Fußball

Hoeneß steht unter "Schock" FC Bayern verweigert Kovac den Zuspruch

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Trainer Niko Kovac muss sich beim FC Bayern zunehmend isoliert fühlen.

imago/Jan Huebner

Nach der Peinlichkeit gegen Fortuna Düsseldorf gibt Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß seine "Bis-aufs-Blut-Verteidigung" für Trainer Niko Kovac auf. Auch aus der Mannschaft kommt kaum noch Zuspruch. War es das für den Kroaten?

Niko Kovac steht nicht alleine da. Das ist nach dem als peinlich bewerteten 3:3 (2:1) am 12. Spieltag der Fußball-Bundesliga gegen Fortuna Düsseldorf und der stark verwässerten "Bis-aufs-Blut-Verteidigung" seines Präsidenten Uli Hoeneß noch die beste Nachricht für den Trainer des FC Bayern. So sagte der Österreicher David Alaba: "Wenn man sich das Spiel anschaut, kann der Trainer glaub' ich überhaupt nichts dafür. Die Gegentore sind sehr bitter, aber nicht die Art und Weise, wie wir gespielt haben. Der Trainer ist nicht der Schuldige." Das ist eine durchaus nette und exklusive Sicht auf die Dinge, die sich am Samstagnachmittag in der ausverkauften Arena in München abgespielt haben. Zwar hatte der Tabellenfünfte gegen den Aufsteiger tatsächlich eine Vielzahl an besten Gelegenheiten um gar nicht erst in den Gefahrenbereich der Blamage zu schlittern, aber so hanebüchen die Chancen ausgelassen wurden, so hanebüchen wurde eben auch verteidigt.

FC Bayern - Fortuna Düsseldorf 3:3 (2:1)

FC Bayern: Neuer - Kimmich, Süle, Jerome Boateng, Alaba - Martinez - Sanches (80. Rafinha), Goretzka - Thomas Müller (90.+2 Hummels), Lewandowski, Ribery (71. Robben); Trainer: Kovac.
Düsseldorf: Rensing - Matthias Zimmermann, Bormuth, Kaminski, Gießelmann - Bodzek (85. Hennings) - Zimmer, Stöger, Fink (76. Karaman), Usami (70. Raman) - Lukebakio; Trainer: Funkel.
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Tore: 1:0 Süle (17.), 2:0 Thomas Müller (20.), 2:1 Lukebakio  (44.), 3:1 Thomas Müller (58.), 3:2 Lukebakio (77.), 3:3 Lukebakio (90.+3)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)

Dreimal blamierte der junge Düsseldorfer Dodi Lukebakio (44./77./93.) die bayerische Innenverteidigung mit zwei deutschen Nationalspielern. Dreimal musste sich Niklas Süle, der die Münchener früh mit 1:0 in Führung gebracht hatte (17.), fragen lassen, wo er mit seinen Gedanken war, als er den 20-Jährigen gewähren ließ. Ein Vorwurf, den sich vermutlich gleich auch noch Jérôme Boateng mit anhören durfte. Und zwar von seinem übergeordneten Chef. So ärgerte sich Hoeneß. "Es gibt den einen oder anderen Spieler, der über sich mal nachdenken muss. Das hat man wieder gesehen, dass dilettantische Fehler passieren, wenn ich an das erste Gegentor denke. So was habe ich eigentlich nur in Slapstick-Filmen gesehen. So geht das natürlich nicht." Boateng hatte im Strafraum gegen Jean Zimmer jegliches körperliche Abwehrverhalten verweigert, so dass der Ball erst mühelos bei Lukebakio und dann noch müheloser im Tor landete.

