Fußball

"Respektlos und widerlich" FC Bayern greift deutsche Medien an

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Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß werfen Medien in einer Pressekonferenz eine respektlose Berichterstattung vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der FC Bayern lädt zur Pressekonferenz mit Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic. Heraus kommt eine beispiellose Attacke gegen ihrer Meinung nach herabwürdigend berichtende Medien. Die Journalisten geben ein scharfes Echo.

Die Stimmung frostig, Ton und Vorwürfe extrem scharf: Die Bosse des FC Bayern München haben in einer beispiellosen Pressekonferenz die deutschen Medien, vor allem auch n-tv, attackiert und bei ihrem Rundumschlag auch einzelne Journalisten und Experten konkret angegriffen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß warfen den Medien unter anderem vor, in den vergangenen Wochen nach vier sieglosen Spielen des FC Bayern in Folge "respektlos und widerlich" und faktisch falsch über den auf Rang 6 der Fußball-Bundesliga abgerutschten Rekordmeister berichtet zu haben. "Zumindest in dieser Art und Weise" werde man das künftig nicht mehr akzeptieren, sagte Rummenigge.

Insbesondere beklagte er kritische Berichte über das jüngste 0:3 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in den Niederlanden. "Das hat nichts mehr mit Kritik zu tun. Das ist nur noch eine Abrechnung mit einzelnen Spielern und, the trend is your friend, insbesondere natürlich Spielern von Bayern München", sagte Rummenigge in seinem gut zehn minütigen Eröffnungsmonolog und führte Artikel 1 des Grundgesetzes an: "Da steht, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Ich weiß nicht, ob der Fußball eine Sonderrolle einnimmt oder ob für den Fußball da eine eigene Gesetzgebung, von gewissen Medien zumindest, sich erlaubt wird."

"Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen"

Offensichtlich aber scheine "man sich überhaupt keine Gedanken mehr zu machen über Werte wie Würde und Anstand", sagte Rummenigge: "Die Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Das gilt für Medien und Experten, die auch mal bei diesem Klub gespielt haben." Er glaube, führte Rummenigge im überfüllten Presseraum an der Säbener Straße weiter aus, "es ist ein wichtiger Tag heute für den FC Bayern, weil wir ihnen mitteilen möchten, dass wir uns das ab sofort nicht mehr gefallen lassen". Mit dem heutigen Tage werde man sich diese "herabwürdigende, hämische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen" und "unsere Spieler, unseren Trainer und auch den Klub schützen."

Hoeneß sagte, er könne Rummenigges Aussagen "100-prozentig unterstreichen". Er bezeichnete Teile der jüngsten Berichterstattung als "Frechheit" und kündigte an: "Dieser Verein wird sich jetzt wieder als eine Einheit in der Öffentlichkeit darstellen, wie Sie das lange Zeit nicht erlebt haben. (...) Wir werden keine respektlose Berichterstattung akzeptieren." Das habe aber nichts mit einer Empfindlichkeit des Vereins angesichts der sportlichen Krise zu tun, betonte Hoeneß: "Nein, ich glaube dass es einfach mal an der Zeit ist, dass der wichtigste Verein in Deutschland sich mal klar positioniert, und zwar in dieser Einheit. Deswegen sind wir drei alle zusammen hier." In der Vergangenheit hatte der FC Bayern wiederholt "mediale Ablenkungsmanöver gestartet", wie es die "Süddeutsche Zeitung" formuliert, um in sportlichen Krisen Druck von Spielern und Trainer zu nehmen.

Nun drohten die Bayern-Bosse, in den kommenden Wochen "Ross und Reiter" bei ihrer Meinung nach inakzeptabler Berichterstattung nennen zu wollen und das über vereinseigene Kanäle zu kommunizieren. Auf aus Vereinssicht falsche Berichte wolle der Klub zudem vermehrt mit Unterlassungserklärungen und Forderungen nach Gegendarstellung reagieren. Erste juristische Schritte habe es bereits gegeben.

Auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic bezeichnete die jüngste Berichterstattung als "unverschämt". Die Arbeit eines ganzen Klubs sofort in Frage zu stellen, gehe gar nicht, "ich war entsetzt". Er zeigte sich irritiert, dass von ihm ein öffentliches Bekenntnis zu Trainer Niko Kovac vermisst worden war und argumentierte: "Wir müssen uns doch nicht öffentlich Küsschen geben, die Bundesliga ist keine Dschungelshow." Trotz der jüngsten Negativserie stehe Kovac "nicht infrage", sagte Salihamidzic: "Er weiß, dass wir hinter ihm stehen."

Medien nicht zum Katzbuckeln verpflichtet

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wies die Medienschelte energisch zurück. "Wie Journalisten über den Fußballklub, die Spiele und die Verantwortlichen des Vereins berichten, lassen wir uns nicht von der Chefetage des Vereins vorschreiben", erklärt der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall: "Möglichen juristischen Schritten der Fußballmanager können Journalisten gelassen entgegensehen. Mir ist kein Gesetz bekannt, das uns zum Katzbuckeln vor dem FC Bayern München verpflichtet."

Dass der erfolgsverwöhnte Klub vier Spiele ohne Sieg hinter sich gebracht habe, sei nicht die Schuld der Berichterstatter, sondern der Spieler: "Es ist Aufgabe der Medien, eine Pannenserie auch so zu nennen."

Quelle: n-tv.de

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