Fußball

"An die eigene Nase packen" Der Abstieg nervt die DFB-Elf

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Goretzka und Co. wissen, dass sie selbst für die Lage der DFB-Elf verantwortlich sind.

(Foto: imago/Eibner)

Die Fußball-Nationalmannschaft beendet das Länderspieljahr mit der einzig passenden Pointe: Sie steigt aus dem Elitekreis der Nations League ab. Gegen die Niederlande hat das Team aber dennoch eine große Chance.

Ein Weltuntergang sei ein Abstieg aus der A-Gruppe der Nations League ja nicht. Diesen Befund hatte Joachim Löw in den vergangenen Tagen präventiv erhoben. Eine sehr gute Idee des Bundestrainers war das, um die Fallhöhe nach einem fürchterlichen Jahr für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft abzumildern. Aber so richtig überzeugt von seiner Idee schien Löw selbst nicht zu sein. Denn am Freitagabend, als die Niederlande mit ihrem beeindruckenden 2:0-Sieg gegen Frankreich deutsche Abstiegsfakten geschaffen hatten, sei der Bundestrainer doch genervt und frustriert ins Bett gegangen. Wie freilich das gesamte Team. Das verriet Team-Manager Oliver Bierhoff beim morgendlichen Training der DFB-Elf in Leipzig.

Nach einem Jahr mit WM-Desaster in Russland, heftiger Kritik an der verlorenen Bodenhaftung des Verbands, Mesut Özils spektakulärem Rückzug aus dem Team und einem verspätet eingeleiteten und vielmehr erzwungenen Umbruch heftet der Mannschaft nun auch noch das Label "zweitklassig" an. Der Schrecken des Wortes verliert indes reichlich an Wucht, wenn man betrachtet, dass Länder wie die Ukraine, Bosnien-Herzegowina und Russland sehr wahrscheinlich in den Elitekreis aufrücken. Das sind Nationalmannschaften, denen die deutsche Auswahl am Ende ihres Katastrophenjahres immer noch oder vielleicht auch schon wieder überlegen ist. Gegen ein personell zwar geschwächtes, aber absurd schwaches Russland hat die junge DFB-Elf das mit nur noch zwei Weltmeistern von 2014 gerade erst gezeigt (3:0). Eine erste Halbzeit lang sehr überzeugend, eine zweite dann allerdings nicht mehr. Da war wieder mehr Kuddelmuddel als kreativer Tempofußball.

"Haben uns selber in die Situation gebracht"

Dabei war der Test gegen Russland doch eigentlich als sportliche Charmeoffensive angelegt: gut spielen, klar gewinnen, das Publikum begeistern und für den Umbruch euphorisieren. Der war am 16. Oktober in der Nations League gegen Frankreich erfolgreich ausprobiert worden, trotz einer 1:2-Niederlage. Er war erfolgreich probiert worden, weil er unumgänglich geworden war. Weil sich das nur nuancierte "Weiter so" nach der WM-Desasteranalyse als nicht vehement und mutig genug für die Reanimation des Teams erwiesen hatte. Die Niederlande hatten das am 13. Oktober ziemlich rücksichtslos offengelegt. Nun geht es am Montag in Gelsenkirchen (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) wieder gegen den Nachbarn. Wieder in der Nations League. Das vorerst letzte Schaulaufen der DFB-Elf im Elitekreis des neuen Wettbewerbs, ehe es dann im Herbst 2020 in der B-Gruppe gegen Island, Österreich oder sogar Kroatien und England (einer von beiden steigt ab) gehen könnte.

"Natürlich hätten wir uns für das Spiel eine andere Konstellation gewünscht", sagte Leon Goretzka in Leipzig. "Aber diese Chance wurde uns nun versagt." Dass der eigene Anteil daran allerdings deutlich größer ist als das Fremdwerk der Niederländer und Franzosen am Freitagabend in Rotterdam, das will Bierhoff unbedingt so verstanden wissen. "Wir haben uns selbst in diese Situation gebracht. Wir müssen uns an die eigene Nase packen, wenn man sich auf andere verlassen muss, ist das immer schlecht." Nun ist es aber dennoch nicht so, dass der A-Gruppen-Abschied völlig belanglos daher kommt. Denn mit einem Sieg würde sich die deutsche Mannschaft bei der Auslosung zur EM-Qualifikation im Dezember womöglich in Lostopf eins halten und damit das vermeintlich stärkste Team in ihrer Gruppe sein. Ein fürchterlich komplizierter Modus in zwei eigentlich unabhängigen Wettbewerben ist das. Schließlich werden Teilnahmeplätze für die EM auch über die Nations League ausgespielt.

Das ist Zukunft. Die Gegenwart heißt Niederlande. Und natürlich immer noch atmosphärischer Wandel. Ein Sieg soll her. Klar. Eine gute Leistung. Sowieso. Gerne auch über 90 Minuten. Das formuliert Leon Goretzka. Und dann? Dann hat Team-Manager Bierhoff nur noch einen Wunsch "Dann will ich das Kapitel 2018 endlich zuschlagen."

Quelle: n-tv.de

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