Fußball

So läuft's gegen Oranje Löws DFB-Elf ringt um Platz in der Losbude

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Joachim Löw möchte in 90 Minuten viel Schlechtes wiedergutmachen.

(Foto: dpa)

Ist doch egal, abgestiegen sind sie? Stimmt, gemessen an der Nations League sind die deutschen Fußballer nur noch zweitklassig. Und doch ist die Partie gegen die Niederlande nicht völlig ohne Bedeutung.

Worum geht's?

Vielleicht steckt doch mehr Rebellisches in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft als gemeinhin bekannt. Da denkt sich der Europäische Verband Uefa einen schönen neuen Wettbewerb aus, damit die Auswahlteams der 55 Mitgliedsverbände sich nicht mehr mit zu vielen belanglosen Testspielen plagen müssen. Und was macht die DFB-Elf? Ergattert nach dem Desaster bei der Weltmeisterschaft in Russland aus drei Spielen in der Nations League nur einen Punkt und steigt aus der Eliteklasse in die Liga B ab. Und so steht für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw an diesem Abend (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in Gelsenkirchen gegen die Niederlande genau das an: ein Testspiel.

Geht's nicht doch um was?

Klar, schon ein Unentschieden reicht der Elftal, und sie sichert sich vor Weltmeister Frankreich, dem dritten Teilnehmer in dieser Gruppe 1, die Teilnahmeberechtigung für das Turnier um den Titel des Nationenligasiegers. Den spielen die vier Gruppensieger der Liga A vom 5. bis 9. Juni kommenden Jahres in Portugal aus. Die Gastgeber, ihres Zeichens Europameister, sind bereits qualifiziert, ebenso England und die Schweiz. Die Halbfinalpaarungen lässt die Uefa am 3. Dezember in Dublin auslosen. Dort geht es auch um die Gruppen für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020. Und da ist auch die deutsche Mannschaft dabei. Die Einteilung bemisst sich am Abschneiden in der Nations League.

Um bei der Auslosung in Topf 1 zu landen und eine mutmaßlich leichtere Gruppe zu erwischen, muss sie in der Gesamttabelle aller zwölf Teams der Liga A am Ende mindestens auf Rang zehn landen. Zurzeit belegt die DFB-Elf den elften und damit vorletzten Platz vor den Isländern, die alle vier Spiele verloren haben. Mit einem Sieg würden die Deutschen dank der besseren Tordifferenz die Kroaten überholen. Endet die Partie gegen die Niederlande mit einem Remis, muss Löws Team abwarten, wie Polen am Dienstagabend in Portugal spielt. Die Mannschaft um den Münchner Robert Lewandowski hat bisher ebenfalls einen Zähler auf dem Konto, aber die die bessere Tordifferenz.

Wie ist die deutsche Mannschaft drauf?

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Ganz egal ist die Nations League nicht. Wirklich.

(Foto: Judith Günther)

Seit die famosen Niederländer nach dem 3:0 im Oktober gegen den Ex-Weltmeister aus Deutschland nun auch am Freitagabend mit 2:0 gegen den Weltmeister Frankreich gewannen, steht fest, dass die DFB-Elf - gemessen an der Nations League - offiziell nur noch zweitklassig ist. Was blieb den Spielern, Manager Oliver Bierhoff und dem Bundestrainer da anderes übrig, als sich zerknirscht zu geben? Aber Löw hat ausgegeben, sich noch in besagten Lostopf 1 zu retten und außerdem den Fans zu zeigen, "dass wir auf einem guten Weg sind". Das dürfte bedeuten, dass er nach dem respektablen 1:2 in Paris und dem zumindest in der ersten Halbzeit sehr erfrischenden 3:0 im Test gegen Russland in Leipzig wieder auf die Jugend setzt.

Wäre ja auch schade, wenn er die zarte Hoffnung auf so etwas wie einen Umbruch gleich wieder zunichtemachen würde. Trotzdem ist damit zu rechnen, dass Toni Kroos von Real Madrid wieder in die Startelf rückt, nachdem er sich ausruhen durfte und in Leipzig nicht dabei war. Schade eigentlich, hatte doch der erst 19 Jahre alte Kai Havertz von Bayer 04 Leverkusen in Leipzig nahezu famos gespielt. Aber der Bundestrainer hatte bereits erwähnt, er wolle den jungen Mann nicht zu sehr belasten. Angreifen aber werden wie zuletzt der Leipziger Timo Werner, Leroy Sané von Manchester City und Serge Gnabry vom FC Bayern. Auch Münchens Innenverteidiger Niklas Süle und Thilo Kehrer von Paris St. Germain am rechten Ende der Fünferabwehrkette dürften wieder von Beginn an spielen. Und wie immer es ausgeht, ob mit einem neuen Tiefpunkt, einem überraschenden Erfolg oder irgendetwas dazwischen, Manager Bierhoff hatte es nach diesem sportlich so katastrophalen Jahr am Wochenende so formuliert: "Dann freue ich mich, dass es endlich vorbei ist."

Was machen die Niederländer?

Wie gut die Niederländer mittlerweile wieder Fußball spielen, das konnte der Zuschauer hierzulande sehen, als die Elftal am 13. Oktober das DFB-Team in Amsterdam mit 3:0 besiegte. Einzige Einschränkung seinerzeit: War halt nur gegen Deutschland. Nun aber gewann das Team von Trainer Ronald Koeman nicht nur gegen Weltmeister Frankreich, sondern war auch ganz klar die bessere Mannschaft. "Als ob sie aus einem Brunnen voller Selbstvertrauen getrunken haben, so spielt sich das Oranje von Bondscoach Ronald Koeman zum Status einer Topmannschaft im Werden", schrieb die Zeitung "de Volkskrant" und fragte: "Wer ist eigentlich der Weltmeister?" Wir dachten uns, da fragen wir doch mal nach. Und so lesen Sie am Nachmittag auf n-tv.de ein Interview mit dem ehemaligen niederländischen Nationalspieler Youri Mulder, bekannt aus Funk, Fernsehen und seiner Zeit in der Bundesliga beim FC Schalke 04.

War sonst noch was?

Umbruch, neue Generation, Havertz, Gnabry, Sané - da wirkt Thomas Müller wie ein Relikt. Aber er ist immer noch dabei, auch wenn sich der Spieler des FC Bayern seit einer gefühlten Ewigkeit mit der Sinnfrage nach der verlorenen Leichtigkeit konfrontiert. In München ist er kein Stammspieler mehr, in der deutschen Nationalelf auch nicht. Dennoch wird er mit 29 Jahren an diesem Montagabend ein Jubiläum feiern: sein 100. Länderspiel. Wir sind uns sicher, der Bundestrainer findet einen Weg: "Von mir kriegt er einen Riesenrespekt und ein unglaubliches Dankeschön." Müller wiegelte indes ab, nach seiner 99. Partie in Leipzig sagte er: "Natürlich ist das eine Zahl auf die viel geschaut wird, aber für mich ist das vielleicht im Rückblick etwas Besonderes. Im Moment konzentriere ich mich aber lieber auf das Fußballerische." Dass es dort etwas hakt, nimmt Müller nichts von seiner Strahlkraft. "Er ist ein absolut spezieller und besonderer Mensch. Auch ein ganz besonderer Fußballer", sagte Leon Goretzka. "Ich persönlich finde ihn sehr beeindruckend, auch wenn man sieht, wie positiv er jeden Tag angeht. Da kannst du sehr viel von ihm mitnehmen. Er ist immer noch ganz, ganz wichtig für uns."

Quelle: n-tv.de

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