Fußball

Seuchenjahr der DFB-Elf Bierhoff ist froh wenn's "endlich vorbei ist"

cb7df87ec4c9734352b2d138221ba989.jpg

Bierhoff erlebt einen "hochmotivierten" Bundestrainer.

(Foto: imago/Matthias Koch)

Nach dem Sieg der Niederländer gegen den amtierenden Weltmeister aus Frankreich steht fest: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steigt in der Nations League ab und muss 2020 in der B-Liga starten. Teammanager Oliver Bierhoff versucht dennoch, positiv in die Zukunft zu blicken. Vielleicht müsse man erst einmal unten angekommen zu sein, um mit dem Wiederaufstieg anzufangen.

Herr Bierhoff, Bundestrainer Joachim Löw hat gestern Abend nach dem entscheidenden Sieg der Niederlande gegen Frankreich in der Nations League gesagt, der Abstieg der DFB-Elf sei kein Weltuntergang. Wie sehen Sie das?

Oliver Bierhoff: Mit Sicherheit ist das kein Weltuntergang, frustrierend ist es schon. Nach so einem Abend wie gestern gehst Du natürlich genervt ins Bett. Aber da müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Sich auf andere verlassen zu müssen, ist immer schlecht. In diese Situation haben wir uns aber selber gebracht. Trotzdem müssen wir positiv nach vorne schauen und der Abstieg ändert nichts daran, dass wir am Montag alles geben wollen.

Was erwarten Sie sich vom Spiel in Gelsenkirchen?

Gegen die Niederlande zu spielen, ist immer ein Prestigeduell. Außerdem hilft es uns dabei, unsere Entwicklung voranzutreiben. Und das Ziel ist natürlich, mit einem Sieg im ersten Lostopf für die EM-Qualifikation zu landen, deswegen hat das Spiel einen hohen Stellenwert.

Können Sie den Abstieg kurz einordnen?

Natürlich hat das dem ohnehin schlechten Jahr noch einen draufgesetzt. Aber vielleicht mussten wir erst einmal den Boden berühren, um den Aufstieg wiederanzugehen. Wir müssen uns jetzt vieles wieder erarbeiten. Das macht der Abstieg deutlicher, als wäre man doch nochmal irgendwie dran vorbeigeschlittert. Das ist das der positive Effekt - spätestens jetzt ist uns bewusst, dass wir von Null starten. Und dann werden wir im kommenden Jahr die Qualifikation für die EM 2020 entsprechend angehen.

Welche Vor- und Nachteile bringt der Abstieg für das kommende Jahr?

Letztlich geht es im nächsten Jahr um zweierlei. Zum einen um die Qualifikation, aber auch um die Entwicklung der Mannschaft, um die Entwicklung der Spieler. Da ändert der Abstieg wenig dran. Und um ehrlich zu sein, ist es für den Herbst 2020 eher nebensächlich, ob wir nun in der A- oder B-Staffel der dann startenden Nations League spielen.

Und für den Sommer, wenn die vier Gruppensieger den Titel ausspielen?

Auch bei dem Final Four geht's sicher ums Prestige. Aber es wird auch Trainer geben, die sagen: Ist vielleicht gar nicht so schlimm, dass ich nicht dabei bin. Denn für so ein Turnier musst Du dann wieder deine Topspieler abrufen. Während man in so einem Qualifikationsmodus auch mal das ein- oder andere probieren kann. Eine Entschuldigung ist das jedoch nicht, gewinnen wollen wir immer.

Wie wichtig wäre es jetzt, in Topf eins zu landen für die Auslosung der Qualifikationsgruppen?

Auch das sehe ich halb entspannt. Natürlich will man immer optimale Voraussetzungen haben - aber auch in Topf eins kannst du auf einen unangenehmen Gegner treffen. Beispielsweise auf England oder Kroatien, die in ihrer Gruppe auch noch absteigen können. Das wichtigste ist, in dieser Qualifikationsphase unter die ersten zwei zu kommen. Das muss unser Anspruch sein.

Wie haben Sie den Bundestrainer in den letzten Tagen erlebt?

Natürlich war er gestern Abend auch genervt. Aber er ist mit viel Freude dabei, ich würde die Stimmung fast mit dem Confederations Cup vergleichen. Weil er einfach Lust hat, neue Dinge anzugehen, neue Impulse zu setzen - und er kriegt eben auch neue Impulse von außen, allein durch die neuen Spieler. Ich erlebe ihn hochmotiviert.

Mit welchem Gefühl beschließen Sie das Jahr 2018?

Erstmal wollen wir am Montag noch erfolgreich spielen. Und dann freue ich mich, das Kapitel endlich zuschlagen zu können, dass es endlich vorbei ist.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Tobias Nordmann.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema