auch nicht. Es sei allerdings ausdrücklich "vorstellbar".

Was ist das also nun? Eine Hinhaltetaktik für eine große (noch nicht verfügbare) Lösung? Eine vorsichtige Strategie, um nach den Missverständnissen mit Carlo Ancelotti und Niko Kovac tatsächlich nach einem epochenprägenden Ideal-Trainer zu fahnden? Oder einfach nur eingeschränktes Vertrauen beziehungsweise eher uneingeschränkte Vorsicht, nachdem Flicks Mannschaft zwei gute Spiele gegen zwei gute Mannschaften aus Leverkusen (ein bizarres 1:2) und Mönchengladbach (ein bitteres 1:2) verloren hatte? Oder wollte womöglich Flick vorerst nur eine Kurzfrist als Cheftrainer? Viele Fragen, viele Spekulationen, keine Klarheiten. Denn Antworten auf all das gibt es in der Klubmitteilung zum verlängerten Flick-Engagement nicht.

Dort wird sehr viel Lob gehudelt. Die sportliche Entwicklung "sei hervorragend", lobt Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Nicht nur die Ergebnisse stimmen jetzt, das taten sie ja unter Flicks Vorgänger Kovac meistens auch. Auch die Qualität des Spiels stellt die Bosse jetzt zufrieden, was unter Kovac aus Sicht von Rummenigge eigentlich nie der Fall war. Das ist aber etwas, das dem Chef besonders wichtig ist. Unmittelbar nachdem sich der ausgelaugte Kovac von der zehrenden Saison mit Doublesieg erholt hatte, schrieb ihm Rummenigge ein prägendes Spielsystem ins Pflichtheft für die neue Spielzeit. Der FC Barcelona diente ihm da als Vergleich - weniger für den Stil als für das "Prägend".

Flick sammelt Pluspunkte auf allen Ebenen

Kovac, dessen Denke ja eher aus der Defensive kommt, hat den Kulturkampf ums Mia san mia verloren. Ohne Dominanz, kein Spaß für die Bayern-Profis. Aber ohne Spaß keine Unterstützung von den Profis. Spätestens beim peinlichen Pokalsieg bei Zweitligist VfL Bochum war der Bruch allzu offensichtlich. Ebenso offensichtlich wie das Fremdeln mit und das Leiden unter dem Ex-Coach ist nun die Freude und die Leidenschaft an der Arbeit unter Flick. Für den sich die Spieler am Ende einer fordernden Hinrunde bis zu jedem Abpfiff hergeben. Woche für Woche schwärmen die Spieler vom Pressing, von der neuen Dominanz, von der Taktik und von der Klarheit der Vorgaben des Trainers. Selbst Jérôme Boateng, der den Klub im Winter wegen ausbleibender Einsatzzeit trotz maximal geschwächter Abwehr verlassen will, lobte zuletzt den 54-Jährigen. Der sammelte beim Klub auch noch Argumente für sich, weil er die große Sehnsucht nach Jungs aus dem Nachwuchs förderte. Alphonso Davies etablierte sich als überraschend starker Linksverteidiger, Joshua Zirkee zauberte als Erstkontakt-Erlöser.

Mit der nun getroffenen Entscheidung bringt sich der FC Bayern indes dennoch in eine kuriose Situation. Und nicht nur sich selbst, auch den Trainer Flick. Und all die gehandelten großen Lösungen wie Thomas Tuchel von Paris St. Germain oder Eric ten Hag von Ajax Amsterdam, oder tatsächlich auch eine sehr innovative Doppelspitze? Wann fällt die Entscheidung für die neue Saison? Wann wird darüber mit Flick gesprochen? Und was käme eventuell nach dem Chef-Engagement? Wann müssen die anderen Optionen verhandelt werden? Titel sind in München ein Maß der Wahl, die gibt's aber halt immer erst am Ende. Das andere ist die Stimmung in der Mannschaft (die ist derzeit prächtig). Beide Maße sind absolut untrennbar miteinander verwoben. Funktioniert eins nicht, wird's für den Trainer stets ungemütlich.

Nicht noch einmal verzocken

Bereits vor der Ernennung von Niko Kovac hatten sich die Bayern-Bosse grandios verzockt. Das ebenso verzweifelte wie widersinnige Warten auf Heynckes hatte den Klub und seine Bemühungen maximal gelähmt und Tuchel maximal vergrault. Kovac war schließlich Kompromiss, nicht Wunsch, die kleinste gemeinsame Lösung - ein Makel, den er trotz Meisterschaft und Pokalsieg nie abschütteln konnte.

Nun, vielleicht hören sie in München ja doch noch auf den heiligen Jupp. Der sieht in Flick nicht nur den Mann für eine neue FC-Bayern-Epoche. Sondern auch ein Juwel. "Es geht nicht um Momentaufnahmen, sondern um das grundsätzliche Know-how eines Trainers, seine Kompetenz und menschliche Note, seine Philosophie. Unter diesen Aspekten und Anforderungen ist Hansi Flick für mich prädestiniert für die Aufgabe als Chef-Coach des FC Bayern und der ideale Mann für diese Position - und zwar über die Saison 2019/20 hinaus."

Quelle: ntv.de