Es war bei weitem nicht die einzige Szene, die den Präsidenten unter "Schock" stellte. Wie er selbst sagte. Die Gegentore zwei und drei waren dermaßen luftig verteidigt, dass man der Mannschaft defensiv eine akute Planlosigkeit gegen schnelle Konter unterstellen muss. Und das mit der Schnelligkeit ist ja ohnehin so eine Sache. Die geht dem Spiel des FC Bayern, jaja, freilich auch wegen der Ausfälle von Kingsley Coman (langfristig) und Serge Gnabry (kurzfristig), derzeit mitunter gänzlich ab. Fassungslos analysierte Hoeneß sehr ausführlich: "Ich war völlig down, als das Tor (Anmerk. d. Red.: das 3:3) gefallen ist. Ich habe gedacht, die Welt geht unter. Wir spielen einen sehr schlechten, uninspirierten Fußball ohne Selbstvertrauen. Man hat das Gefühl, dass die Mannschaft total verunsichert ist. Man hat immer auf der Tribüne das Gefühl, auch bei einer klaren Führung, dass man bei jedem Angriff gefährdet ist, ein Gegentor zu kriegen. In den ersten sechs Wochen haben wir gedacht, dass wir alles richtig gemacht haben. In den letzten sechs Wochen ist das ins Gegenteil umgeschlagen. Das, was heute passiert ist, ist absolut nicht akzeptabel. Wir müssen beim FC Bayern jetzt alles hinterfragen."

"Dann müssen wir eine Analyse machen, wo wir eigentlich stehen"

Diese sportliche Vernichtungsanalyse fällt nun auch präsidial-offiziell auf den Trainer zurück. "Wir spielen am Dienstag in der Champions League gegen Benfica Lissabon, und da wird unser Trainer sicherlich Niko Kovac sein. Im Moment ist es kein Thema, weil wir uns jetzt vorgenommen haben, in aller Ruhe darüber zu schlafen und am Dienstag das schwere Spiel vor uns haben. Und dann müssen wir eine Analyse machen, wo wir eigentlich stehen." Für den Coach dürfte das ziemlich desaströs enden. Nicht nur das seit Wochen zähe Spiel mit oft schlechten Ergebnissen - das 3:3 gegen Düsseldorf war das vierte Liga-Heimspiel in Folge ohne Sieg, der Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund beträgt erstaunliche neun Punkte - wird Kovac angelastet, nun kippt offenbar komplett die Stimmung im Team.

Die war angesichts der teilweise wilden und offenbar schlecht moderierten Rotation in den vergangenen Wochen ohnehin gereizt. Viele Führungsspieler sollen verschiedenen Medienberichten zufolge mit ihren Pausen unzufrieden gewesen sein. Zum Beispiel Thomas Müller, dessen erlösender Doppelpack gegen Düsseldorf nun im Krisengerede völlig untergeht. Oder auch James Rodriguez, Javi Martinez und Mats Hummels. Dass die "ewigen" Franck Ribéry und Arjen Robben nicht glücklich sind, wenn sie zuschauen müssen, ist hingegen nichts Neues. Und so lässt sich auch ein schleichender Autoritätsverlust des Trainers beobachten. Beim Topspiel in Dortmund entschied etwa der wegen einer Erkältung zum Sicherheitsrisiko gewordene Hummels, wann er ausgewechselt werden wollte. Und Robben durfte vergangene Woche in einem Interview mit der ARD unverblümt sagen: "Wir dürfen nicht vom Titel reden. Ich glaube, dafür sind wir im Moment nicht gut genug." Angesichts der zuletzt harten Medienschelte der Bayern-Bosse wirkt das reichlich tolerant aus München.

Während Leon Goretzka nun also auf die Frage wie die Mannschaft zum Trainer stehe nichts sagen wollte, erklärte Kapitän Manuel Neuer: "Wenn wir das getan hätten, was der Trainer uns mitgegeben hat, hätten wir 5:0 gewonnen." Was als Kompliment für Kovac klingt, liest sich im Subtext so: Der Kroate erreicht die Mannschaft mit seinen Vorgaben nicht mehr. Schlimmer kann's für einen Trainer eigentlich nicht kommen. Oder doch? Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, sollen sich noch am Samstagabend viele Spieler gegen den 47-Jährigen ausgesprochen haben. Und das Wort der Fußballer hat Gewicht. Das ist allerdings nichts Neues in München. So erklärte Hoeneß: "Wir sind Manns genug, Entscheidungen selbst zu treffen. Aber selbstverständlich wird man immer auch die Meinung von Spielern anhören. Aber wenn man Entscheidungen zu treffen hat als Führung, dann muss man das schon selber machen. Wir werden jetzt sicherlich nicht die Kabine benutzt haben, um die Mannschaft nach dem Trainer zu befragen. Aber wir werden sicherlich die nächsten Tage nutzen, um rauszufinden, was da los ist." Viel Zuspruch wird Niko Kovac offenbar nicht mehr erwarten können.

Quelle: n-tv.de

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