Wissen

144.000 Kilometer pro Stunde Aquariden verglühen am Nachthimmel

imago0080043047h.jpg

Ende Juli erreichen die Südlichen Delta-Aquariden ihren Höhepunkt. Sie sind nach dem Wassermann (Aquarius) benannt.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Nun sind für einige Wochen die Meteore des Sternschnuppenstroms der Aquariden am Nachthimmel zu beobachten. Sie dringen mit 40 Kilometern pro Sekunde in die Lufthülle der Erde ein und verglühen. Aber es gibt noch mehr zu sehen: etwa die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems.

Sie tauchen rasend schnell mit bis zu 40 Kilometer pro Sekunde - das sind 144.000 Kilometer pro Stunde - in die Erdatmosphäre ein und verglühen. Der Sternschnuppenstrom der Aquariden ist von Sonntag (12. Juli) an für mehrere Wochen bis Mitte August am Nachthimmel zu beobachten.

"Das prognostizierte Maximum soll dieses Jahr in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli eintreten", teilte die Vereinigung der Sternfreunde in Deutschland mit, machte allerdings keine Hoffnung auf ein Spektakel verglühender Himmelskörper.

Der Ausstrahlungspunkt liege tief im Sternbild Wassermann oder lateinisch "Aquarius". Das bedeute, dass von den theoretisch 20 bis 25 Sternschnuppen pro Stunde in hiesigen Breitengraden es gerade die Hälfte an unseren Himmel schaffe. Das Sternbild stehe in südöstlicher, nach Mitternacht in südlicher Richtung. Als Ursprungskomet wird der Komet "96P/Machholz" verdächtigt.

Allerdings steht laut Vereinigung der Sternfreunde ein größeres Schauspiel für Himmelsgucker bevor: Der Meteorstrom der Perseiden habe sein Maximum am 12. August.

Jupiter und Saturn beherrschen den Nachthimmel

Aber es gibt vorher noch mehr zu sehen: Im Juli beherrschen die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems, Jupiter und Saturn, den Nachthimmel. Mitte des Monats stehen sie im Sternbild Schütze der Sonne gegenüber. Diese Stellung nennt man Opposition. Wenn die Sonne im Nordwesten unter den Horizont sinkt, erscheinen Jupiter und Saturn im Südosten. Jupiter rückt immer mehr an den etwas östlicher befindlichen Saturn heran. Es ist spannend, die Annäherung beider Riesenplaneten zu verfolgen. Jupiter ist der schnellere Planet: In 12 Jahren umrundet er einmal die Sonne, während Saturn dafür fast 30 Jahre benötigt. Zu Winterbeginn am 21. Dezember wird Jupiter den ringgeschmückten Saturn einholen.

Der Durchmesser von Jupiter ist 11 Mal größer als der Erddurchmesser, der des Saturn 10 Mal. Jupiter dreht sich von allen Planeten am schnellsten: Ein Jupitertag dauert nur knapp 10 Stunden. Auch Saturn zählt zu den schnell rotierenden Planeten. Eine Saturnumdrehung erfolgt in 10 Stunden und 30 Minuten. Wegen ihrer raschen Rotation sind beide Riesenplaneten stark abgeplattet, was man in einem Teleskop deutlich erkennen kann.

Kleines Fernrohr reicht

Schon in einem kleinen Fernrohr kann man den berühmten Ring des Saturn ab etwa 30-facher Vergrößerung ausmachen. Richtig beeindruckend wirkt der Ring ab 200-facher Vergrößerung. Auch die anderen großen Planeten Jupiter, Uranus und Neptun sind von Ringen umgehen. Sie sind aber so unscheinbar und lichtschwach, dass sie in irdischen Teleskopen nicht zu sehen sind. Wie Aufnahmen von Raumsonden zeigen, setzt sich der Saturnring aus vielen Hundert einzelnen Ringen zusammen, was Saturn den Beinamen "Herr der tausend Ringe" eingebracht hat.

Das Saturnring-System ist ein relativ junges Gebilde: Während Saturn und die anderen Planeten vor 4,6 Milliarden Jahren aus einer gewaltigen Gas- und Staubscheibe gebildet wurden, ist der Saturnring erst 100 Millionen Jahre alt. Hätten die Dinosaurier im Erdmittelalter Fernrohre besessen, einen Saturnring hätten sie nicht gesehen. Auch ist der Saturnring astronomisch betrachtet ein kurzfristiges Gebilde: In etwa 100 Millionen Jahren wird es ihn nicht mehr geben.

Jupiter strahlt in einem hellen, glänzend weißen Licht und übertrifft alle anderen Sterne am Nachthimmel, bis ihm morgens die noch hellere Venus Konkurrenz macht. Zurzeit ist unser innerer Nachbarplanet Morgenstern. Bereits am 10. Juli strahlt Phosphoros, so wird der Morgenstern auch genannt, in maximalem Glanz. Damit übertrifft Venus auch Jupiter und Mars bei Weitem an Helligkeit. Zu Monatsbeginn ist Venus um 3.30 Uhr im Nordosten aufgegangen, Ende Juli schon zwei Stunden früher.

Venus und Mars

Am 12. zieht Venus nur zwei Vollmondbreiten nördlich an Aldebaran, dem rötlichen Hauptstern des Stieres, vorbei. Dies ist die geringste Distanz eines hellen Planeten von Aldebaran im 21. Jahrhundert. Ein besonders netter Himmelsanblick ergibt sich am 17. gegen 5 Uhr morgens, wenn sich die Sichel des zunehmenden Mondes zum Morgenstern gesellt. Beide Gestirne sind knapp über dem Nordosthorizont zu sehen.

Mars ist in der zweiten Nachthälfte am Firmament vertreten. Er wandert durch das Sternbild Fische. Die Erde beginnt den rötlich-gelben Planeten einzuholen und kommt ihm immer näher. Deshalb steigert sich die Marshelligkeit im Juli deutlich. Anfang des Monats ging Mars um Mitternacht auf, Ende Juli schon eine halbe Stunde früher. Am 11. begegnet der abnehmende Halbmond dem roten Planeten. Mitte Oktober wird die Erde unseren äußeren Nachbarplaneten überholen.

Zwei Raumsonden sollen zum Mars starten

Mehr zum Thema

Im Juli sollen zwei Raumsonden zum Mars starten: erstmals eine chinesische Mission, "Tianwen-1" (Fragen an den Himmel), sowie die Nasa-Mission "Perseverance" (Ausdauer), die sogar einen Hubschrauber mitführt, der in der extrem dünnen Marsatmosphäre Erkundungsflüge durchführen soll.

Ende Juli erscheint auch der flinke Merkur auf der morgendlichen Himmelsbühne. Gute Sichtbedingungen vorausgesetzt, lässt sich Merkur ab dem 26. in der Morgendämmerung knapp über dem Nordosthorizont erspähen.

Quelle: ntv.de, abe/dpa