Wissen

Eismaschine und "Satanswerk" Erfinder der Klimaanlage galt als "verrückt"

AP_613382194629.jpg

Später wurde John Gorrie für die Erfindung der Eismaschine doch noch geehrt, eine Statue von ihm steht in der Statuary Hall auf dem Capitol in Washington.

(Foto: AP)

Wer an heißen Tagen in einem Büro sitzen muss, ist überaus dankbar für Klimaanlagen. Im 19. Jahrhundert galt die Maschine aber noch als "Satanswerk", ihr Erfinder wurde für "verrückt" erklärt. Doch John Gorrie war seiner Zeit voraus und schlug mit seiner Innovation gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Aus Bürogebäuden und Hotels in heißen Regionen sind sie nicht mehr wegzudenken: Klimaanlagen. Doch ihr Erfinder wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von seinem Umfeld für "verrückt" erklärt. John Gorrie starb schließlich 1855, ohne je für seine bahnbrechende Erfindung Geld gesehen zu haben, völlig verarmt.

"Ein Verrückter, der glaubt, mit seiner Maschine Eis herstellen zu können, wie der allmächtige Gott", spottete ein Journalist der Zeitung "Boston Globe" über den Arzt Gorrie aus Florida. Der Bundesstaat wurde damals in den Sommermonaten wegen schwüler Hitze und Stechmücken quasi geschlossen. Noch bis 1940 machten Hotels über den Sommer zu.

Gorrie sah eine Verbindung zwischen der Hitze und der durch die Mücken aus den Sumpfgebieten verbreiteten Gelbfieberepidemie in diesen Breiten. Gorrie, der in dem kleinen Ort Apalachicola im Norden Floridas lebte, folgerte: Eine Kühlung der Krankenzimmer würde die Epidemie eindämmen. Also baute er seine Eismaschine.

"Vater der Kühlung"

Der Apparat in einem Holzkörper verfügte über eine Dampfmaschine und eine Reihe von Kurbeln. Die Mechanik erlaubte es, Luft zu kondensieren und danach ausströmen zu lassen, bis sich am Ende dank unterschiedlicher Temperaturen Eis bildete. Ab 1849 konnte Gorrie so pro Tag zwölf Eisblöcke produzieren. Die lagerte er auf den Krankenzimmerdecken. Da warme Luft nach oben steigt, kühlte sie sich dort ab und sank wieder herab. Auch das Fieber der Patienten sank.

Gorrie, der später auch Bürgermeister seiner Stadt wurde, war seiner Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts voraus. Doch er musste sich zeitlebens Anfeindungen seiner tief gläubigen Mitmenschen erwehren. Diese sahen in seiner Maschine "Satanswerk", denn Eis zu erschaffen, war aus ihrer Sicht Gott vorbehalten. Gorrie verkaufte daher bis zu seinem Tod keine einzige seiner Maschinen.

Heute werde Gorrie vor allem als der "Vater der Kühlung" angesehen, sagt Jeremy Roundtree, der im kleinen Gorrie-Museum in Apalachicola die Besucher führt. Dabei sei er auch ein "sehr guter Arzt" gewesen. Es sollte bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts und bis zum weltweiten Siegeszug der Klimaanlagen dauern, bis es sich in Gorries Heimat ganzjährig gut leben ließ. Heute werde Gorrie daher nicht nur in seiner kleinen Heimatstadt von vielen "verehrt", sagte Roundtree.

Quelle: n-tv.de, Leila Macor, AFP

Mehr zum Thema